Meta-Flops: Scheiternde Geschäftsmodelle

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: POSTSCAN der Deutschen Post AG und Mark Zuckerbergs Meta-Krise.

04.05.2026 | 08:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

In der vergangenen Woche hat die Deutsche Post AG mal wieder eine groß angelegte Werbeaktion gestartet, um für ihren Dienst POSTSCAN zu werben. Ihr Angebot: POSTSCAN-Kunden können sich Briefe digital als PDF-Dokumente schicken lassen. Eingehende Briefe werden also in einem Postzentrum geöffnet, gescannt und im Postscan-Shop der Deutschen Post bereitgestellt. Der Aktionspreis: 4,99 Euro im ersten Monat, danach regulär 14,99 Euro. Wer sich auch die Originale zuschicken lassen will, zahlt zusätzlich 7,99 Euro pro Monat.

Durchatmen. Kurz nachdenken. Noch einmal durchatmen.

Frage: Warum sollen Kunden einen Aufschlag dafür zahlen, dass die Post weniger Briefe zu transportieren hat? Und wie kann es sein, dass immer noch irgendjemand in der Deutsche Post AG-Konzernzentrale in Bonn diese Idee für ein überzeugendes Geschäftsmodell hält? Eine Erklärung könnte lauten, dass es manchmal schwerfällt, sich von einem bereits mehrmals grandios gescheiterten Projekt zu verabschieden. Zur Erinnerung: Im Jahr 2010, also bereits vor 16 Jahren – hat die Deutsche Post AG die „E-Post“ eingeführt. Schon damals lautete die Idee: Briefe werden von der Deutschen Post gescannt und den Empfängern in einem extra dafür entworfenen eMail-Portal zur Verfügung gestellt. Man konnte von diesem Portal aus auch selbst PDF-Dokumente als Brief an andere ePost-Eigner verschicken – natürlich nicht umsonst, sondern mit einer digitalen Briefmarke versehen, die genau so viel kostete wie eine Briefmarke zum Aufkleben. Das Projekt scheiterte vorhersehbar und kostete den Konzern viele Millionen Euro.

Im August 2022 wurde die E-Post eingestellt – allerdings nur, um vom neuen Produkt E-Postscan abgelöst zu werden. Statt einer digitalen Briefmarke pro Brief fielen nun 24,99 pro Monat an. Dafür wurde die sichere, aber umständliche und nutzerunfreundliche eMail-Serverstruktur der E-Post abgebaut. Die eingescannten Briefe konnten nun als eMail auf GMX und Web.de empfangen werden. Was nichts daran änderte, dass die Idee, Briefpost erst auszudrucken, um sie dann in einem Postzentrum wieder zu öffnen, einzuscannen und dann kostenpflichtig per Mail zuzustellen, natürlich immer noch nicht überzeugen konnte. Es kam, wie es kommen musste. Der E-Postscan wurde wegen hoher Kosten und mangelnden Erfolges schon nach einem Jahr wieder eingestellt – allerdings auch diesmal nur, um am 1. August 2023 als POSTSCAN wiederaufzuerstehen. Für 14,99 Euro pro Monat. Plus die eingangs genannten 7,99 Euro, falls man auch die Originale zugeschickt bekommen will. Was soll man dazu sagen? Es gibt eben immer wieder mal Projekte, die tot sind, aber nicht sterben wollen.

Nicht nur die Deutsche Post AG hat damit zu kämpfen. Zombie-Projekte findet man bei fast allen großen Konzernen. Ein Beispiel dafür ist das Metaverse von Mark Zuckerberg. Zuckerberg war von der Idee der Erschaffung eines virtuellen Erlebnisraumes so überzeugt, dass er sogar seinen Konzern Facebook in Meta umbenannte. Ein fataler Fehler. Technisch ist das Projekt niemals über den Status einer mangelhaften, pixeligen Betaversion hinausgekommen. Mittlerweile hat der Metaverse-Zombie 80 Milliarden US-Dollar verschlungen. Das Geld ist in den unendlichen Weiten der virtuellen Welt verbrannt. Noch schlimmer: Während Zuckerberg sich hier verrannte, verpasste sein Konzern die KI-Revolution – und damit den Anschluss an die Konkurrenz. Heute sind Konzerne wie Alphabet, OpenAI, Anthropic und Perplexity auf der Softwareseite führend. Dienste wie Microsoft Azure, Google Cloud und vor allem Amazon stellen mit ihren Cloud Services die Infrastruktur zur Verfügung, Nvidia entwickelt die passenden Chips, und Tesla transformiert sich derzeit an allen Fronten gleichzeitig vom reinen Autohersteller zu einem führenden Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz und Robotik. Und Meta? Der Konzern hält mit all seinen Plattformen wie Facebook, Instagram und Co. an einem Geschäftsmodell fest, das in den vergangenen Jahren zwar sehr erfolgreich war und aktuell nach wie vor ordentlich Gewinn abwirft, jedoch immer mehr unter Druck gerät: der Verkauf von Werbung auf seinen Websites. Das hat auch Mark Zuckerberg erkannt. Keine Frage: Meta muss sich neu erfinden, um zur Konkurrenz aufzuholen. Aber wie?

Zuckerbergs Versuch, das zu tun, was alle Großkonzerne tun, wenn sie aus eigener Kraft nicht mehr innovativ genug sind, nämlich Mitbewerber und/oder innovative Startups zu kaufen, ist in der vergangenen Woche grandios gescheitert: Chinas Regierung hat die zwei Milliarden Dollar schwere Übernahme des KI-Agenten Manus durch Meta gestoppt. Manus wäre für Meta ein strategisch wichtiger Zukauf von Technologie gewesen.

