Japan – Ausblick 2026

Japan durchläuft derzeit den bedeutendsten wirtschaftlichen und unternehmerischen Wandel seit einer Generation.

20.02.2026 | 12:05 Uhr

Die positiven Auswirkungen der wirtschaftlichen Normalisierung auf die Unternehmensgewinne und die Verbesserung der Aktionärsrenditen durch Unternehmensreformen geben Anlass zu einem erfreulichen Ausblick auf das Jahr 2026 und die nachfolgenden Jahre.


Templeton Global Investments (TGI) blickt zuversichtlich auf japanische Aktien, denn Japan durchläuft derzeit den bedeutendsten wirtschaftlichen und unternehmerischen Wandel seit einer Generation. Die Normalisierung der japanischen Wirtschaft nach drei Jahrzehnten der Deflation begünstigt das Wachstum der Unternehmensgewinne. Und auch die wachstumsfreundliche Politik der Takaichi-Regierung verheißt Gutes für das langfristige Wachstumspotenzial des Landes.
Die Ausweitung der Unternehmensreformen verändert den „Stoffwechsel“ des japanischen Unternehmenssektors und ist der Grund für eine Entwicklung, die wir als strukturelle Verbesserung der Eigenkapitalrenditen (des ROE)1 charakterisieren würden.

Diese systemischen Veränderungen unterstützen ein mehrjähriges Wachstum der Gewinne je Aktie (EPS)2, das Aufwind für die Renditen japanischer Aktien bedeuten kann. Weitere positive Impulse dürften von einer Neubewertung des Kurs-Gewinn-Multiplikators (KGV)3 ausgehen, die zu erwarten ist, wenn sich globale Anleger der Belebung der japanischen Wirtschaft und ihrer Unternehmen bewusst werden.

Normalisierung der Wirtschaft als Treiber eines mehrjährigen Gewinnwachstums

Mit der Rückkehr zu einer nachhaltigen Inflation befindet sich die japanische Wirtschaft nach drei Jahrzehnten der Deflation und Stagnation nun auf dem Weg der Normalisierung. Die Möglichkeit, die Preise zu erhöhen, ist ein Hebel zur Steigerung der Gewinne, den es lange einfach nicht gab. Wir glauben, dass mit dieser Möglichkeit die Lebensgeister4 in den japanischen Unternehmenssektor zurückkehren dürften.

Nach Jahren unzureichender Investitionstätigkeit investieren die Unternehmen nun in Wachstum und verfolgen strategische Initiativen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Sie erhöhen auch die Löhne, und die Trickle-down-Effekte für die privaten Haushalte werden allmählich spürbar. Das Schwungrad einer nachhaltigen Normalisierung der Wirtschaft Japans ist in Bewegung gesetzt, was nach unserem Dafürhalten ein mehrjähriges Gewinnwachstum für die japanischen Unternehmen unterstützt.

Die wachstumsfreundliche Politik der Takaichi-Regierung mit ihren gezielten strategischen Investitionen dürfte die angestoßene Normalisierung der japanischen Wirtschaft aus unserer Sicht beschleunigen und das langfristige Wachstumspotenzial Japans anheben. 17 strategische Bereiche wie Halbleiter, künstliche Intelligenz (KI), Energie und Verteidigung werden durch öffentlich-private Partnerschaften politisch gefördert.


Unternehmensreformen und ROE-Verbesserung

Die Unternehmensreformen weiten sich aus und bewirken unseres Erachtens eine Belebung des japanischen Unternehmenssektors. In der Vergangenheit haben sich die Unternehmen in Japan zu wenig für die Interessen der Aktionäre interessiert, doch dies ändert sich nun rapide. Die Unter-nehmensreformen haben in den letzten Jahren an Dynamik gewonnen, und den Interessen der Aktionäre wird mehr Bedeutung beigemessen.

Die japanischen Unternehmen erkennen zunehmend, wie wichtig eine Verbesserung des ROE ist – eine Kennzahl, die für viele japanische Firmen bislang schlechter ausfiel als für die Unternehmen in den USA und in Europa. Während das Augenmerk dabei anfangs auf einer größeren Kapitaleffizienz durch höhere Dividendenauszahlungen und Aktienrückkäufe lag, weitet sich der Fokus nun auf andere Formen einer disziplinierten Kapitalallokation aus, z. B. auf die Veräußerung von nicht wesentlichen und schlecht laufenden Unternehmensbereichen und die Verwendung der Kapitalerlöse für das Kerngeschäft. Außerdem bemühen sich die japanischen Unternehmen um die Stärkung ihrer Gewinnmargen, indem sie ihr Geschäftsportfolio umstrukturieren und strategische Initiativen zur Verbesserung der operativen Effizienz ergreifen. Dies geht über Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung hinaus und umfasst auch eine genauere Betrachtung des Produktportfolios sowie die Optimierung der Preissetzung.

