Öl- und Gasaktien: Das sind die besten Fonds und ETFs
Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran hat die Straße von Hormus zum energiepolitischen Brennpunkt gemacht. Öl- und Gas-Aktienfonds zählen zu den großen Gewinnern – und könnten es bleiben. Welche Portfolios stark abschneiden.12.03.2026 | 10:00 Uhr von «Matthias von Arnim»
Ein Szenario, das Ökonomen und Energiestrategen seit Jahrzehnten als Worst Case durchgespielt haben, ist Wirklichkeit geworden. Seit dem Beginn der US-israelischen Luftangriffe auf den Iran am 28. Februar 2026 ist die Straße von Hormus, jenes gerade einmal 50 Kilometer breite Nadelöhr zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer, praktisch gesperrt. Mehr als tausend Schiffe stauen sich beiderseits der Meerenge. Rund 68 beladene Öltanker sitzen fest, ihre Ladung: 14 Millionen Tonnen Rohöl – genug für den Jahresverbrauch Griechenlands.
Die Zahlen sprechen für sich: Durch die Straße von Hormus fließen normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Rohöls und ein ähnlich hoher Anteil des global gehandelten Flüssigerdgases (LNG). Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und der Irak sind auf diese Route ebenso angewiesen wie Abnehmer in Asien – vor allem China und Indien, die zusammen fast 80 Prozent der Golfexporte abnehmen. Was die Blockade für diese Länder bedeutet, ist in den Fördermengen abzulesen: Saudi-Arabien hat seine Produktion bereits um bis zu 2,5 Millionen Barrel pro Tag zurückgefahren, der Irak um rund 2,9 Millionen Barrel.
Brent kratzte kurz an der 120-Dollar-Marke
An den Ölmärkten reagierte der Preis sofort: Öl der Sorte Brent näherte sich zwischenzeitlich der Marke von 120 US-Dollar pro Barrel – fast doppelt so viel wie noch im Vormonat. Aktuell kostet ein Barrel mit Lieferdatum Ende März rund 92 US-Dollar – was immer noch ein stolzer Preis ist. US-Präsident Donald Trump reagierte zwar mit einem 20 Milliarden Dollar schweren staatlichen Versicherungsprogramm und stellte Marine-Eskorten in Aussicht. Die Märkte nahmen das zur Kenntnis, ohne jedoch zu jubeln. Zu groß ist die Unsicherheit, ob militärische Begleitung allein ausreicht, um Reeder zur Durchfahrt zu bewegen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche versicherte, die Sperrung wirke sich auf Deutschlands Versorgung vorerst nicht aus – Gas fließt über Pipelines aus Norwegen und Belgien, Öl über andere Routen. Für große Teile der Weltmärkte gilt das nicht. Insbesondere die asiatischen Ölimporteure treiben derzeit die Preise nach oben. Erste LNG-Tanker aus den USA, die ursprünglich nach Europa fahren sollten, haben bereits ihren Kurs geändert und fahren Richtung Asien. Dort locken jetzt höhere Gewinne beim Verkauf des wertvollen Energieguts.
Warum Anleger jetzt genauer hinschauen
Geopolitische Krisen sind für Öl- und Gasunternehmen in aller Regel kein Problem – sie sind ein Katalysator. Wer in Aktien von Förderern, Infrastrukturbetreibern und Ausrüstern der Öl- und Gasindustrie investiert ist, hat in den vergangenen zwölf Monaten – also auch schon deutlich vor dem neuen Golfkrieg – außerordentlich gut verdient. Die besten in Deutschland handelbaren Fonds kamen auf eine Jahresperformance von über 50 Prozent. Selbst die schwächeren Produkte der Kategorie übertrafen in diesem Zeitraum die meisten Standardaktienindizes deutlich. Die strukturellen Argumente für das Segment sind dabei nicht allein geopolitischer Natur. Integrierte Ölkonzerne schütten bei moderaten bis hohen Preisen massive freie Cashflows als Dividenden und Rückkäufe aus. Unternehmen der sogenannten Midstream-Infrastruktur – wie etwa Pipelines, LNG-Terminals, Lagerkapazitäten – erzielen gebührenbasierte, wenig ölpreissensitive Erträge. Und der globale Energiebedarf steigt weiter: Die Internationale Energieagentur rechnet selbst in ambitionierten Klimaszenarien mit einem anhaltend hohen Öl- und Gasbedarf bis weit in die Mitte des Jahrhunderts.
