„Zehn Thesen zur Aktienmarktstruktur – warum Kurse trotz Öl und Geopolitik hoch bleiben“
Trotz hoher Ölpreise und geopolitischer Spannungen notieren die Aktienmärkte vielerorts nahe Höchstständen – mit zehn Thesen zur aktuellen Aktienmarktstruktur ordnet Dr. Stefan Schüder, CFA, Senior Specialist Economics bei der apoBank, die zentralen Treiber, Risiken und Spannungsfelder ein.19.05.2026 | 09:57 Uhr
1. Kurzfristig dominieren geopolitische Entwicklungen die Märkte; mittel- und langfristig bleiben jedoch Gewinnwachstum und Konjunktur die entscheidenden Treiber.
2.
Der jüngste Energiepreisanstieg erhöht die Inflationsrisiken für
die kommenden Quartale spürbar – und verschiebt damit die Risikobalance.
3.
Die Zentralbanken stehen vor einer schwierigeren Abwägung zwischen
robuster Konjunktur und wieder steigenden Inflationsrisiken – entsprechend hoch
bleibt die Zinssensitivität der Märkte.
4.
Höhere Anleiherenditen belasten zunehmend die Bewertungen und
verschlechtern die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen – dadurch steigt
die Hürde für weitere Kursgewinne.
5.
Die globale Konjunktur bleibt insgesamt robust und stützt die
Aktienmärkte, insbesondere in den USA und ausgewählten Schwellenländern.
6.
US-Aktien profitieren überdurchschnittlich von solidem Wachstum,
Innovationskraft und starker Gewinnentwicklung im Technologiesektor – das
erklärt die anhaltende relative Stärke.
7.
Europa steht vor strukturellen Nachteilen durch höhere
Energieabhängigkeit und geringere Wachstumsdynamik – und bleibt damit
anfälliger für externe Schocks.
8.
Die Marktentwicklung wird zunehmend von wenigen großen Unternehmen
getragen – das erhöht Konzentrationsrisiken und macht Rückschläge potenziell
abrupter.
9.
Die Dynamik im Technologiesektor bleibt ein wesentlicher Treiber.
Das Potenzial für weitere Kursanstiege ist angesichts hoher Bewertungen,
steigender Zinsen und geopolitischer Risiken jedoch begrenzt – Selektion wird
wichtiger als ‚der Markt‘.
10.
Die Abwärtsrisiken infolge der Möglichkeit einer erneuten
Eskalation im Iran-Konflikt werden durch solide Gewinne und eine stabile
globale Wachstumsdynamik abgemildert – sie sind aber nicht vom Tisch.