Volatilität als interessante Anlageklasse! Auch am Rentenmarkt?
Volatilität gilt für viele Anleger noch immer als Synonym für Risiko – als etwas, das es zu vermeiden gilt. Doch was, wenn genau diese Schwankungen selbst zur Renditequelle werden können?10.03.2026 | 06:15 Uhr
In den vergangenen Jahren hat sich Volatilität zunehmend als eigenständige Anlageklasse etabliert: handelbar, strategisch nutzbar und oft unabhängig von der klassischen Marktrichtung.
Besonders spannend wird der Blick dabei auf einen Markt, der traditionell für Stabilität steht: den Rentenmarkt. Denn wie uns allen spätestens im Jahr 2022 wieder vor Augen geführt wurde, unterliegen auch Staats- und Unternehmensanleihen teils erheblichen Schwankungen – ausgelöst durch Zinswenden, Inflationserwartungen oder Liquiditätsveränderungen. Die Frage ist daher aktueller denn je: Bietet Volatilität gerade im Anleihebereich neue Diversifikations- und Ertragschancen für moderne Portfolios?
Was ist eigentlich Volatilität?
First things first: Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff der Volatilität? Im Allgemeinen bezeichnet Volatilität das Ausmaß der Schwankungen einer ökonomischen oder finanziellen Größe über einen bestimmten Zeitraum. Dabei gilt es, zwischen der historischen Volatilität, die rückblickend aus beobachteten Marktbewegungen ermittelt wird und der impliziten Volatilität, also der vom Markt erwarteten und eingepreisten zukünftigen Schwankungsintensität, zu unterscheiden.
Liegt eine Zeitreihe vergangener Kursentwicklungen vor, lässt sich die historische Volatilität einer finanziellen Größe theoretisch relativ einfach berechnen. Im Kontext unserer Fragestellung wollen wir uns jedoch auf die implizite Volatilität konzentrieren.
Da es sich hierbei um die vom Markt erwartete, zukünftige Unsicherheit handelt, bedarf es eines derivativen Instruments, das zukünftige Preisentwicklungen aktiv berücksichtigt – nämlich der Option. Optionen verbriefen das Recht, an künftigen Preisbewegungen eines Basiswerts zu partizipieren und erfüllen damit alle Voraussetzungen, um erwartete Volatilität abzuleiten.
Der Optionspreis wird – neben zentralen Faktoren wie Ausübungspreis (bzw. dessen Abstand zum Kassapreis) und Restlaufzeit – maßgeblich durch die implizite Volatilität bestimmt, also durch die vom Markt erwartete Schwankungsintensität des Basiswerts.
Welche Arten von Optionen kommen in Frage?
Handelt es sich um einen liquiden Aktienmarkt, lässt sich die implizite Volatilität eines Index aus den auf ihn gehandelten Indexoptionen berechnen. Die klare Definition der betrachteten Optionen hinsichtlich Ausübungspreis und Laufzeit – also deren Standardisierung – ermöglicht eine konsistente Analyse im Zeitverlauf und bildet zugleich die Grundlage für gängige Volatilitätsindizes wie den VIX (USA) oder den VDAX (Deutschland).
Abbildung 1: Implizite Volatilitäten bei Aktien
Stand: 06.02.2026 | Quelle: Tresides
Im Währungsbereich werden in der Regel sogenannte „Währungskörbe“ definiert, die sich aus den gängigsten und liquidesten Währungspaaren – typischerweise aus dem Kreis der G7-Staaten – zusammensetzen. Auf Basis der zugrunde liegenden FX-Optionen lässt sich anschließend, analog zum Aktienmarkt, die jeweilige implizite Volatilität berechnen. Zu den gängigen Indizes zählen dabei beispielsweise der CVIX (Currency Volatility Index der Deutschen Bank) sowie der VXY (J.P. Morgan G7 Volatility Index).
Abbildung 2: Implizite Volatilitäten bei Währungen
Stand: 06.02.2026 | Quelle: Tresides
Die Besonderheit bei „Rentenoptionen“
Am Rentenmarkt besteht eine Besonderheit – im Gegensatz zu den zuvor genannten Optionsmärkten anderer Assetklassen. Zwar existieren Optionen, die sich direkt auf einzelne Anleihen oder spezifische Emittenten beziehen, diese sind jedoch in der Regel nicht börsengelistet und weisen meist nur eine sehr geringe Liquidität auf.