Die besten Fonds im Überblick
Fonds aus dem Segment der Öl- und Gasförderer waren lange Zeit verpönt. Die Branche gilt eben nicht als besonders nachhaltig. Wer sein Portfolio ESG-konform aufstellen will, meidet die Öl-Schmuddelkinder. Und so sind insbesondere aktiv gemanagte Energiefonds nach und nach auch aus den Angebotslisten der Fondsgesellschaften verschwunden. Doch die Nachfrage steigt wieder. Denn es hat sich herumgesprochen, dass die Mineralölkonzerne immer noch stattliche Gewinne erzielen. Mit den passenden, überwiegend passiven Fonds können Anleger, die wenig Wert auf das Thema Nachhaltigkeit legen, vom Comeback der Schmuddelkinder profitieren.
Die folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der in Deutschland handelbaren Öl- und Gas-Aktienfonds, geordnet nach ihrer Performance der vergangenen zwölf Monate.
| ISIN | Fondsname | Auflegung | Perf. lfd. Jahr | Perf. 1 Jahr | Perf. 3 Jahre p.a. | TER p.a. |
|---|---|---|---|---|---|---|
| LU1834988278 | Amundi STOXX Europe 600 Energy ESG Screened UCITS ETF Acc | 25.10.06 | 22,66% | 68,82% | 70,63% | 0,30% |
| IE000NXF88S1 | VanEck Oil Services UCITS ETF A | 31.03.23 | 38,10% | 52,85% | - | 0,35% |
| IE00B5MTWH09 | Invesco European Oil & Gas Sector UCITS ETF | 07.07.09 | 23,47% | 50,83% | 54,09% | 0,20% |
| LU0256331488 | Schroder ISF Global Energy A Acc | 30.06.06 | 27,13% | 39,32% | 13,52% | 2,40% |
| IE00BMW42637 | iShares MSCI Europe Energy Sector UCITS ETF EUR (Acc) | 18.11.20 | 24,10% | 36,81% | 39,37% | 0,18% |
| IE00BKWQ0F09 | State Street SPDR MSCI Europe Energy UCITS ETF EUR | 05.12.14 | 23,40% | 35,03% | 38,55% | 0,18% |
| IE00BM67HM91 | Xtrackers MSCI World Energy UCITS ETF 1C | 09.03.16 | 25,87% | 27,96% | 40,11% | 0,25% |
| IE00BYTRR863 | State Street SPDR MSCI World Energy UCITS ETF USD | 29.04.16 | 25,55% | 27,59% | 39,51% | 0,30% |
| IE00B6R51Z18 | iShares Oil & Gas Exploration & Production UCITS ETF | 16.09.11 | 26,42% | 26,36% | 31,99% | 0,55% |
| IE000J0LN0R5 | Amundi S&P Global Energy Carbon Reduced UCITS ETF DR EUR (A) | 20.09.22 | 25,07% | 24,07% | 33,75% | 0,18% |
| IE00B42NKQ00 | iShares S&P 500 Energy Sector UCITS ETF (Acc) | 20.11.15 | 26,88% | 22,87% | 35,03% | 0,15% |
| IE00BWBXM492 | State Street SPDR S&P U.S. Energy Select Sector UCITS ETF USD | 07.07.15 | 26,82% | 22,86% | 36,07% | 0,15% |
| IE000AIFGRB9 | Invesco S&P World Energy Targeted & Screened UCITS ETF Acc | 12.04.23 | 23,64% | 20,48% | - | 0,18% |
| IE00B94ZB998 | Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF Acc | 15.05.13 | 17,38% | 4,73% | 53,10% | 0,50% |
Europäische Energie liegt vorn
Auffällig an der Rangliste: Die drei Jahressieger sind allesamt europäisch ausgerichtete Produkte. An der Spitze steht der Amundi STOXX Europe 600 Energy ESG Screened UCITS ETF Acc mit einer Jahresperformance von knapp 69 Prozent und einem laufenden Jahreszuwachs von 22,7 Prozent. Der seit Oktober 2006 aufgelegte Fonds mit einem Volumen von 194 Millionen Euro bildet den STOXX Europe 600 Energy Index ab – also die größten europäischen Öl- und Gaskonzerne wie Shell, TotalEnergies, BP und Equinor. Die laufenden Kosten liegen bei lediglich 0,30 Prozent pro Jahr.
Dicht dahinter: der VanEck Oil Services UCITS ETF A, der mit einem Jahresplus von fast 53 Prozent und einem beeindruckenden laufenden Jahreszuwachs von 38 Prozent aus der Masse heraussticht. Der erst im März 2023 aufgelegte ETF mit 227 Millionen Euro Fondsvolumen investiert nicht in die großen Ölförderer selbst, sondern in die Ausrüster und Dienstleister der Ölindustrie – Unternehmen wie SLB (ehemals Schlumberger), Halliburton und Baker Hughes. Diese sogenannten Oilfield-Services-Konzerne profitieren überproportional von steigenden Explorations- und Produktionsbudgets. Die TER liegt bei 0,35 Prozent.
