Tech-Sell-off als Reset im KI-Investitionszyklus

Der jüngste Ausverkauf im Technologiesektor ist nach Einschätzung von Fabiana Fedeli, CIO Equities, Multi Asset and Sustainability bei M&G Investments, weniger als strukturelle Zäsur, sondern vielmehr als notwendige Anpassung im KI-Investitionszyklus zu verstehen.

09.02.2026 | 09:11 Uhr

Vergleiche mit dem Jahr 2000 greifen aus ihrer Sicht zu kurz: „Die Unternehmen, die den aktuellen Anstieg der Investitionsausgaben treiben, verfügen heute über starke Cashflows und die finanzielle Flexibilität, weiter zu investieren – selbst wenn sich ein Teil dieser Ausgaben später als fehlallokiert erweisen sollte.“ Investoren stellten zwar zu Recht die Frage, ob es sich um das Platzen einer „KI-Blase“ handle oder lediglich um eine Phase erhöhter Volatilität. Sorgen über steigende Capex-Budgets und zu optimistische Erwartungen an KI-Erlöse bei Softwareunternehmen seien legitim. „Dies ist jedoch kein Wendepunkt, sondern vielmehr ein Reset, bei dem die Märkte ihre Erwartungen neu bewerten“, so Fedeli.

Zugleich hätten sich die Marktbewegungen zuletzt deutlich beschleunigt. „Die Geschwindigkeit der Marktbewegungen hat zugenommen, was die Ausschläge verstärkt und zur Größenordnung der jüngsten Bereinigung beigetragen hat.“ Anpassungen fänden heute breiter und schneller statt als in früheren Zyklen – was es für Investoren wichtiger mache, zwischen kurzfristigem Rauschen und substanziellen Signalen zu unterscheiden. Dieses Umfeld dürfte nach Einschätzung Fedelis zu einer höheren Selektivität führen. „Der Markt wird genauer differenzieren, welche Unternehmen er unterstützt, und jene belohnen, die über klar erkennbare Monetarisierungspfade und nachhaltige Geschäftsmodelle verfügen.“ Gleichzeitig entstünden Chancen, qualitativ hochwertige Titel zu attraktiven Bewertungen zu erwerben, die im Zuge breit angelegter Verkäufe unter Druck geraten seien.

Ein Ende des KI-Trends sieht Fedeli nicht. Vielmehr gehe es um eine Phase der Ausweitung über die großen US-Technologiewerte hinaus. „Der KI-Wettbewerb ist global“, betont sie. Während einige der klassischen KI-Enabler, etwa im Hardwarebereich, weiterhin Potenzial böten, entstünden zunehmend Chancen bei den eigentlichen Nutznießern von KI – Unternehmen aus Sektoren wie Konsum, Medien, Finanzdienstleistungen, Materialien und Industrie, die KI einsetzen, um Kosten zu senken, Umsätze zu steigern und die Kundengewinnung zu verbessern. „Das ist eine Neukalibrierung, keine Umkehr“, fasst Fedeli zusammen. „Die größten Profiteure des KI-Investitionsbooms könnten letztlich nicht die Unternehmen sein, die die Investitionen tätigen, sondern jene, die am besten positioniert sind, um daraus Kapital zu schlagen.“

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