Strategische Metalle: Engpässe, geopolitische Risiken und Investmentchancen
Seltene Erden sind unverzichtbar für Elektromobilität, Windkraft, Hightech und KI – zugleich aber geopolitisch hochsensibel und zunehmend umkämpft. In diesem Spannungsfeld eröffnen sich auch neue Chancen für Investoren, die den strukturellen Wandel strategisch nutzen wollen.30.12.2025 | 12:15 Uhr
Nur die wenigsten Deutschen können mit Begriffen wie Neodym, Praseodym, Dysprosium oder Terbium etwas anfangen – und noch weniger wissen, wie stark die deutsche Wirtschaft inzwischen von diesen Seltenen Erden oder REE-Metalle (REE, von engl. Rare Earth Elements) abhängt. Laut einer aktuellen Analyse von McKinsey hängen rund eine Million Arbeitsplätze in Deutschland direkt an diesen kritischen Metallen, vor allem in Automobilindustrie, Energieversorgung, Maschinenbau und Medizintechnik. Zusammen generieren diese Branchen jährlich rund 150 Milliarden Euro Wertschöpfung, weitere drei Millionen Jobs sind indirekt betroffen. Kein Wunder also, dass Außenminister Johann Wadephul während seiner jüngsten Chinareise dem Thema Seltene Erden großen Raum gegeben hat. Denn fiele China als Hauptlieferant von Seltenen Erden oder REE-Metalle (Rare Earth Elements) aus, könnten bis zu neun Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts gefährdet sein.
Die Versorgung mit Seltenen Erden gehört nicht nur für Deutschland zu den kritischsten Problemen der kommenden Jahre. Steht die Gruppe von 17 Metallen im Zentrum zahlreicher Zukunftstechnologien – von Elektromobilität über Windkraft bis hin zu Hochleistungs- und Verteidigungselektronik. Besonders gefragt sind Neodym (Nd) und Praseodym (Pr), die in Permanentmagneten verbaut werden und deren Nachfrage deutlich schneller wächst als das Angebot. Bereits heute zeigt sich ein strukturelles Defizit, das sich in den kommenden Jahren weiter ausweiten dürfte. Auch die schweren Elemente Dysprosium und Terbium, die für Hochtemperaturmagnete unverzichtbar sind, werden knapper.
Quelle: Bloomberg, Canaccord Genuity.
Einer der stärksten Treiber dieser Entwicklung ist die Elektromobilität: Rund ein Drittel der weltweiten Nachfrage nach Magnetmetallen entfällt bereits auf Elektrofahrzeuge, deren Anteil bis 2035 erheblich steigen dürfte. Über 80 Prozent der E‑Motoren nutzen NdFeB‑Magnete, die effizienter und leichter sind als Alternativen. Auch die Windkraft verstärkt den Druck auf die Lieferketten: Offshore‑Turbinen benötigen teils hunderte Kilogramm dieser Materialien, während die globale Windkapazität weiter rasant zunimmt.
Quellen: Bloomberg NEF, Canaccord Genuity estimates, IEA, AI Insight Media, Trafigura, Reuters, Microsoft, BMO, Ivanhoe Mines.
Gleichzeitig hat der Boom von KI‑Rechenzentren die Nachfrage weiter verschärft. Ein einziges KI‑Datencenter benötigt ein Vielfaches an Seltenen Erden und Batteriemetallen im Vergleich zu herkömmlicher IT‑Infrastruktur. Dieser zusätzliche Bedarf kommt zu bestehenden industriellen Anwendungen wie Elektronik, Medizintechnik oder Spezialglas hinzu und sorgt für strukturell steigende Nachfrage.
Auch militärische Anwendungen spielen eine zunehmende Rolle: Das US‑Verteidigungsministerium plant, seinen Bedarf an NdFeB‑Magneten bis 2030 deutlich auszubauen. Ein wichtiges Signal war 2025 die 550‑Millionen‑Dollar‑Partnerschaft mit MP Materials – ein industriepolitischer Eingriff, der die heimische Produktion schwerer Seltenenerdmetalle stärken soll und bewusst über Marktpreise hinausgeht.
Dass die geopolitische Abhängigkeit groß ist, zeigt ein Blick auf die Lieferkette: China kontrolliert rund 70 Prozent der Förderung, über 90 Prozent der Verarbeitung und fast die gesamte weltweite Produktion von Permanentmagneten. Zwar investieren die USA, Europa und Japan in neue Trennanlagen und Magnetfabriken, doch deren Aufbau dauert Jahre und ist kapitalintensiv. Eine Wiederholung der Exportsperre Chinas gegenüber Japan im Jahr 2010 gilt vielen als Warnung, wie fragil die Versorgung bleibt.
Regierungen reagieren daher zunehmend aktiv. Die USA haben Kooperationsabkommen mit Australien und Malaysia geschlossen, Europa fördert den Aufbau eigener Magnetkapazitäten, und Japan stärkt seine Industrie durch langfristige Abnahmeverträge. Unternehmen wie eVAC oder Vulcan Elements sichern sich parallel Lieferbeziehungen, um unabhängiger vom chinesischen Markt zu werden.
Trotz dieser Initiativen bleibt die Abhängigkeit hoch. Denn der strukturelle Wandel der Weltwirtschaft – geprägt von KI, Elektrifizierung, Digitalisierung und Verteidigungsmodernisierung – sorgt für einen wachsenden Rohstoffhunger. Gleichzeitig bleibt die globale Angebotsseite eng begrenzt. Das Ergebnis ist ein Markt, der zunehmend von strategischen Rivalitäten geprägt ist und in den wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen und technologischen Interessen untrennbar miteinander verwoben sind.
Quellen: USGS, Minerals Yearbook 2016-20 & Mineral Commodity Summaries 2023-25, BMO Capital Markets, Baker Steel Capital Managers LLP, Center for European Policy Studies, Industry Reports.
Für Investoren und politische Entscheidungsträger ergibt sich dadurch ein sensibles Spannungsfeld aus Chancen und Risiken. Der Aufbau neuer Minen und Verarbeitungskapazitäten bietet langfristiges Potenzial, ist jedoch abhängig von Genehmigungen, geopolitischer Stabilität und staatlicher Unterstützung. Fest steht: Die Zukunft wichtiger Industriezweige – und damit erhebliche Teile der deutschen Wirtschaftsleistung – hängt maßgeblich von stabilen und resilienten Lieferketten für Seltene Erden ab.
Für spezialisierte Rohstoffinvestoren wie Baker Steel eröffnen die beschriebenen Marktverwerfungen nicht nur Risiken, sondern auch erhebliche Chancen. Der Asset Manager sieht in der politisch forcierten Diversifizierung der Lieferketten – vom Bergbau über die Trennung bis hin zur Magnetfertigung – einen Treiber für Investitionen, die über mehrere politischen Zyklen hinweg Bestand haben dürften. Baker Steel hat seine Engagements deshalb gezielt in börsennotierten Produzenten kritischer Metalle ausgebaut und nutzt die starke Nachfrage nach Seltenen Erden, Uran und Lithium, um flexibel zwischen Segmenten zu rotieren. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen, staatlicher Förderprogramme und strukturell steigender Nachfrage sieht das Unternehmen einen langfristig attraktiven Investmentrahmen für Produzenten kritischer Rohstoffe.