Ebenfalls über die 50-Prozent-Marke auf Jahressicht kommt der Invesco European Oil & Gas Sector UCITS ETF mit einem Plus von 50,8 Prozent. Der seit 2009 laufende, recht kleine Fonds mit nur 18 Millionen Euro Volumen repliziert den MSCI Europe Energy Index und bietet mit 0,20 Prozent TER einen der günstigsten Zugangswege zum europäischen Energiesektor überhaupt.
Für Anleger mit globalem Anspruch sind der Xtrackers MSCI World Energy UCITS ETF 1C und der SPDR MSCI World Energy UCITS ETF die naheliegenden Instrumente. Beide replizieren den MSCI World Energy Index, der neben europäischen Konzernen auch US-Giganten wie ExxonMobil und Chevron abdeckt. Mit 1,65 Milliarden beziehungsweise 482 Millionen Euro Fondsvolumen und einer TER von 0,25 beziehungsweise 0,30 Prozent zählen sie zu den liquidesten und kosteneffizientesten Produkten ihrer Klasse.
Eine Sonderstellung nimmt der Invesco Morningstar US Energy Infrastructure MLP UCITS ETF Acc ein. Sein Jahresplus von 4,73 Prozent erscheint im Vergleich mit der Konkurrenz bescheiden, die 3-Jahres-Performance liegt mit 53,1 Prozent pro Jahr allerdings an der Spitze des gesamten Feldes. Das liegt an der Besonderheit des Anlageuniversums: Der Fonds investiert in US-amerikanische Master Limited Partnerships (MLPs), also Betreibergesellschaften von Pipelines, Lager- und Verarbeitungsinfrastruktur. Deren Cashflows sind weitgehend unabhängig vom Ölpreis und werden vertraglich über lange Zeiträume gesichert – ein Merkmal, das den Fonds in ruhigen Marktphasen vergleichsweise träge, in Stresssituationen aber stabil erscheinen lässt.
Der aktive Ansatz von Schroders unter den hier aufgeführten Fonds ist der Schroder ISF Global Energy A Acc das einzige aktiv gemanagte Produkt. Mit einem Fondsvolumen von rund 500 Millionen Euro und einer Jahresperformance von 39,3 Prozent behauptet er sich überzeugend im Vergleich mit seinen passiven Konkurrenten – und das trotz einer deutlich höheren Kostenbelastung von 2,40 Prozent TER. Verantwortlich für das Portfolio ist ein dreiköpfiges Team um Mark Lacey, seit 2013 Head of Commodities bei Schroders, sowie die Portfolio Manager Felix Odey und Alexander Monk. Lacey kam über Stationen bei Credit Suisse Asset Management, JP Morgan und Goldman Sachs – wo er gemeinsam mit Jonathan Waghorn die Energieforschungsabteilung leitete – zu Schroders. Das Team verfolgt einen konzentrierten Ansatz: Der Fonds investiert mindestens zwei Drittel seines Vermögens in ein relativ enges Portfolio von Aktien und aktienähnlichen Wertpapieren aus dem globalen Energiesektor, gemessen am Referenzindex MSCI World/Energy. Der entscheidende Unterschied zur passiven Konkurrenz liegt in der aktiven Selektion und Gewichtung. Das Management schichtet gezielt zwischen integrierten Ölförderern, reinen Explorationsunternehmen, Gasförderern und Servicefirmen um – je nach Marktlage und Einschätzung der relativen Bewertungen. In der aktuellen Lage mit eskalierendem Golfkonflikt und steigenden Ölpreisen kann ein solcher Ansatz erhebliche Mehrrenditen generieren, wenn das Team die richtigen Sektoren übergewichtet. Auf Sicht von drei Jahren liegt die annualisierte Performance mit 13,5 Prozent allerdings klar unter der der günstigeren ETF-Konkurrenz – ein Hinweis darauf, dass die höheren Kosten langfristig eine hohe Hürde darstellen.
Fazit: Für Anleger, die an einen längeren Ölpreiszyklus glauben, könnten sowohl die günstigen ETFs als auch der aktiv gemanagte Schroder-Fonds interessante Investitionsmöglichkeiten sein – wobei die hohen Kosten des Fonds eine echte Hürde sind. Auch die Risiken sollten Anleger nicht aus dem Blick verlieren. So verlockend die Renditen der vergangenen Monate auch aussehen: Öl- und Gasfonds bleiben hochvolatile Spezialprodukte. Ein plötzliches Ende des Konflikts am Persischen Golf, eine Einigung zwischen Iran und den USA, eine rasche Wiederöffnung der Straße von Hormus: All das könnte die Risikoprämie aus dem Ölpreis schlagartig herausnehmen und die Kurse der Energieaktien stark belasten. Gleichzeitig droht mittelfristig regulatorischer Gegenwind durch die Energiewende. Energiefonds eignen sich daher als Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio – aber nicht als Kernanlage.