Politische Risiken nehmen zu, Anleger sollten vorbereitet sein
Geopolitische Spannungen, handelspolitische Drohkulissen und ein US-Präsident unter Erfolgsdruck erhöhen die Risiken an den Märkten, warnt Antecedo-Gründer Kay-Peter Tönnes.28.01.2026 | 06:00 Uhr
Nach Einschätzung von Kay-Peter Tönnes, Gründer und Geschäftsführer von Antecedo Asset Management, ist insbesondere der politische Druck auf US-Präsident Donald Trump ein zentraler Unsicherheitsfaktor. „Trump lebt unter dem Damoklesschwert der Zwischenwahlen 2026“, warnt er. „Eine Niederlage hier würde auch in seiner eigenen Partei die Frage aufwerfen, mit wem man 2028, bei der nächsten Präsidentschaftswahl, antreten soll. Gerät seine Zustimmung weiter unter Druck, wird er alles daransetzen, Stärke zu demonstrieren. Dies gilt auch innenpolitisch, denn seine eigene Anhängerschaft erwartet Siege, keine Kompromisse.“
Forderungen wie höhere Zölle oder geopolitisch aufgeladene Vorstöße rund um Grönland seien weniger wirtschaftlich motiviert als innenpolitisch getrieben, glaubt Tönnes. Jüngst hat Trump seine Drohung, Grönland notfalls zu „nehmen“, zwar rhetorisch abgeschwächt und teils Signale gesendet, bei Zöllen zurückzurudern. Gleichzeitig behauptete er jedoch in Davos, es gebe einen „Rahmen“ für NATO-Gespräche, der den USA faktisch umfassenden Zugriff bzw. Zugang zu Grönland eröffne. Dem widersprachen sowohl grönländische als auch dänische Vertreter deutlich. Für die Kapitalmärkte bleibt damit das Kernrisiko bestehen: Ein politisch getriebener Konflikt kann schnell eskalieren und die Volatilität sprunghaft erhöhen. Und Grönland ist nicht das einzige Spannungsfeld. Die Auseinandersetzung um die Ausrichtung der Fed oder das Vorgehen der Einwanderungsbehörden können jederzeit zu großen politischen Konflikten heranwachsen.
Risiken aktiv managen
Trotzdem sieht Tönnes aktuell keine grundsätzlich schlechte Ausgangslage für die Aktienmärkte. Die Unternehmensgewinne seien solide, das Zinsumfeld moderat und die Inflation beherrschbar. „Ein Markteinbruch ist keineswegs sicher“, betont Tönnes. Die Börsen hätten in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie selbst schwere geopolitische Schocks verkraften können. Gerade deshalb sei eine pauschale Verkaufsstrategie für Anleger der falsche Ansatz.
Gleichzeitig seien die Risiken allerdings spürbar gestiegen. Anleger sollten sich daher gedanklich auf stärkere Schwankungen einstellen und prüfen, wie ihre Portfolios auf Rückschläge von 20 oder 30 Prozent reagieren würden. „Absicherung ist derzeit vergleichsweise günstig“, erklärt Tönnes. Die Optionspreise an den Märkten liegen noch unter dem langfristigen Durchschnitt. Schutzstrategien über Put-Optionen, Volatilitätsindizes oder Fonds, die von steigenden Marktschwankungen profitieren, könnten sinnvolle Bausteine sein. Das Fazit des Vermögensverwalters: „Nicht alles verkaufen, aber Risiken aktiv managen. Wer heute vorbereitet ist, kann Marktstress nicht nur abfedern, sondern unter Umständen sogar gezielt nutzen.“