KI-Boom trifft Energieengpass
Angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen sind steigende Strompreise in den Vereinigten Staaten zu einem wichtigen politischen Thema geworden.24.02.2026 | 08:39 Uhr
Konkret geht es um das Risiko eines Preisanstiegs infolge einer stark steigenden Nachfrage, die durch den schnellen Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz entsteht. Mehrere Persönlichkeiten der Demokratischen Partei haben heftige Kritik geäußert. Senator Bernie Sanders ging sogar so weit, ein landesweites Moratorium zu fordern. Diese Besorgnis fand auch bei den Republikanern Widerhall, insbesondere durch Donald Trump. Er forderte Technologieunternehmen ausdrücklich dazu auf, die durch ihren Energieverbrauch entstehenden Mehrkosten selbst zu tragen, ohne dass diese auf die amerikanischen Haushalte abgewälzt werden.
Bundesstaaten reagieren mit Regulierung und Sondertarifen
Die verschiedenen Bundesstaaten gaben sich mit diesen Erklärungen jedoch nicht zufrieden und haben bereits Maßnahmen eingeleitet. Sechs von ihnen – darunter Georgia, Virginia und Oklahoma – haben Moratorien für den Bau neuer Rechenzentren vorgeschlagen, um sich Zeit für die Festlegung von Rahmenvorschriften zu verschaffen. Auf nationaler Ebene hat dies zu einem deutlichen Anstieg verschobener oder stornierter Bauprojekte für Rechenzentren geführt.
In den meisten Fällen werden die Mehrkosten den Unternehmen in Rechnung gestellt, die die Rechenzentren betreiben. Dies geschieht über verschiedene Mechanismen. Am einfachsten und zugleich am weitesten verbreitet ist die Einführung eines speziellen, regulierten Tarifs (Large-Load-Tarif) durch die Bundesstaaten. Dieser unterscheidet sich vom klassischen Industrietarif und ermöglicht es, die durch den zusätzlichen Energiebedarf verursachten Kosten – insbesondere für den Netzausbau und die Schaffung neuer Kapazitäten – im Preis abzubilden, ohne sie auf andere Verbrauchergruppen umzulegen.
Häufig ist dieser Mechanismus mit langfristigen Verpflichtungen und Mindestabnahmemengen verbunden, die durch finanzielle Garantien abgesichert werden. Das Ziel ist es, die Investitionen in das Stromnetz abzusichern und zu verhindern, dass andere Verbraucher belastet werden, falls die Rechenzentren aus verschiedenen Gründen letztlich weniger verbrauchen als ursprünglich prognostiziert. In Ohio beispielsweise gilt eine Mindestabrechnung in Höhe von 85 % eines festgelegten Referenzbedarfs.
Technologiekonzerne finanzieren eigene Energieinfrastruktur
Diese Maßnahmen sind in vielen US-Bundesstaaten zu finden. Gleichzeitig werden Technologieunternehmen immer häufiger dazu angehalten, einen Großteil neuer Stromkapazitäten selbst zu finanzieren oder eigene Energieanlagen aufzubauen. Dies ist beispielsweise beim Projekt des Gaskraftwerks Socrates South in Ohio der Fall, das ausschließlich ein Rechenzentrum von Meta Platforms versorgen soll und nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist.
Auch Amazon geht diesen Weg und hat Partnerschaften für den Bau kleiner modularer Kernreaktoren geschlossen. Das KI-Unternehmen Anthropic hat kürzlich angekündigt, die gesamten Kosten für den Ausbau des Stromnetzes für seine Rechenzentren zu übernehmen und einen wesentlichen Beitrag zur Inbetriebnahme neuer Erzeugungskapazitäten zu leisten. Microsoft verfolgt mit dem Anfang des Jahres vorgestellten Programm „Community-First AI Infrastructure” eine ähnliche Strategie und trägt ebenfalls die gesamten Kosten für den Netzausbau seiner Rechenzentren. In den meisten Fällen spielt auch die politische Dimension eine Rolle: Es wird deutlich betont, dass der schnelle Ausbau der KI nicht zu höheren Stromkosten für private Haushalte führen darf.
Investitionen verändern Geschäftsmodelle und Marktstruktur
Für Technologieunternehmen ist der gesicherte Zugang zu ausreichend Energie entscheidend, um ihre Wachstumsziele zu erreichen. Wenn sie nun jedoch einen großen Teil des Ausbaus der Stromerzeugung selbst finanzieren müssen, erhöht das ihre ohnehin sehr hohen Investitionsausgaben zusätzlich – auch wenn ein Teil dieser Kosten an Kunden weitergegeben werden kann.
Damit wird die Fähigkeit,Preise durchzusetzen, noch wichtiger für die Unternehmen. Zugleich verändert sich ihr Geschäftsmodell: Viele dieser Unternehmen entwickeln sich von stark cashflow-orientierten Modellen mit hohen Ausschüttungen für Aktionäre hin zu kapitalintensiven Modellen mit deutlich höheren Investitionen. Das bleibt für Investoren nicht ohne Bedeutung.
Für die US-Wirtschaft insgesamt könnten die Effekte hingegen positiv sein. Der Ausbau der Energieinfrastruktur dürfte die wirtschaftliche Aktivität – und voraussichtlich auch die Beschäftigung – in angrenzenden Branchen wie Bauwesen und Energietechnik spürbar erhöhen. Gleichzeitig wird das Stromnetz modernisiert und erweitert, ohne dass die öffentlichen Haushalte stark belastet werden.
Insgesamt könnte davon die gesamte Wirtschaft profitieren. Diese Entwicklungen stützen die Erwartung, dass die US-Wirtschaft weiter an Dynamik gewinnt. An den Börsen könnte sich dadurch die Rotation fortsetzen: Große Technologiewerte verlieren möglicherweise an Zugkraft, während kleinere und mittlere Unternehmen stärker in den Fokus rücken.
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