Lithium 2026 – Schlüssel-Rohstoff im Comeback-Modus
Lithium gilt als essenzieller Baustein der globalen Elektrifizierung. Doch Überproduktion, geopolitische Spannungen und ein rasanter technologischer Wandel verändern die Marktmechanik grundlegend. Für Industrie, Politik und Investoren beginnt eine Phase der Neuorientierung.28.01.2026 | 13:00 Uhr
Deutschland steht inmitten tiefgreifender industriepolitischer Umbrüche. Während die heimische Automobil‑ und Batteriezellproduktion unter wachsendem Kostendruck kämpft, richtet sich der Blick zunehmend auf die Sicherung kritischer Rohstoffe – allen voran Lithium. Zuletzt wurde dies bei internationalen Verhandlungen besonders deutlich: Auf Einladung der US‑Regierung unter Präsident Donald Trump diskutieren Vertreter der G7‑Staaten sowie Australiens, Indiens, Südkoreas und Mexikos über eine fundamentale Neuordnung der globalen Rohstoffversorgung. Im Zentrum stehen 34 als „kritisch“ eingestufte Materialien wie Lithium, Kobalt und Seltene Erden. Diese Rohstoffe sind, wie es ein europäischer Diplomat formulierte, „das Öl des 21. Jahrhunderts“.
Lithium ist der Schlüsselrohstoff für Elektrofahrzeuge (EV), Energiespeicher und zahlreiche digitale Technologien – und damit ein unverzichtbares Element der neuen industriellen Revolution. Bis 2030 dürfte die weltweite Lithiumnachfrage um 147 Prozent steigen, womit es zu den am schnellsten wachsenden Metallen überhaupt zählt. Besonders dynamisch entwickeln sich Energiespeichersysteme (ESS), die heute bereits rund 20 Prozent der globalen Nachfrage ausmachen und bis 2030 ein jährliches Wachstum von 21 Prozent verzeichnen sollen. Damit rücken Batteriespeicher noch stärker in den Mittelpunkt der Energiewende – angetrieben durch erneuerbare Energien, digitale Infrastruktur und den enormen Stromhunger neuer KI‑Rechenzentren.
Trotz dieses Nachfragebooms hat der Markt in den vergangenen zwei Jahren einen tiefen Dämpfer erhalten. Nach dem Preissprung 2022 – ausgelöst durch das US‑Inflationsbekämpfungsgesetz und internationale Netto‑Null‑Programme – kam es zu einer massiven Ausweitung des globalen Angebots. Neue Kapazitäten aus australischem Hartgestein, südamerikanischen Salzseen sowie besonders aus China, wo Lepidolith‑ und Lake‑Produktion im Rekordtempo ausgebaut wurden, drückten den Markt in ein Überangebot. Der Effekt: Lithium gilt derzeit als eines der am stärksten überverkaufte Metalle; die Notierung müsste um etwa 580Prozent steigen, um die Höchststände von 2022 wieder zu erreichen.
Quelle: NBC, Bloomberg. Daten vom 14. November 2025. Alle Daten in USD. Hinweis: LCE steht für Lithiumcarbonatäquivalent. *REE bezieht sich auf NdPr.
Zwischen Überangebot und strukturellem Mangel: Warum die Wende näher rückt
Der derzeitige Überschuss trägt nach Einschätzung vieler Marktbeobachter aber vorwiegend zyklische Züge. Denn während der Angebotsboom die Preise gedrückt hat, bleiben die strukturellen Treiber intakt. Der weltweite Absatz von Elektrofahrzeugen stieg 2024 um 3,5 Millionen Einheiten und überschritt erstmals die Marke von 17 Millionen verkauften Fahrzeugen, womit EVs bereits 20 Prozent aller Neuwagen ausmachen. Auch der langfristige Ausbau von Stromnetzen und Batteriespeichern wird weiter an Fahrt gewinnen – insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken und einer Abhängigkeit von China, die westliche Staaten zunehmend als strategisches Problem verstehen.
Gleichzeitig beginnt die Angebotsseite zu reagieren: Die ersten großen Produzenten fahren Kapazitäten zurück. Der chinesische Batterie‑Gigant CATL stoppte im August 2025 rund 46 kt LCE, was etwa drei Prozent der damaligen Weltproduktion entsprach. Albemarle, der größte Lithiumproduzent der Welt, legte ein Werk in Chengdu still und strich mehrere Expansionsprojekte. Solche Schritte könnten den Markt schneller als erwartet wieder in ein Defizit führen – vornehmlich, wenn kleinere Produzenten nachziehen müssen.
Hinzu kommt ein weiterer möglicher Katalysator: Nach zwei Jahren Lagerabbau bei Batterie‑ und Kathodenherstellern zeichnet sich für 2026/27 ein Wiederauffüllungszyklus ab. Parallel steigen die Preise seit Jahresbeginn bereits um 25 Prozent – ein erstes Signal, dass der Tiefpunkt durchschritten sein könnte.
Industriepolitik und geopolitischer Druck verändern die Spielregeln
Die strategische Bedeutung von Lithium hat 2025 einen deutlichen politischen Ausdruck erhalten: Als erstes Projekt erhielt Lithium Americas vom US‑Verteidigungsministerium einen Kredit über 2,23 Milliarden Euro US-Dollar – ein klares Zeichen, dass Rohstoffsicherheit zur sicherheitspolitischen Priorität geworden ist. Europa und die USA drängen verstärkt auf heimische Lieferketten, während China versucht, seine dominierende Position entlang der Wertschöpfungskette zu verteidigen.
Diese geopolitische Neuordnung wird den Sektor nachhaltig prägen – und dürfte die langfristigen Preise eher nach oben als nach unten treiben, da politische Faktoren zunehmend in die Kostenstruktur und Projektplanung hineinwirken.
Lithium steht am Beginn einer neuen Marktphase, in der technologische Durchbrüche, geopolitische Spannungen und zyklische Schwankungen ineinandergreifen. Hier positioniert sich Baker Steel als spezialisierter Fondsmanager für natürliche Ressourcen. Mit einem breit angelegten Engagement in Produzenten von kritischen Metallen– darunter Lithium, Kupfer, Uran und Silber – setzt Baker Steel auf aktive Aktienauswahl, flexible Allokation und ein robustes Risikomanagement, um in strukturell wachstumsstarken Märkten einen Mehrwert für Anleger zu schaffen.