Medizintechnik-Aktien: Innovation hat Bestand, während Bewertungen zurückgesetzt werden
Wie können Medizintechnikunternehmen eine Gesundheitsaktienallokation diversifizieren?20.05.2026 | 09:10 Uhr
Viele Anleger stellen die Ausdauer von Medizintechnik-Aktien (Medtech) in Frage, die seit der COVID-19-Pandemie in Ungnade gefallen sind. Wir glauben jedoch, dass Innovation weiterhin spannende Chancen bei Unternehmen schafft, die zu einem anderen Takt marschieren als der restliche Gesundheitssektor.
Einen Großteil des letzten Jahrzehnts haben Medtech-Aktien den breiteren Gesundheitssektor übertroffen (Abbildung). Die Beliebtheit von Medtech-Aktien – repräsentiert durch die Branche MSCI World Healthcare Equipment and Supplies – erreichte während der Pandemie ihren Höhepunkt, angetrieben durch beschleunigte Ausgaben für medizinische Ausrüstung. Seit 2021 hinken Medtech-Aktien jedoch hinterher, und in den letzten Monaten hat sich die Stimmung angesichts der Probleme bei wichtigen Branchenführern weiter verschlechtert.
Unter der Oberfläche zeichnet sich ein differenzierteres Bild ab. Bewertungen wurden zurückgesetzt, während die zugrunde liegende Innovation und die Geschäftstreiber, die Medtech bereits lange unterstützen, fest verankert bleiben. Für Aktieninvestoren, die bereit sind, über die jüngsten Enttäuschungen hinwegzusehen, verdient die Divergenz innerhalb der Branche Aufmerksamkeit.
Medtech vs. Pharma: Unterschiedliche Geschäftsmodelle
Der Ausgangspunkt ist die Unterscheidung zwischen Medtech und anderen Gesundheits-Unterbranchen. Medtech macht 17 % des breiteren MSCI World Healthcare Index aus, der von Pharmaunternehmen dominiert wird (Abbildung). Für Pharmaunternehmen wird die Wirtschaftlichkeit oft durch Patentzyklen definiert: Arzneimittelhersteller genießen Zeiten starken Wachstums und hoher Profitabilität, gefolgt von abrupten Einbrüchen, wenn der Patentschutz ausläuft. Medtech hingegen entwickelt sich tendenziell durch kontinuierliche Produkentwicklung.
Viele Medtech-Unternehmen ähneln eher Technologie- oder Konsumgüterunternehmen als klassischen Arzneimittelentwicklern. In Branchensegmenten wie therapeutischen Geräten, chirurgischen Instrumenten und Diagnostik (Abbildung, oben) bauen Unternehmen installierte Basen von Geräten, zugehörigen Verbrauchsmaterialien und Dienstleistungen auf, die im Laufe der Zeit erneuert und aufgerüstet werden. Inkrementelle Innovation – Verbesserungen bei Genauigkeit, Benutzerfreundlichkeit oder Datenintegration – kann Produktlebenszyklen verlängern und Kundenbeziehungen stärken, anstatt sie zurückzusetzen. Und sie müssen sich keine Sorgen machen, dass die Patentklippe zukünftige Gewinne schmälert.
Diese Unterscheidung hat wichtige Auswirkungen auf die Beständigkeit. Geräte mit hohen Wechselkosten und tiefer klinischer Integration können wiederkehrende Einnahmen und langlebige Geschäftsbereiche unterstützen, selbst wenn sich die kurzfristige Stimmung gegen den Sektor wendet.
Wo können Anleger medizinische Innovationen entdecken?
Die jüngste Skepsis hat sich auf die größten Namen des Sektors konzentriert: Abbott Laboratories und Boston Scientific. Ihre Aktien standen wegen unternehmensspezifischer Kontroversen unter Druck.
Doch negative Schlagzeilen bei großen Unternehmen sollten unserer Ansicht nach keinen Schatten auf die gesamte Branche werfen. Tatsächlich schreitet die Innovation in mehreren Bereichen mit großen Auswirkungen bei Unternehmen voran, die weniger im Rampenlicht der Branche stehen.
Technologien für strukturelle Herzerkrankungen sind ein typisches Beispiel. Fortschritte beim Herzklappenersatz und bei minimalinvasiven Eingriffen erweitern die Patienteneignung, beschleunigen die Genesungszeiten und führen zu besseren langfristigen klinischen Ergebnissen. Der bedeutende Marktanteil von Edwards Lifesciences in diesem Medizintechniksegment und Fortschritte bei anderen Arten von Klappen positionieren das Unternehmen gut für profitables Wachstum.