Insgesamt bewirken die Unternehmensreformen in Japan eine strukturelle Verbesserung des ROE.


Neubewertung des KGV-Multiplikators

Japanische Aktien wurden über einen Großteil der letzten drei Jahrzehnte mit einem Abschlag gegenüber globalen Aktien gehandelt. Zu diesem Abschlag trug zum einen der langfristige Ausblick auf ein weitgehend stagnierendes Wachstum bei und zum anderen der unzureichende ROE, der das Ergebnis des fehlenden Augenmerks auf die Interessen der Aktionäre war.

Die systemischen Veränderungen in Japan – Normalisierung der Wirtschaft und Unternehmens-reformen – geben Anlass, dieses langjährige Verständnis der Bewertungen japanischer Aktien infrage zu stellen. Nun, da das nominale BIP-Wachstum Japans und der ROE der japanischen Unternehmen sich dem globalen Niveau annähern, ist es aus unserer Sicht Zeit für eine Neubewertung des nachhaltigen KGV japanischer Aktien.

Fazit: Günstiges Risiko-Ertrags-Verhältnis und Inlandsfokus

Der Haupttreiber der japanischen Aktienmarktrenditen im Jahr 2026 wird wahrscheinlich das EPS-Wachstum sein. Weiteres Aufwärtspotenzial birgt aus unserer Sicht eine Anpassung des Bewertungsniveaus im Zuge des wachsenden Vertrauens der Anleger in die systemischen Veränderungen in Japan. Unser Research ergibt, dass japanische Aktien in den Portfolios globaler Anleger weiterhin untergewichtet sind.

Wir bei TGI konzentrieren uns auf der Grundlage unserer Fundamentaldatenanalysen auf Unternehmen mit Inlandsfokus. Diese Unternehmen könnten unseres Erachtens besser positioniert sein, um von dem Systemwandel in Japan zu profitieren. Besonders interessant erscheinen uns unter anderem Banken und Industrieunternehmen. Den japanischen Banken dürften die stärkere Kreditnachfrage und die Belebung der Kapitalmärkte zugutekommen, die im Zuge der Normalisierung der japanischen Wirtschaft nach 30 Jahren der Stagnation zu erwarten sind. Vielversprechend für die Industrie ist der mehrjährige Investitionszyklus, in den die Unternehmen eingetreten sind.

Im Hinblick auf Unternehmen, die ihre Umsatzerlöse im Ausland erzielen, gehen wir angesichts der globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheit höchst selektiv vor. Wir bevorzugen Unternehmen, die Verbindungen zu strukturell wachsenden Endmärkten wie Halbleiter, Strominfrastruktur und Luft- und Raumfahrt aufweisen. Zentrale Erwägungen unabhängig vom Inlands- oder Auslandsfokus eines Unternehmens sind jedoch die Fortschritte bei den Unternehmensreformen sowie die Bedeutung, die den Interessen der Aktionäre beigemessen wird.


Fussnoten

  1. Die Eigenkapitalrendite (der ROE) ist das Verhältnis des Jahresüberschusses zum Eigenkapital eines Unternehmens. Sie ist ein Maß für seine Rentabilität.

  2. Der Gewinn je Aktie (EPS) ist der Anteil des Gewinns eines Unternehmens, der auf eine umlaufende Stammaktie entfällt.

  3. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist der Kurs einer Aktie (oder eines Index), geteilt durch den Gewinn je Aktie. Es ist eine Kennzahl zur Bewertung eines Unternehmens.

  4. „Lebensgeister“ ist die Übersetzung des Ausdrucks „animal spirits“, den John Maynard Keynes in seinem 1936 veröffentlichten Werk Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes verwendet. Er beschreibt damit die menschlichen Emotionen, die das Verbrauchervertrauen bestimmen.


WO LIEGEN DIE RISIKEN?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, ein Verlust des Anlagekapitals ist möglich.

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Internationale Anlagen sind mit besonderen Risiken verbunden. Hierzu gehören Währungsschwankungen sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Unsicherheiten, die zu erhöhter Volatilität führen können. Diese Risiken sind in den Schwellenländern noch größer.

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