Energiekrise als Katalysator – DNB sieht Rückenwind für Renewables

Die geopolitischen Verwerfungen an den Energiemärkten standen im Zentrum des Vortrags von Torsten Seuberth, Senior Wholesale Manager bei DNB Asset Management, auf dem Munich Fund Summit. Seine Analyse: Die aktuellen Konflikte wirken wie ein Brandbeschleuniger für die Energiewende – mit weitreichenden Konsequenzen für Märkte und Investoren.

27.05.2026 | 15:15 Uhr von «Peter Gewalt»

Kern seines Arguments ist die gestörte globale Energieversorgung. Die Straße von Hormus, ein Nadelöhr der Weltwirtschaft, steht für rund ein Viertel des globalen Ölhandels und ein Fünftel des LNG-Transports. Die geopolitischen Spannungen hätten diese Strukturen empfindlich getroffen. „Die Folgen sind schwer abschätzbar“, betonte Seuberth und verwies auf die hohe Unsicherheit hinsichtlich Dauer und Intensität der Krise

Die Auswirkungen sind bereits spürbar: steigende Energiepreise, zunehmende Volatilität und wachsende Risiken für Konjunktur und Inflation. Besonders Europa steht unter Druck. Niedrige Gasspeicher und strukturelle Abhängigkeiten verschärfen die Lage zusätzlich. Laut den in der Präsentation zitierten Studien drohen bei dauerhaft hohen Ölpreisen über 120 US-Dollar je Barrel sogar globale Rezessionseffekte.

Gleichzeitig sieht Seuberth in dieser Situation eine klare strategische Chance für erneuerbare Energien. Während fossile Energieträger unter geopolitischen Risiken leiden, sinken die Kosten für Solar- und Windenergie seit Jahren kontinuierlich. „Die nachhaltigen Energiequellen sind auf dem Vormarsch“, erklärte er und verwies auf den klaren wirtschaftlichen Vorteil gegenüber importierten fossilen Brennstoffen.

Grafik 1: Sinkender Preis für Solarstrom

Doch der Umbau bleibt komplex. Ein zentrales Nadelöhr identifiziert Seuberth nicht in der Produktion, sondern in der Infrastruktur: „Das große Thema ist das Einspeisen beziehungsweise Speichern“, sagte er. Der Ausbau von Netzen und Speicherkapazitäten sei entscheidend, um die wachsenden Mengen erneuerbarer Energie effizient nutzbar zu machen – ein Bereich, in dem weltweit noch erhebliche Investitionen notwendig sind.

Vor diesem Hintergrund positioniert sich der DNB Fund Renewable Energy gezielt entlang der Wertschöpfungskette der Energiewende. Der Fonds investiert seit Jahrzehnten in Unternehmen aus drei Kernbereichen: Energieerzeugung, Elektrifizierung und Ressourceneffizienz. Dabei setzt das Management auf einen aktiven Bottom-up-Ansatz und ein konzentriertes Portfolio von rund 50 Titeln, das bewusst vom Vergleichsindex abweicht, um gezielt Chancen zu nutzen.

Als langfristige Wachstumstreiber nannte Seuberth insbesondere die zunehmende Elektrifizierung der Wirtschaft. Treiber seien unter anderem Elektromobilität, Wärmepumpen sowie der stark steigende Energiebedarf von Rechenzentren im Zuge des KI-Booms. Diese Entwicklungen führten zu einer strukturell steigenden Stromnachfrage – und damit zu einem anhaltenden Investitionsbedarf in nachhaltige Technologien.

Grafik 2: Drei Themen stehen im Fokus

Sein Fazit fiel entsprechend klar aus: „Es macht wirtschaftlich keinen Sinn, Öl, Gas und Kohle weiter zu verfeuern“, so Seuberth. Neben ökologischen Argumenten rückten zunehmend ökonomische Überlegungen in den Vordergrund. Für Investoren eröffne sich damit eine langfristige Perspektive, die weit über kurzfristige Marktschwankungen hinausgehe – getragen von einem strukturellen Wandel des globalen Energiesystems.

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