In der Diabetesversorgung ist die kontinuierliche Glukoseüberwachung (continuous glucose monitoring, CGM) ein großartiges Beispiel für kumulative Innovation. CGM-Produkte wurden vor etwa 20 Jahren erstmals auf den Markt gebracht und haben das Leben von Millionen von Diabetikern weltweit verlängert, indem sie Patienten die Möglichkeit bieten, den Blutzuckerspiegel kontinuierlich zu überwachen, was dazu beiträgt, gefährlich niedrige oder hohe Werte zu vermeiden. DexCom, eines der beiden führenden Unternehmen in dieser Technologie, hat ein stetiges, langzyklisches Wachstum durch die zunehmende Akzeptanz der Patienten verzeichnet und weitet das Konzept auf kontinuierliche Sensoren für andere Teile des medizinischen Marktes aus.
Derlei Entwicklungen sind selten binär. Im Gegensatz zu vielen kleinen Biotech-Unternehmen, bei denen die Ergebnisse von einer einzigen Studie oder einer regulatorischen Entscheidung abhängen können, neigen Medtech-Innovationen dazu, sich kontinuierlich zu summieren. Das macht die Fundamentalanalyse besonders effektiv bei der Chancenidentifikation.
Zu einem angemessenen Preis von Innovation profitieren
Die heutigen Marktbedingungen sind für Medtech-Aktien aus historischer Perspektive betrachtet besonders attraktiv. In den frühen 2010er Jahren waren Medtech-Aktien unbeliebt und die Wachstumsprognosen waren niedrig. Die heutigen Bewertungen deuten darauf hin, dass die Anleger Medtech erneut meiden, dabei sind die Wachstumserwartungen viel höher als vor 15 Jahren. Aktuelle Bewertungen, gestützt auf ein solides Gewinnwachstumspotenzial, das bis 2029 auf annualisierte 9,6 % prognostiziert wird (Abbildung), bieten unserer Ansicht nach einen attraktiven Einstiegspunkt für Aktieninvestoren.
Die Normalisierung von Medtech nach COVID hat viele Verzerrungen beseitigt, die die Analyse getrübt haben. Da sich Eingriffsvolumina und Krankenhausbudgets wieder einem Gleichgewicht nähern, können aktive Anleger diejenigen Unternehmen favorisieren, die wirklich über dauerhafte Vorteile verfügen – und jene meiden, die nur Profiteure vorübergehender Bedingungen waren. Und anstatt Medtech als eine monolithische Allokation zu behandeln, können sich Anleger auf einzelne Technologien, Plattformen und klinische Bereiche konzentrieren, in denen Innovation, Umsetzung und Bewertung im Einklang stehen.
Sicherlich sind die Risiken nicht verschwunden. Die Gesundheitsbudgets stehen in vielen Ländern weiterhin unter Druck, und die Stimmung kann länger negativ bleiben, als es die Fundamentaldaten rechtfertigen würden. Wir glauben jedoch, dass es kurzsichtig wäre, Medtech-Unternehmen auf Grundlage jüngster Enttäuschungen zu beurteilen.
Verbesserrte Patientenergebnisse und Effizienz
Aus unserer Sicht lag der langfristige Reiz von Medtech nie in pandemiebedingten Spitzen oder einer kurzfristigen Bewertungssteigerung. Er beruht vielmehr auf der Fähigkeit des Sektors, sich durch Innovationen, die die Patientenergebnisse und die Systemeffizienz verbessern, in der klinischen Praxis zu verankern. Dieses Fundament bleibt intakt.
Der gegenwärtige Moment bietet die Gelegenheit, neu zu bewerten, wo nachhaltige Wertschöpfung stattfindet, angetrieben durch sich summierende Innovationen und wiederkehrende Nachfrage. Aktive Anleger werden feststellen, dass der Puls ausgewählter Medtech-Unternehmen viel kräftiger schlägt, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Recherchen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider. Die Einschätzungen können sich im Laufe der Zeit ändern. MSCI übernimmt keine ausdrückliche oder stillschweigende Gewährleistung oder Verantwortung und kann für die hierin enthaltenen MSCI-Daten nicht haftbar gemacht werden. Die MSCI-Daten dürfen nicht weitergegeben oder als Grundlage für andere Indizes, Wertpapiere oder Finanzprodukte genutzt werden. Dieser Bericht wurde von MSCI nicht genehmigt, überprüft oder selbst erstellt. Verweise auf spezielle Wertpapiere dienen lediglich der Veranschaulichung unserer Anlagephilosophie und stellen keine Anlageempfehlungen von AB dar. Die in dieser Präsentation genannten und beschriebenen Wertpapiere sind nicht alle Papiere, die für das Portfolio erworben, verkauft oder empfohlen wurden. Darüber hinaus sollte man nicht davon ausgehen, dass Investments in die genannten Wertpapiere zwangsläufig profitabel waren oder sein werden.