US-Tech beschert Schwellenländern satte Gewinne
Vergangenes Jahr haben Schwellenländer-Aktien geglänzt. Vor allem im KI-Sektor kann sich dieser Erfolg auch 2026 fortsetzen.10.03.2026 | 09:42 Uhr
Während Hyperscaler aus den USA erhebliche Ausgaben für KI-bezogene Investments aufbringen, profitieren die Emerging Markets von diesen Investitionen, ohne selbst finanzieren zu müssen – denn: sie stehen weiter oben in der Wertschöpfungskette. Anleger sollten jedoch auch mehrere Risiken im Auge behalten, erläutert Sammy Suzuki, Head – Emerging Markets Equities bei AllianceBernstein. Welche Szenarien für einen Bären- oder Bullenmarkt sprechen, erläutert der Experte in seinem Marktkommentar.
Die Schwellenländer Aktienmärkte starten mit einer soliden Grundlage in das Jahr 2026. Die Kombination aus einem schwächeren US-Dollar, nachlassender Inflation und günstigeren lokalen monetären Bedingungen schafft ein positives makroökonomisches Umfeld für diese Anlageklasse. Auch auf Unternehmensebene verbessern sich die Fundamentaldaten: Die Bilanzen haben sich gestärkt und die Bewertungen bleiben im Vergleich zu den Industrieländern attraktiv. Das lenkt das Interesse der Anleger weiterhin auf wertige Schwellenländer-Unternehmen.
KI: Emerging Markets profitieren statt finanzieren
Ein attraktiver Sweet Spot ist innerhalb des globalen
KI-Investitionszyklus. Die KI-bezogenen Investitionsausgaben der
US-amerikanischen Hyperscaler – also die großen KI-Unternehmen – nehmen rapide
zu und erfordern erhebliche Ausgaben für Rechenzentren, Strominfrastruktur,
Speicher, Komponenten und Materialien. Während diese hohen Investitionsausgaben
kurzfristig den freien Cashflow für Teile des US-Marktes belasten können,
befinden sich viele Unternehmen aus Schwellenländern weiter oben in der
Wertschöpfungskette und profitieren direkt von diesen Investitionen – ohne sie
selbst finanzieren zu müssen.
In Bereichen wie fortschrittliche Fertigung, Halbleiter, Energieausrüstung und Schlüsselmaterialien profitieren Unternehmen aus Schwellenländern von einer durch Hyperscaler-Investitionen gestützten Nachfrage und behalten gleichzeitig vergleichsweise kapitalarme Geschäftsmodelle. Somit können sich zusätzliche Einnahmen aus KI-bezogenen Ausgaben direkter in einem Gewinn- und Free-Cashflow-Wachstum widerspiegeln. Um diese Chancen ausschöpfen zu können, ist entscheidend, dass ihre Bewertungsniveaus deutlich unter denen vergleichbarer Unternehmen in entwickelten Märkten liegen. Dadurch haben Anleger die Möglichkeit, neben den Vorteilen einer breiteren Diversifizierung auch von KI-bedingtem Wachstum zu profitieren.
Schwellenländer-Aktien – Wenig Spielraum für Fehler
Trotz eines konstruktiveren Umfelds für Emerging-Markets-Aktien sollten
Anleger aber mehrere Risiken im Auge behalten. Ein Wiederaufflammen
geopolitischer Spannungen oder eine erneute Aufwertung des US-Dollars könnten
zu einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen führen und die Stimmung in
den Schwellenländern belasten. Auch eine Verlangsamung des globalen Wachstums,
insbesondere in den USA oder Europa, könnte exportorientierte Volkswirtschaften
unter Druck setzen und zu Gewinnrückgängen in zyklischeren Teilen des Marktes
führen.
Auf regionaler Ebene unterstreicht dieses Umfeld die Bedeutung der Selektivität. Indien ist weiterhin ein attraktiver Markt mit langfristigem Wachstumspotenzial. Die Bewertungen in Teilen des Marktes sind im Vergleich zu ihrer eigenen Geschichte und dem breiteren Emerging-Markets-Universum auf ein hohes Niveau gestiegen. Da die Kurs-Gewinn-Verhältnisse deutlich über dem Schwellenland-Durchschnitt liegen, hängen die Renditen zunehmend von nachhaltigen Gewinnen ab. Dadurch bleibt bei einer Verknappung der globalen Liquidität oder einer Abschwächung der Wachstumsaussichten weniger Spielraum für Fehler.
Eine genaue Titelselektion ist im aktuellen Umfeld entscheidend. Anleger sollten sich auf Unternehmen mit soliden Bilanzen konzentrieren und Bereiche mit asymmetrischen Abwärtsrisiken meiden. Durch eine selektive Vorgehensweise lässt sich weiterhin von den langfristigen Wachstumschancen der Schwellenländer profitieren. Gleichzeitig lassen sich die potenziellen Risiken, die sich 2026 ergeben könnten, mit so einer Vorgehensweise besser bewältigen.