These 4: Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität
Die erhofften Impulse im europäischen Bausektor kommen endlich an16.03.2026 | 05:57 Uhr
Europäische Bau- und Baustoffaktien konnten im Vorjahr mit einer starken Kursentwicklung den europäischen Aktienmarkt hinter sich lassen. Nicht zuletzt die Hoffnung auf Wachstumsimpulse durch das deutsche Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie durch den Wiederaufbau nach einem erhofften Kriegsende in der Ukraine weckten die Kursfantasie der Investoren. Doch in den letzten Wochen setzte eine scharfe Kurskorrektur ein. Der massive Energiepreisanstieg durch den Irankrieg sowie eine mögliche Reform des europäischen Emissionshandelssystems ETS, welches in den letzten Jahren die Preissetzungsmacht der Zementbranche verstärkte, belasteten die Kursentwicklung des Branchenindex erheblich. Dies könnten interessante Einstiegskurse darstellen, sollten positive Nachrichten in Form steigender Staatsaufträge für Infrastrukturprojekte wieder die Oberhand erlangen (siehe Abb. 1).
Abb 1.: Europäische Bau- und Grundstoffaktien im Indexvergleich
Quelle: Eigene Berechnungen, Tresides.
Das deutsche Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität wurde im März 2025 von der Bundesregierung angekündigt. Es löste am europäischen Aktienmarkt und insbesondere bei Baustoffaktien eine fast schon euphorische Stimmung aus, die durch den „Liberation Day“ im April nur temporär unterbrochen wurde. Basierend auf der Hoffnung, dass sich durch die fiskalpolitischen Impulse der Wachstumsnachteil Deutschlands zu anderen Regionen verkleinert, flossen erhebliche globale Kapitalströme in europäische Aktien und unterstützten die Kursentwicklung. Das Sondervermögen soll Bund, Länder und Kommunen finanziell in die Lage versetzen, zusätzliche Investitionen in Höhe von 500 Mrd. € in die Infrastruktur und zur Erreichung der Klimaziele zu tätigen. Wichtigste Investitionsbereiche des Sondervermögens umfassen dabei die Themenkomplexe Verkehr, Krankenhäuser und Digitalisierung.
Da das Sondervermögen allerdings erst im September 2025 vom Bundestag beschlossen wurde, verzögerten sich die positiven Wachstumseffekte. So beliefen sich die Ausgaben des Infrastrukturfonds in 2025 auf lediglich 24 Mrd. € und selbst hiervon war ein erheblicher Teil lediglich auf reine Cash-Transfers und nicht auf aktive Auftragsvergaben zurückzuführen. Da sich das Gesamtvolumen von 500 Mrd. € allerdings ohne präzise Festlegung auf einen Zeitraum von 12 Jahren erstreckt, bedeutet dies nur eine Verschiebung auf der Zeitachse und damit eine voraussichtlich höhere künftige Vergabedynamik. Ein ganzes Bündel an politischen und gesetzlichen Maßnahmen soll zudem begleitend auch die Planungs- und Genehmigungsverfahren vereinfachen, digitalisieren und beschleunigen.
Die aktuellen Daten des von der Hamburg Commercial Bank und S&P Global erhobenen Einkaufsmanagerindex für die Geschäftstätigkeit im deutschen Baugewerbe zeigen allerdings, dass die Aktivität in der Bauindustrie noch kaum angesprungen ist. So enttäuschte der saisonbereinigte HCOB Purchasing Manager im Februar 2026 und fiel im Monatsvergleich von 44,7 auf 43,7 (siehe Abb. 2). Teilweise ist die enttäuschende Entwicklung sicherlich auf die extremen winterlichen Witterungsbedingungen in einigen Regionen Deutschlands zurückzuführen. Aber im Wohnungs- und Gewerbebau verharrt die Bautätigkeit bereits seit längerer Zeit tief im Kontraktionsbereich unter dem Schwellenwert von 50. Dagegen hält sich die Tätigkeit im Tiefbau (Verkehrs- und Wasserwege sowie Versorgungsanlagen), der von verstärkten staatlichen Investitionen am stärksten profitieren sollte, trotz der kalten Witterung hartnäckig über 50.
Abb 2.: Construction PMI für Deutschland
Quelle: HCOB, S&P Global PMI.
Auch der zeitgleich erhobene Index für die Geschäftserwartungen lässt die Zukunftsperspektiven optimistischer erscheinen (siehe Abb. 3). Dieser erreichte im Februar ein Sechsjahreshoch und nährt die Hoffnung, dass der übliche Transmissionsmechanismus von verbesserter Stimmung über vermehrte Aufträge hin zu künftig steigender Industrieproduktion und Unternehmensgewinnen in den nächsten Monaten gelingen wird.
Abb 3.: Construction PMI Deutschland Erwartungen
Quelle: UBS.
Diese Stimmungsverbesserung reflektieren auch die jüngsten Quartalsberichte der Baukonzerne Strabag, Porr und Implenia, bei denen Deutschland jeweils zu den regionalen Kernmärkten gehört. So stiegen bei Porr (+14%) bzw. Strabag (+11%) Auftragseingang bzw. Auftragsbestand prozentual zweistellig an. Detaillierter kommentiert die schweizerische Implenia, die nach der Übernahme von Bilfinger Construction inzwischen fast 30% des Konzernumsatzes in Deutschland generiert, die aktuelle Situation. Insbesondere für Deutschland sieht das Management die Perspektiven positiv und betont die verbesserte Verfügbarkeit von Baukrediten. Ob die Finanzierung der Aufträge aus dem regulären Staatshaushalt oder dem Sondervermögen erfolgt, ist dabei allerdings für Implenia nicht identifizierbar: „Wir profitieren einfach vom Bedarf an Infrastrukturverbesserungen in Deutschland.“
Zurückhaltender äußern sich die Zementproduzenten Heidelberg Materials und Holcim, die von besonders zementintensiven Projekten im Straßen- und Brückenbau profitieren sollten. Heidelberg Materials betont, „dass die Unternehmen, die vor Ort Infrastruktur errichten, über deutlich bessere und solidere Auftragsbücher verfügen und diese auch abarbeiten. Das dürfte die Nachfrage nach Zement und Beton in Zukunft ankurbeln“. Holcim äußert sich für das erste Halbjahr 2026 noch zurückhaltend, prognostiziert aber für das 3. Quartal positive Anzeichen im Infrastrukturgeschäft. Baustoffunternehmen (Rockwool, Kingspan, Saint Gobain) oder Produzenten von Bauchemikalien (Sika, Ems-Chemie) dürften positive Impulse noch zeitverzögerter sehen. Zudem sind sie häufig stärker vom Wohnungsbau und dem gewerblichen Bau abhängig, der ja wie im HCOB Purchasing Manager Index ersichtlich nur wenig Hoffnung auf kurzfristige Belebung macht.
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