Zum Hintergrund: Manus ist ein mächtiges Werkzeug zur Entwicklung und den Betrieb von KI-Agenten. Ein KI-System, das für Nutzer Reisen bucht, Bewerbungen filtert oder Einkäufe abwickelt – eine Art Rundum-24/7-Service-Agentur für die Nutzer. Manus unterscheidet sich technisch von klassischen Sprachmodellen wie ChatGPT oder Perplexity. Während ein Chatbot eine Anfrage beantwortet und dann stoppt, koordiniert Manus mehrere Künstliche Intelligenzen – also sogenannte KI-Agenten – parallel. Manus zerlegt komplexe Aufgaben in Teilschritte, delegiert sie an Spezialmodelle und liefert anschließend ein fertiges Ergebnis. Werbetreibenden eröffnen solche Systeme ganz neue Dimensionen. Manus kann ihnen einen sehr exklusiven Zutritt zu Konsumenten verschaffen – und zwar direkt zwischen Absicht und Transaktion. Wenn die KI zum Beispiel entscheidet, was ihr Nutzer wann wo bei wem kauft, dann lässt sich diese Entscheidung deutlich teurer vermarkten als ein Werbebanner auf einer Website oder in einer App.

Fatal für Mark Zuckerberg: Die Manus-Übernahme war eigentlich schon über die Bühne gegangen, die Verträge schon unterschrieben. Der Meta-Boss hat die Manus-Investoren bereits ausbezahlt. Die Rede ist von rund zwei Milliarden US-Dollar. Doch die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) Chinas grätschte dazwischen und verbot den Verkauf – ein durchaus fragwürdiges Vorgehen. Denn das Unternehmen, das Manus entwickelt hat, die Butterfly Effect Pte. Ltd., wurde zwar ursprünglich in China gegründet, verlagerte seinen Sitz aber später nach Singapur, um dort freier agieren zu können. Die Realität hat die beiden Gründer Xiao Hong und Ji Yichao nun eingeholt. Auf einem Heimatbesuch in China wurden ihre Pässe eingezogen. Jetzt sitzen die beiden in Peking fest. Sie dürfen nicht mehr ausreisen und sind ihrem Traum von einem Luxusleben in Singapur weiter entfernt als je zuvor.

Entwicklung der Meta-Aktie in der vergangenen Woche

Und Zuckerberg? Der kann jetzt versuchen, seine zwei Milliarden US-Dollar bei den zahlreichen Vertragspartnern wieder einzusammeln. Die Quittung für sein Manus-Desaster hat er in der vergangenen Woche an der Börse bereits bekommen. Der Meta-Aktienkurs rutschte um rund zehn Prozent ab. Das bedeutet einen Wertverlust von 145 Milliarden US-Dollar.

Angesichts solcher Dimensionen erscheinen die geschätzten 500 Millionen Euro, die die Deutsche Post AG im Laufe der Jahre in ihren E-Post-Zombie investiert hat, geradezu lächerlich. Aber wer weiß? Vielleicht kauft Mark Zuckerberg ja der Deutschen Post das Projekt POSTSCAN ab. Eine kurze, informelle Fax-Anfrage könnte sich lohnen.

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag treffen sich in der Frankfurter Commerzbank-Zentrale die Verantwortlichen, um die Folgen des Ergebnisses der außerordentlichen Hauptversammlung der Unicredit zum geplanten Übernahmeangebot für die Commerzbank zu diskutieren. Auf der HV, die am heutigen Montag in Mailand stattfindet, sollen die Unicredit-Aktionäre ihre Zustimmung für die nötige Kapitalerhöhung geben, was der nächste Schritt für eine Übernahme der Commerzbank wäre. Geplant ist die Ausgabe von maximal 470 Millionen Stammaktien. Die Unicredit, die direkt über Aktien und indirekt über Finanzinstrumente mehr als 29 Prozent an der Commerzbank hält, hatte Mitte März ein freiwilliges Übernahmeangebot für den Frankfurter Dax-Konzern angekündigt.

Am Mittwoch findet die Abschlussveranstaltung der „Energie-Tage 2026“ in Berlin statt. An den Energietagen 2026 beteiligen sich über 100 Institutionen aus Politik, Verbänden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft mit eigenen Veranstaltungen. Damit bilden sie das gesamte Spektrum der energie- und klimapolitischen Debatte ab. Zu den Schirmherren zählen u.a. das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) sowie das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).

Am Donnerstag lädt die IHK in Berlin zu ihrem IHK-Tag ein. Das Thema: „Wie wird Wirtschaft(en) in Deutschland einfacher?“ An der Veranstaltung wird unter anderem auch Bundeskanzler Friedrich Merz teilnehmen. Man darf gespannt auf seine Einlassungen sein. Vielleicht hat er ja ein paar neue spannende Ideen, wie es mit Deutschland weitergehen soll.

Am Freitag veröffentlicht die Commerzbank ihre Geschäftszahlen für das erste Quartal 2026. Der Dax-Konzern hat angekündigt, an dem Tag auch seine aktualisierten Finanzziele und Strategie bis 2030 vorzustellen. Unicredit-Chef Andrea Orcel dürfte mit sehr gemischten Gefühlen auf das Ereignis blicken. Sind die Zahlen gut, strafen sie ihn Lügen. Sind die Zahlen schlecht, muss er seinen Aktionären erklären, wieso er die Commerzbank überhaupt übernehmen will.

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