Crash-Analyse: So kurz dauert der Verlust am Weltaktienmarkt

Viele Anleger fürchten vor allem eines: Genau zum falschen Zeitpunkt an der Börse einzusteigen und dann ewig im Minus zu liegen. Doch wie lange wäre ein Anleger im globalen Aktienmarkt tatsächlich im Verlust geblieben – selbst, wenn er den denkbar ungünstigsten Einstiegstag erwischt hätte? Pascal Kielkopf hat das für jeden Handelstag seit 1972 ausgerechnet.

09.03.2026 | 11:30 Uhr

Für seine Untersuchung betrachtete der Kapitalmarktstratege von HQ Trust alle Börsentage seit Anfang 1972. Für jeden Einstiegstag prüfte Pascal Kielkopf, wie lange ein Investor – nach vorne geschaut – im Minus gewesen wäre. Die Analyse erfasst damit nicht nur die großen Krisen wie den Dotcom-Crash, die Finanzkrise oder die Corona-Korrektur, sondern auch all die kleinen, heute oft bereits vergessenen Rückschläge des Marktes.

  • „In den meisten Fällen war der Verlust verblüffend kurz. Im Median – also in der Hälfte aller untersuchten Einstiegstage – lag der Investor maximal zwei Tage im Minus, bevor der Markt wieder über seinen Kaufkurs stieg.“
  • „In neun von zehn Fällen dauerte die Verlustphase maximal einen Monat. Wer drei Monate Geduld hatte, lag mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit bereits wieder vorne.“
  • „Selbst bei sehr ungünstigem Einstiegszeitpunkt war man nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder im Plus: Mit 99 % Wahrscheinlichkeit lag die maximale Dauer bei 3,3 Jahren.“
  • „Den absoluten Negativrekord markierte die Dotcom-Blase: Wer am Hochpunkt des Jahres 2000 einstieg, wartete 13,2 Jahre, bis er im Plus lag.“

Pascal Kielkopf analysierte zusätzlich aber noch einen zweiten Fall.

In diesem hat er auch berücksichtigt, ob man zu einem späteren Zeitpunkt (wieder) unter seinen Kaufkurs fiel. Für diesen Fall berechnete der Experte, wie lange es gedauert hätte, bis der Anleger – von seinem Einstiegszeitpunkt aus betrachtet – dauerhaft im Gewinn lag.

  • „Im zweiten Szenario steigen die Zeiten deutlich: Hier dauerte es im Median 1,5 Jahre, also rund 18 Monate, bis der Investor dauerhaft im Gewinn war.
  • „In neun von zehn Fällen wäre man aber auch hier nach maximal 9,6 Jahren dauerhaft im Gewinn gewesen.“
  • „Die langen Verlustphasen konzentrieren sich hier allerdings auch auf wenige Krisen.“
  • „Besonders ausgeprägt waren sie in den 1970ern, während der Dotcom‑Korrektur und in der Finanzkrise. Viele andere Perioden zeigen nur kurze Minusstrecken.“

Was Anlegerinnen und Anleger aus der Analyse mitnehmen sollten

  • „Geopolitische Krisen wie die aktuelle Lage im Iran fühlen sich bedrohlich an – und kurzfristig können sie die Märkte durchaus durchrütteln.“
  • „Doch die historische Evidenz zeigt: Wenn man global gestreut investiert, sind die meisten Verlustphasen überraschend kurz, selbst wenn die Nachrichtenlage dramatisch wirkt.“
  • „Entscheidend ist, investiert zu bleiben und nicht aus Angst vor kurzfristigen Schwankungen zu verkaufen oder bis zum Sankt-Nimmerleinstag auf den Einstieg zu warten.“
  • „Langfristig orientierte Anleger profitieren von der Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit der globalen Weltwirtschaft, die nach Krisen immer wieder die Grundlage für eine Erholung der Aktienmärkte bildet.“

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