M&G stellt Weichen für die Zukunft
M&G-Investments-Chef Joseph Pinto und M&G plc CFO Kathryn McLeland skizzieren bei einem Roundtable in London die strategischen Prioritäten von M&G: internationale Expansion, stärkerer Fokus auf private Märkte und ein klarer Schritt weg vom Image des klassischen Lebensversicherers. Zukäufe wie PCP und BauMont sollen diesen Kurs unterstützen.02.01.2026 | 08:00 Uhr von «Peter Gewalt»
Beim gemeinsamen Roundtable in London gaben M&G‑Investments‑CEO Joseph Pinto und M&G‑plc‑CFO Kathryn McLeland einen Einblick in die Schwerpunkte des Unternehmens für 2026. Beide betonten, dass das Umfeld für Asset Manager angesichts geopolitischer Unsicherheiten, wechselnder Kapitalflüsse und hoher Zinsvolatilität zwar anspruchsvoll bleibe, M&G aber auf eine klare strategische Linie setze. Pinto nannte die jüngsten Mittelzuflüsse als Hinweis darauf, „dass unsere Arbeit international Wirkung zeigt
Internationales Wachstum bleibt Kernziel
In den vergangenen Jahren hat M&G seine Präsenz in Europa und Asien deutlich ausgebaut. So wurde beispielweise in Nordamerika und Singapur Kompetenz im Bereich Unternehmensanleihen aufgebaut. Laut Pinto sei dies notwendig, um „näher an Kundinnen und Kunden zu sein und regionale Entwicklungen besser zu verstehen“.
McLeland ergänzte, dass die Regionalstrategie nicht auf Expansion um der Expansion willen basiere, sondern auf einer gezielten Allokation von Ressourcen: „Wir verschieben Kapazitäten dorthin, wo wir langfristig erfolgreich sein können.“
Zu diesem Ausbau gehören auch gezielte Zukäufe:
2025 übernahm M&G 70 Prozent
von P Capital Partners (PCP), einem etablierten europäischen Anbieter für
Private‑Credit‑Finanzierungen mit mehr als 20‑jährigem Track Record. PCP wird
in M&Gs rund 90‑Milliarden.-Euro‑Private‑Markets‑Plattform integriert
und erweitert das Angebot insbesondere im Bereich maßgeschneiderter
Finanzierungslösungen für mittelständische Unternehmen.
Darüber hinaus erwarb M&G eine Mehrheitsbeteiligung an BauMont Real Estate Capital, einem spezialisierten europäischen Immobilienmanager mit Fokus auf Value‑Add‑Strategien. Der Zukauf stärkt M&Gs Position im europäischen Immobiliensegment und ergänzt die bereits bestehenden Real‑Estate‑Kapazitäten der Gruppe.
Private Märkte weiterer Schwerpunkt
M&G verwaltet inzwischen einen erheblichen Teil seiner Anlagen in privaten Märkten, vor allem in Immobilien und Privaten Krediten. Die Verbindung von Asset Management und Lebensversicherungsgeschäft erleichtert laut Pinto den Aufbau langfristiger Investitionsstrukturen. Er betonte dabei, dass man bewusst nicht in alle privaten Anlagebereiche vorstoße, sondern sich auf jene konzentriere, bei denen M&G einen klaren Vorteil habe. „Wir wollen dort arbeiten, wo wir gut aufgestellt sind.“
Halb‑liquide Fondsstrukturen, die M&G in Luxemburg und bald auch im Vereinigten Königreich anbietet, sollen privaten Marktstrategien breiteren Zugang eröffnen. Diese Modelle werden durch Startkapital der Lebensversicherungseinheit von M&G gestützt, was eine stabilere Fondsbasis schafft.
Aktives Management – jetzt auch im ETF‑Format
In der Diskussion stellte Pinto klar, dass M&G weiterhin vollständig auf aktives Management setzt. Passivprodukte spielen im Konzern keine Rolle. Neu ist jedoch der Schritt, aktive Strategien in ETF‑Form anzubieten. Anfang Dezember wurde eine Reihe erster aktiver ETFs angekündigt – darunter Fonds für britische Staatsanleihen, inflationsgeschützte Gilts und US‑Staatsanleihen. Das Gesamtpaket wird mit 350 Mio. Pfund Startkapital aus dem Lebensversicherungsgeschäft von M&G unterstützt.
Der ETF‑Launch ist laut Unternehmen ein Versuch, Transparenz und Handelbarkeit eines ETFs mit der aktiven Steuerung des Portfoliomanagements zu verbinden. Pinto kommentierte dies mit: „Wir gehen in dieses Segment, weil sich die Art verändert, wie Menschen investieren.“
Kostendisziplin und Priorisierung
McLeland stellte heraus, dass M&G seine Kostenbasis trotz Inflation weitgehend stabil gehalten habe, allerdings durch Umschichtungen zwischen Geschäftsbereichen. Ziel sei eine bessere Balance zwischen Aufwand und Erträgen, ohne die Investitionsfähigkeit zu gefährden. Entscheidungen über Personal und Standorte orientieren sich dabei zunehmend an strategischer Relevanz, nicht an historisch gewachsenen Strukturen.
McLeland erklärte, dass trotz operativer Fortschritte und wachsender Anerkennung für die Partnerschaft mit Dai‑ichi Life der Markt M&G weiterhin oft wie einen klassischen britischen Lebensversicherer bewertet. „Im Moment behandeln uns die Aktionäre noch als Life Insurer.“ „Während es eine gute Kursentwicklung in diesem Jahr gab, wird man über die Zeit auch erkennen, dass wir ein Asset Manager sind, der in Wachstumsmärkten gut positioniert ist.“