ETF Securities: Gold profitiert von Handelskrieg

Der Status von Gold als sicherer Hafen rückt aufgrund von „Quitaly“-Sorgen und Handelszöllen wieder in den Fokus.

06.06.2018 | 09:33 Uhr

Gold-ETPs (A0LP78) verzeichneten mit 122,7 Mio. USD die stärksten Zuflüsse. Dies entspricht einem 33-Wochen-Hoch. Die Turbulenzen in der italienischen Politik in der vergangenen Woche trugen zusammen mit den höheren US-Handelszöllen zu einer Umkehr der Abflüsse bei Gold-ETPs in den vorangegangenen zwei Wochen bei. Aufgrund der Sorgen über Neuwahlen in Italien infolge der Ablehnung des Kandidaten für das Amt des Wirtschafts- und Finanzministers durch Präsident Sergio Mattarella weitete sich der Renditespread zwischen 10-jährigen italienischen und  deutschen Staatsanleihen auf über 250 Basispunkte (Bp) und damit auf den höchsten Stand seit Oktober 2013. Der Goldpreis bildete diese Volatilität des Renditespreads zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen, der zeitweise bei über 300 Bp lag, nach. Die Fünf-Sterne- Bewegung und die Lega Nord in Italien konnten Ende der Woche allerdings in allerletzter Minute eine Regierung stellen, die vom Präsidenten angenommen wurde. Zwar kam es infolge der Bildung der neuen Regierung kurzzeitig zu einer Erholung. Dennoch haben die Sorgen am Markt weiter Bestand, da die neue populistische Regierung in Italien auf Konfrontationskurs mit der EU gehen dürfte. 

Gleichzeitig rückt auch die Unsicherheit im Zusammenhang mit den Handelsspannungen wieder in den Vordergrund und überschattet die positiven Wirtschaftsdaten in den USA. Laut den am Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen wurden außerhalb der Landwirtschaft 223.000 Arbeitsplätze geschaffen und beschleunigte sich das Lohnwachstum auf 2,8 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2009, was auf zunehmende Inflationsrisiken hindeutet. Dies ebnet den Weg für weitere Zinserhöhungen seitens der Federal Reserve, was den Goldpreis unter Kontrolle halten dürfte, da die nächste Sitzung der Notenbank in zwei Wochen stattfindet. Gleichwohl scheint der Goldpreis stärker von der Eskalation der Handelskriege, bei denen Gleiches mit Gleichem vergolten wird, zu profitieren. Auslöser waren die am Freitag in der vergangenen Woche auferlegten US- Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. Silber-ETPs (A0N62F) verzeichneten aufgrund von Gewinnmitnahmen Abflüsse in Höhe von 7,4 Mio. USD, welche die Zuflüsse der letzten Woche umkehrten. 

Die Zuflüsse in diversifizierte Rohstoffkorb-ETPs beschleunigten sich mit 46 Mio. USD auf ein 13-Wochen-Hoch. Breit aufgestellte Rohstoffkorb-ETPs (A0KRKC) mit längerfristigem Horizont gewinnen an Attraktivität, da die Anleger in die Anlageklasse umzuschichten scheinen. 

Die Mittelflüsse bei ETPs aus dem Energiesektor (A0KRKD) fallen uneinheitlich aus. Bei Energiekorb-ETPs (A0KRKD) kam es mit 23,1 Mio. USD zu den höchsten Zuflüssen seit Dezember 2015. Dagegen verzeichneten Rohöl-ETPs mit 10,1 Mio. USD die achte Woche in Folge Abflüsse. 

Bei Kupfer-ETPs (A0KRJU) kam es infolge von Gewinnmitnahmen seitens der Anleger zu Rücknahmen im Wert von 12,2 Mio. USD, wodurch die Zuflüsse aus den vorangegangenen zwei Wochen ausgeglichen wurden. Sorgen über Angebotsstörungen hatten in der letzten Woche einen Anstieg der Kupferpreise um 1 Prozent zur Folge. Derzeit werden bei der Escondida-Kupfermine in Chile Tarifverhandlungen geführt, wobei der Ausgang alles andere als sicher ist, da die Gewerkschaft höhere Forderungen stellen dürfte als im vergangenen Jahr. Bei dieser Mine kam es im letzten Jahr zum längsten Streik in der Geschichte der chilenischen Bergbaubranche, der erhebliche Produktionsausfälle zur Folge hatte. Darüber hinaus ordnete die Regierung des indischen Bundesstaates Tamil Nadu aufgrund ökologischer Bedenken die Schließung der Kupferhütte von Sterlite (Tochterunternehmen von Vedanta) mit einer Kapazität von 400.000 Tonnen an. Zwar ist es noch nicht klar, ob eine dauerhafte Schließung angestrebt wird. Dennoch sind durch den Wegfall der Sterlite-Kupferhütte 1,7 Prozent des globalen Kupferangebots gefährdet. Die positiven Wirtschaftsdaten aus den USA (ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe) und China (Einkaufsmanagerindex) trugen dazu bei, die Sorgen im Zuge der Handelsspannungen zu mindern.


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