Überraschung nicht bei den Vorjahresgewinnern
Das Team von FPM (Frankfurt Performance Management) rund um Thomas Seppi, Raik Hoffmann und Martin Wirth blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurück, in dem das 25-jährige Firmenjubiläum mit einer starken Marktrückkehr von Value-Titeln zusammenfiel.16.01.2026 | 08:54 Uhr
Dazu einige gezielte Fragen an Oliver Schuck, Direktor Sales der FPM AG, die sowohl die beeindruckende Performance von 2025 reflektieren als auch den Blick auf die Chancen im Jahr 2026 richten:
Herr Schuck, die beiden FPM-Strategien haben
2025 mit Wertzuwächsen von über 20 % beziehungsweise über 30 % ein
außergewöhnlich starkes Jahr erzielt. War das Jahr eine Bestätigung für den Value- und Bottom-up-Ansatz?
2025
war für uns und unsere Investoren zweifellos ein sehr erfreuliches
Jahr. Mit der Performance haben sich beide Fonds erneut an der Spitze
ihrer jeweiligen Peergroup positioniert. Gleichzeitig sollte man das
Ergebnis einordnen: Von einer klassischen „Durststrecke“ für
Value-Manager kann aus unserer Sicht keine Rede sein. Über drei Jahre
liegen unsere beiden Stockpicker-Fonds nach Kosten bei rund 55 %
beziehungsweise knapp 30 %. Entscheidend ist für uns unverändert der
konsequente Bottom-up-Ansatz: Wir investieren nur dort, wo wir
Geschäftsmodell, Management und Bewertung wirklich verstehen. Das führt
zu fokussierten Portfolios mit hohem Active Share – und in einem
Marktumfeld mit mehr Breite und höherer Streuung zahlt sich genau das
wieder stärker aus.
Sie sprechen von einer Rückkehr der Marktbreite. Welche Rolle spielte das für die Performance?
Eine
sehr große. 2025 war kein Jahr, in dem wenige große Tech- oder
Growth-Titel den Markt getragen haben. Stattdessen gab es eine deutlich
höhere Dispersion. Genau in solchen Phasen zählt Selektion wieder. Davon
profitieren aktive Manager. Unsere Performance kam nicht nur von
bekannten Large Caps wie Commerzbank oder Deutsche Bank, sondern auch
von weniger indexlastigen Titeln wie Verbio, Heidelberger Druckmaschinen
oder 1&1. Gerade im deutschen Mittelstand entstehen Chancen bei
Turnarounds, Bilanzverbesserungen oder Re-Ratings – klassisches Terrain
für Bottom-up-Investoren.
Trotz der Rallye bleibt oft vom „Germany-Discount“ die Rede. Sehen Sie diesen weiterhin?
Ja,
klar. Auch nach 2025 besteht die Bewertungslücke zwischen Europa und
den USA fort. Europa – und insbesondere Deutschland – wird weiterhin mit
einem deutlichen Abschlag gehandelt. Bei Small- und Mid-Caps kommen
strukturelle Vorteile hinzu: ein stärkerer Binnenfokus, geringere
Währungs- und Zollabhängigkeit sowie die Aussicht auf sinkende Zinsen.
Für uns liegt das Potenzial weniger in einer pauschalen Indexbewegung,
sondern in Einzeltiteln, bei denen Ergebnisnormalisierung, Bilanzhebel
oder auch M&A-Fantasie greifen.
Wie haben sich Zinsen und Kapitalflüsse 2025 auf Ihre Zielsegmente ausgewirkt?
Europa
hat 2025 starke Kapitalzuflüsse gesehen, insbesondere über ETFs. Davon
profitieren auch Small- und Mid-Caps, wenn auch indirekt. Entscheidend
für eine nachhaltige Verbesserung der Liquidität bleibt aber die
Gewinnentwicklung. Für 2026 sehen wir drei zentrale Faktoren: weitere
Entspannung bei den Zinsen, anhaltende politische Unsicherheit in den
USA – die Europa als Diversifikationsziel attraktiv macht – und eine
operative Gewinnbestätigung bei europäischen Nebenwerten.
Große Investitionsprogramme gelten als Treiber. Wo sehen Sie noch Chancen jenseits offensichtlicher Gewinner?
In
klassischen Defense-Titeln sind viele Erwartungen bereits eingepreist.
Interessanter sind für uns die indirekten Effekte: Mittelständler, die
von Infrastruktur- und Verteidigungsinvestitionen profitieren, ohne
selbst als „Pure Play“ wahrgenommen zu werden. Darüber hinaus sehen wir
Chancen in Bereichen, die 2025 noch am Boden lagen – etwa im Konsum oder
in der Chemie. Schon kleine Verbesserungen bei Auslastung oder
Verbrauchervertrauen können hier große Ergebniseffekte haben.
Und der Blick nach vorne: Wo liegt 2026 das größte Überraschungspotenzial?
Nicht
bei den Gewinnern von 2025, sondern dort, wo die Erwartungen weiterhin
niedrig sind. Zyklische Industrien abseits von Defense, „langweilige“
deutsche Nebenwerte ohne große Story oder Turnaround-Kandidaten mit sich
verbessernden Cashflows. Überraschungen entstehen nicht aus Stärke,
sondern aus falschen Erwartungen. Genau dort sehen wir 2026 die besten
Chancen für aktive Bottom-up-Manager.
Fonds: FPM Funds Stockpicker Germany All Cap – ISIN LU0124167924 / LU0850380873
Fonds: FPM Funds Stockpicker Germany Small/Mid-Cap – ISIN LU0207947044 / LU1011670111
Gesellschaft: FPM Frankfurt Performance Management AG