Zinserhöhungen? Jetzt?

TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Warum der Golfkrieg die EZB in die Bredouille bringt.

16.03.2026 | 07:00 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Es herrscht Krieg in Nahost. Die Straße von Hormus, ohnehin eine empfindliche Energie-Ader im sensiblem Wirtschaftskreislauf der Weltkonjunktur, ist verstopft. Um einen Kollaps zu verhindern, haben die USA und Europa einen Teil ihrer strategischen Erdölreserven freigegeben. Was jedoch offensichtlich nichts hilft. Die Ölpreise an den Rohstoffmärkten sind weiter in die Höhe geschnellt und sorgen bei Verbrauchern nicht nur an den Tankstellen für Frust. Die Energiekrise wird insgesamt weltweit für eine höhere Inflation sorgen, die Kaufkraft schwächen und weiteren volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Denn Öl ist nicht nur im Bereich der Energieerzeugung, sondern in fast allen Industriefertigungsprozessen immer noch einer der wichtigsten Rohstoffe. Die Redewendung, es laufe wie geschmiert, hat für die Wirtschaft eine sehr tiefe Bedeutung. Um in deutlicher Bildersprache zu bleiben: Wer im Nahen Osten ohne Plan und Verstand mit dem Feuer spielt, kann die Weltwirtschaft in Brand setzen. Herzlichen Dank an dieser Stelle nach Mar-a-Lago. 

Droht ein Inflationsfeuerwerk, reagieren Notenbanken normalerweise mit einem erprobten Löschmittel, um einen volkswirtschaftlichen Flächenbrand zu verhindern. Sie heben die Leitzinsen an. Tatsächlich haben sich in der vergangenen Woche erste Stimmen aus den Zentralbankhinterzimmern der EZB zu Wort gemeldet und verkündet, man müsse handeln. Zinsanhebungen seien bei der nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag zwar noch nicht zu erwarten, doch in den kommenden Monaten nicht mehr ausgeschlossen.

Das sind Aussagen, die vor einigen Wochen noch undenkbar waren. Die Preissteigerungsrate lag vor dem Golfkrieg im Euroraum im Durchschnitt noch bei 1,9 Prozent. Dazu kommt: Die Konjunktur läuft hierzulande alles andere als auf Hochtouren. Zinserhöhungen wären angesichts dieser Fakten ein schlechter Treppenwitz. Gerade in Deutschland, wo die Industrie schon länger aus regulatorischen Gründen unter hohen Energiepreisen leidet, käme eine Zinserhöhung jetzt zum falschen Zeitpunkt. In den Räumen der EZB in Frankfurt müsste nun eigentlich genau das Gegenteil diskutiert werden, nämlich die Zinsen zu senken, um Kreditaufnahmen und Investitionen – unter anderem übrigens auch verstärkt in Projekte zur Energietransformation – zu fördern. Selbst wenn der Ölpreis und damit die Inflation aufgrund des Krieges im Nahen Osten kurzfristig die Drei-Prozent-Marke knacken sollte, wäre dies kein Beinbruch. Schließlich verharren die Leitzinsen in Europa nun schon seit fast vier Jahren auf einem anspruchsvollen Niveau, das bis zum Ausbruch des Ukraine-Kriegs vielen als unvorstellbar hoch galt.

Ohnehin standen vor dem Golfkrieg bei der EZB und der Fed die Zeichen eher auf Zinssenkung. Oder zumindest auf Zinsstabilität mit dem Ausblick auf Zinssenkungen. Diesen Pfad jetzt überstürzt verlassen zu wollen, zeugt nicht gerade vom Weitblick derjenigen, die nun mit der Idee einer Verteuerung von Geld spielen. An der Börse ist bereits zu besichtigen, was Kapitalmarktteilnehmer von dieser Idee halten. Herzliche Grüße an dieser Stelle ins Frankfurter Ostend. 

Interessante Termine in den kommenden Tagen

Am Dienstag startet die Cyber-Security-Messe „SecIT by Heise“. Bis zum Donnerstag tummeln sich IT-Sicherheitsbeauftragte, Rechenzentrumsleiter und Netzwerkadministratoren auf der Kongressmesse in Hannover. Mit 166 Ausstellern und einem von den Redaktionen C't, Heise Security und iX kuratierten Vortragsprogramm bietet die Messe in vier Hallen Orientierung in Zeiten wachsender Cyber-Bedrohungen, wie es in der Ankündigung des Termins heißt. Interessant in diesem Zusammenhang: Chinesische und nordkoreanische IT-Sicherheitsfirmen sind nicht explizit als Aussteller genannt. Es wäre vermutlich auch kontraproduktiv. 

Am Mittwoch verhandelt der Bundesgerichtshof über die Wirksamkeit kapitalmarktabhängiger Stornoabzüge bei der Kündigung von Lebens- und Rentenversicherungsverträgen. Der zuständige vierte Zivilsenat will klären, ob entsprechende Klauseln in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen zulässig sind. Ob am Mittwoch schon ein Urteil gefällt wird, ist unklar. (Az. IV ZR 184/24). Die Verkündung wird in der Versicherungsbranche mit Spannung erwartet. Denn eine Entscheidung des BGH gegen kapitalmarktabhängige Stornoabzüge bei Lebens- und Rentenversicherungen würde Versicherungsnehmern bei vorzeitiger Kündigung höhere Rückkaufswerte sichern. Versicherer müssten Rückabwicklungen teils neu berechnen, bereits abgezogene Beträge erstatten und ihre Kalkulationsmodelle anpassen.

Am Donnerstag gibt die Europäische Zentralbank in Frankfurt nach ihrer Ratssitzung ihre Entscheidung über die Höhe der Leitzinsen bekannt. Eine Zinssenkung oder -erhöhung wird zwar noch nicht erwartet (siehe oben). Die Entscheidung fußt auf Daten, die vor dem US-Angriff auf den Iran erhoben wurden. Spannend wird sein, ob Christine Lagarde eine Andeutung dazu macht, ob die EZB auch in den kommenden Monaten die Füße stillhalten wird.

Am Freitagnachmittag verabschieden sich die Teilnehmer der Frühjahrs-Agrarministerkonferenz ins Wochenende. Zuvor geben sie noch eine gemeinsame Presseerklärung ab. Auf der Tagesordnung der Konferenz stehen aktuelle agrarpolitische Themen wie zum Beispiel die gemeinsame Agrarpolitik der Bundesländer ab 2028, das Düngerecht, EU- sowie nationale Themen wie etwa die Rahmenbedingungen für die Nutztierhaltung, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln oder das Thema Bioenergie.

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