Im Bereich der gelisteten und aktiv gehandelten Derivate haben sich daher vor allem Optionen auf Staatsanleihefutures durchgesetzt. An erster Stelle sind hier der Bund-Future sowie sein US-Pendant, der Treasury-Future, zu nennen. Für den US-Markt wurde zudem ein etablierter Volatilitätsindex geschaffen: der ICE BofA MOVE Index, häufig auch als „VIX des Rentenmarktes“ bezeichnet. Seine Berechnungsgrundlage bilden Optionen auf Treasury-Futures über ein breites Laufzeitenspektrum hinweg – typischerweise von zwei bis dreißig Jahren. Auf europäischer Ebene kann ergänzend der deutlich weniger bekannte EUR Swaption Volatility Index herangezogen werden, der auf der aus Euro-Swaptionen abgeleiteten impliziten Volatilität basiert.
Warum ausgerechnet jetzt?
Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre zeigt, dass sich die impliziten Volatilitäten über verschiedene Assetklassen hinweg – Aktien, Renten und Währungen – derzeit eher am unteren Ende ihrer jeweiligen historischen Bandbreiten bewegen.
In der kurzfristigen Betrachtung fällt jedoch eine Divergenz auf: Während die Volatilität an den Aktien- und Währungsmärkten zuletzt wieder angezogen hat, sind die impliziten Volatilitäten im Rentenmarkt weiter rückläufig.
Konkret bewegen sich beispielsweise Optionen auf den Bund-Future aktuell nahezu auf dem impliziten Volatilitätsniveau des Sommers 2021. Zur Einordnung: Zehnjährige Bundesanleihen rentierten damals in einem ausgesprochen volatilitätsarmen Umfeld bei rund -0,5 % p. a.
Abbildung 3: Implizite Volatilitäten bei Renten
Stand: 06.02.2026 | Quelle: Tresides
Unseres Erachtens stellt diese Situation eine Chance dar, ein Rentenportfolio kostengünstig abzusichern – insbesondere gegen einen abrupten Zinsanstieg. Erwarten wir einen solchen Anstieg zeitnah? Nein. Andernfalls wäre die Durationspositionierung unserer Fonds deutlich kürzer beziehungsweise defensiver ausgerichtet.
Doch wie uns die vergangenen drei bis vier Jahre eindrucksvoll vor Augen geführt haben, sind es häufig gerade die unerwarteten Ereignisse, die zu erratischen Zinsbewegungen führen. Bereits mit einem Mitteleinsatz im einstelligen Basispunktbereich lässt sich aktuell über Optionen auf den Bund- oder auch Treasury-Future eine signifikante, asymmetrische Absicherung realisieren. Diese Chance haben auch wir in einer Vielzahl unserer Fonds genutzt.
Was heißt das alles jetzt?
Abschließend lässt sich festhalten: Volatilität ist längst mehr als nur ein Risikomaß – sie kann gezielt als strategischer Baustein im Portfolio eingesetzt werden. Besonders Put-Optionen auf Bund- oder Treasury-Futures erscheinen derzeit attraktiv.
Zum einen notieren implizite Volatilitäten im historischen Vergleich auf vergleichsweise günstigen Niveaus. Zum anderen bieten gerade Rentenmärkte angesichts unsicherer Inflationspfade, fiskalpolitischer Risiken und potenzieller Zinsüberraschungen erhebliches Ereignispotenzial. Put-Optionen fungieren hier als effektiver Schutz gegen unerwartete Renditesprünge (günstiger „Tail-Hedge“).
Der vielleicht größte Mehrwert liegt jedoch in der Portfolio-Asymmetrie: Der Kapitaleinsatz ist begrenzt und planbar, während im Stressszenario überproportionale Gewinne möglich sind. Damit verbessern Put-Strategien nicht nur das Risikoprofil, sondern schaffen auch asymmetrische Ertragschancen – genau dann, wenn klassische Diversifikatoren an ihre Grenzen stoßen.
In Summe sprechen Bewertung, Absicherungsqualität und Asymmetrie dafür, Volatilität – konkret über Puts auf Bund- oder Treasury-Futures – aktuell als besonders interessante Absicherung zu betrachten. Fragen dazu, für welche Optionen wir uns konkret entschieden haben und welche Laufzeiten bzw. Basispreise wir derzeit für besonders attraktiv halten, beantworten wir selbstverständlich gerne im persönlichen Gespräch. So get in touch – wir freuen uns auf den Austausch.
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