Japan: Neue Asset-Preis-Blase in Sicht?

Japan zählt für Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, derzeit zu den spannendsten Makrothemen weltweit. Walk beschreibt eine ungewöhnlich positive Aufbruchstimmung, die er in dieser Form seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt habe.

21.01.2026 | 12:45 Uhr

„Die Kombination aus billigem Geld, steigender Risikobereitschaft und neuem Kapitalzufluss ist hochgradig ungewöhnlich – und potenziell riskant“, so der Ökonom.

Besonders aufmerksam verfolgt Walk die Entwicklung am Immobilienmarkt. Ihm falle zunehmend auf, dass Immobilienmakler aktiv mit dem Appell werben, Immobilien zu verkaufen. „Das ist kein Zufall. Solche Kampagnen sehen wir typischerweise dann, wenn die Nachfrage deutlich anzieht und Verkäufer beginnen, höhere Preise durchzusetzen“, erklärt Walk. Aus seiner Sicht sei dies ein klarer Frühindikator für steigende Immobilienpreise und ein wachsendes spekulatives Interesse.

Die übergeordnete Ursache sieht Walk in einer massiven geldpolitischen Fehlsteuerung. Seiner Einschätzung nach liege der neutrale Zins in Japan bei rund vier Prozent, während der Leitzins aktuell lediglich etwa 0,75 Prozent betrage. Auch signalisiere die in den vergangenen Wochen deutlich steiler gewordene Renditestrukturkurve (Leitzins zu Rendite 30-jähriger Staatsanleihen) eine extrem lockere Geldpolitik und merklich steigende Wachstums- und Inflationserwartungen. „Das bedeutet, dass Geld in Japan faktisch viel zu günstig ist“, sagt Walk. „Diese extreme Diskrepanz zwischen neutralem Zins und Leitzins erzeugt zwangsläufig Asset-Preis-Inflation – zuerst an den Aktienmärkten und nun zunehmend auch bei Immobilien.“

Die Folgen dieser Politik seien klar ablesbar. „Wenn Sparen kaum noch Ertrag bringt, steigt die Bereitschaft zur Kreditaufnahme. Gleichzeitig werden Banken ermutigt, aggressiver Kredite zu vergeben“, so Walk. Entsprechend dynamisch entwickle sich das Kreditwachstum. Die jüngsten Zahlen von 4,1 Prozent im November und 4,4 Prozent im Dezember bezeichnet er als „für japanische Verhältnisse extrem hoch und historisch außergewöhnlich“.

Für die kommenden Quartale rechnet Walk mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung. „Ich erwarte weiter steigende Immobilienpreise und eine anhaltend starke Entwicklung am Aktienmarkt“, erklärt er. Gleichzeitig dämpft er Erwartungen an eine kräftige Yen-Aufwertung. „Eine nachhaltige Yen-Stärke erscheint eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist eine stabile bis leicht schwächere Tendenz, solange die Geldpolitik so expansiv bleibt.“

Insgesamt sieht Walk Japan am Beginn einer neuen Phase der Vermögenspreisinflation. „Die Rahmenbedingungen sind typisch für den Aufbau einer neuen Blase. Noch keine gefährliche Überhitzung zu erkennen, aber die Richtung zeichnet sich ab“, resümiert der Metzler-Chefvolkswirt.

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