Stagflationsrisiko: was tun?

Seit dem 28. Februar 2026 haben wir einen weiteren geopolitischen Konflikt zwischen USA/ Israel und dem Iran.

01.04.2026 | 06:01 Uhr

Seither haben sich Ölpreise gemessen am Brent um 59,3% verteuert, gleichzeitig sind die europäischen Zinsen (gemessen an der 5-jährigen Swaprendite) aufgrund von Inflationssorgen um 64Bp angestiegen. Die erhöhten Risikoprämien haben sich auch am europäischen Aktienmarkt bemerkbar gemacht, welcher allein im März -8,9% verlor (Stand: 27.03.2026). Ein klassisches globales 60/40 Multi Asset Portfolio gab -6,3% nach (Stand: 27.03.2026). Eine ähnliche Marktentwicklung gab es nach Ausbruch des Ukrainekonflikts am 24.02.2022, bei der ebenfalls Aktien- und Rentenmärkte gleichzeitig unter Druck kamen.

Abb 1.: Performance eines globalen 60/40 Portfolios (60% Developed Markets Large & Mid Cap Total Return Index und 40% Global Aggregate Index)

Quelle: Eigene Berechnungen, Stand: 27.03.2026.

Die durch den Konflikt ausgelöste Angebotsverknappung im Rohstoffbereich wird sich vor allem in einer höheren Verbraucherpreisinflation bemerkbar machen. Die EZB hat jüngst in ihrer Märzprognose die Verbraucherpreisinflation für 2026 von 1,9% auf 2,6% angehoben, bei einer gleichzeitigen Reduzierung der Wachstumsprognose (0,9% nach 1,2% in der Dezember-Projektion).

Abb 2.: EZB März Projektionen

Quelle: Eigene Berechnungen, EZB.

Die Prognoseanpassungen signalisieren ein erhöhtes Stagflationsrisiko – sprich erhöhte Inflation bei gleichzeitig geringem bzw. keinem Wirtschaftswachstum. Für Multi Asset Investoren stellt diese Marktsituation die größte Herausforderung dar, da es kaum Diversifikationsquellen gibt.

Wie kann man in einem solchen Marktumfeld dennoch das Portfolio schützen?

1) Kassenhaltung: Wir haben in unseren Mandaten Anfang März unsere Kassenquoten durch Verkäufe im Rentenbereich um 5%-10% taktisch angehoben

2) Volatilität: Zur Absicherung haben wir Puts bzw. Put Spreads am Aktienmarkt- wie auch am Rentenmarkt gekauft. Interessanterweise hatten wir in einem der letzten Artikel darauf hingewiesen, dass die Rentenvolatilität im Vergleich zur Aktienvolatilität recht lange auf einem günstigen Niveau gehandelt hat

3) US-Dollar Beimischung: Unsere US-Dollar Bestände sind derzeit ungesichert, wodurch die negative Wertentwicklung der Aktien und Renten gedämpft wird

4) Rohstoffwährungen: In unseren globalen Multi-Asset Fonds haben wir kurzlaufende norwegische und australische Staatsanleihen beigemischt, die aktuell v.a. aufgrund der Währungsaufwertung profitieren können

5) Rohstoffe (direkt in Rohstoffinvestment Vehikel oder indirekt über Energieaktien): In Mandaten, die Rohstoffinvestments erlauben, haben wir in einen breit diversifizierten Rohstofffonds investiert, der nicht nur an der Entwicklung der Edelmetalle hängt (welche zuletzt aufgrund der höheren Zinsen und Margin Calls unter Druck kamen). Neben direkten Investments im Rohstoffbereich bieten sich auch Energieaktien bzw. deren Zulieferer an, welche vor allem von zunehmenden Investitionen profitieren können

6) Inflationsanleihen: Wir sind strukturell negativ auf die US-Inflation, welche unseres Erachtens zu wenig in den jeweiligen Inflationsanleihen (TIPS) eingepreist wurde. Diese können im Falle einer erhöhten Inflationserwartung profitieren

Was ist unsere Erwartung?

Aktuell müssen wir davon ausgehen, dass der Irankrieg nicht wie geplant in 4 Wochen abgehandelt werden kann. Unser Zentralszenario sieht vor, dass wir bis Ende Q2 2026 wieder mit einer Entspannung rechnen können. Trotzdem besteht natürlich das Risiko, dass sich der Konflikt noch deutlich länger hinzieht und die Energiepreise ihren Gipfel noch nicht erreicht haben. Sollte sich dies bewahrheiten, ist damit zu rechnen, dass die Inflationseffekte im zweiten Quartal klar sichtbar werden und erst 2027 eine Normalisierung möglich ist. Während wir bei der FED davon ausgehen, dass die steigende Inflation als „Transitory“ (vorübergehend) angesehen wird und daher keine Zinsanhebungen vorgenommen werden, muss damit gerechnet werden, dass die EZB im Juni trotz der negativen Wachstumseffekte eine Zinsanhebung durchsetzen könnte. Dies könnte die Finanzierungsbedingungen und somit die Investitionsneigung zusätzlich erschweren.

Abb 3.: Inflationsvergleich mit 2022 (Ukrainekonflikt)

Quelle: Eigene Berechnungen, Stand: 27.03.2026.

Wir halten daher an unseren Stagflations-Hedges fest, würden aber stärkere Marktverwerfungen im zweiten Quartal nutzen, um in Schwäche Kasse wieder zu reinvestieren und die erhöhte Volatilitätsprämie zu realisieren. Insgesamt bleiben wir aber bei einer kürzeren Portfolioduration.

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