Einkommen und Wachstum im Multi-Asset-Bereich gezielt kombinieren
Multi-Asset-Anleger sollten ein breit diversifiziertes Instrumentarium einsetzen, um effizient Einkommen zu generieren.09.03.2026 | 07:36 Uhr
Für einkommensorientierte Anleger bietet das aktuelle Umfeld attraktive Chancen. Unserer Ansicht nach sollte Income Investing jedoch mehr sein als die bloße Kombination der jeweils ausschüttungsstärksten Segmente in jeder Anlageklasse, da dies unbeabsichtigte Risiken mit sich bringen kann. Ein effizienter Multi-Asset-Ansatz kann helfen, das richtige Gleichgewicht zwischen Einkommen, Wachstum und Diversifizierung zu finden.
Höchste Ausschüttung bedeutet oft höchstes Risiko
Das zusätzliche Einkommen, das durch eine Ausrichtung auf die
ausschüttungsstärksten Marktsegmente erzielt wird, kann
überproportionale Risiken mit sich bringen – darunter geringere
Qualität, eingeschränktes Wachstumspotenzial, höhere Volatilität,
Illiquidität und eine erhöhte Anfälligkeit bei Marktrückgängen.
In den festverzinslichen Märkten beispielsweise wiesen Segmente mit den
höchsten Umlaufrenditen geringere risikobereinigte Erträge auf (Abbildung).
Die beste Strategie für einkommensorientierte Anleger besteht unseres
Erachtens darin, Anlageklassen mit relativ attraktivem Einkommen zu
wählen – jedoch nicht mit dem höchsten Risiko. Bei Unternehmensanleihen
bedeutet das, global diversifiziert in Hochzinsmärkte zu investieren,
ohne sich auf das besonders risikoreiche Segment mit extrem hohen
Ausschüttungen zu konzentrieren. Zudem heißt das, Anleihen mit
geringerem Zinsänderungsrisiko (Duration) zu bevorzugen – typischerweise
kürzer laufende Anleihen mit geringerer Restlaufzeit.
Das gilt ebenso für Aktien. Einkommensorientierte Anleger sollten Aktienmärkte nicht außer Acht lassen, da sie im Zeitalter der künstlichen Intelligenz erhebliches Wachstumspotenzial bieten. Eine Fokussierung ausschließlich auf die höchsten Dividendenrenditen hat jedoch häufig zulasten des Gesamtertrags gewirkt, da sie Aktien mit höherem Gewinnwachstum und stärkerem Wertentwicklungspotenzial ausschließt.
Strategien wie Qualität und Wachstum bieten zwar nur moderate Dividendenrenditen, haben jedoch die überdurchschnittlichen Erträge geliefert, die Anleger benötigen, um den realen, also inflationsbereinigten, Wert ihrer Portfolios zu steigern (Abbildung). Umgekehrt sind viele Aktien mit ungewöhnlich hohen Dividendenrenditen deshalb so bewertet, weil schwache Fundamentaldaten oder rückläufige Perspektiven eine unterdurchschnittliche risikobereinigte Wertentwicklung erwarten lassen.
Diversifizierte Einkommensstrategien können widerstandsfähiger sein
Im Gegensatz zur Fokussierung auf die renditestärksten Segmente
bietet ein diversifizierter Ansatz die Möglichkeit, attraktive Erträge
zu erzielen, ohne sich auf die risikoreichsten Unternehmensanleihen zu
konzentrieren oder den Kapitalwert zu belasten. Der Beleg? Im Jahr 2025
erzielte eine globale Multi-Asset-Einkommensstrategie, die Aktien,
Hochzinsanleihen und Staatsanleihen kombinierte, einen Ertrag von 13 % –
und übertraf damit sowohl Hochzins- als auch Investment-Grade-Anleihen
bei einer Umlaufrendite von nahezu 4 %.
Diversifizierte Ansätze können zudem verdeckte Anfälligkeiten mindern,
die größere Verluste wahrscheinlicher machen, und so Rückschläge
vermeiden helfen, von denen sich Portfolios nur schwer erholen.
Ein eindrucksvolles Beispiel war der Marktcrash aufgrund von COVID-19
Anfang 2020. Die meisten traditionellen Anlageklassen verzeichneten
starke Rückgänge, doch viele renditestarke Segmente schnitten noch
schlechter ab. So blieben dividendenorientierte Aktienindizes hinter dem
breiten Markt zurück, insbesondere in der Erholungsphase, obwohl
Dividendenwerte häufig als defensive Substanztitel gelten, die Baissen
besser überstehen können. Die besondere Art dieses Schocks traf jedoch
gerade die renditestärksten Aktien am härtesten: Viele Unternehmen aus
den Bereichen Energie, Immobilien und anderen Hochdividenden-Sektoren
sahen sich mit Dividendenkürzungen oder massiven Kursverlusten
konfrontiert, deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Im festverzinslichen
Bereich standen Anleihen mit niedrigerem Rating, wie Hochzinsanleihen,
unter ähnlichem Liquiditätsdruck und verzeichneten starke Kursrückgänge,
während höher bewertete Anleihen von einer Flucht in Qualität
profitierten.
Kurz gesagt: Anleger, die durch eine stärkere Gewichtung der
ausschüttungsstärksten Segmente im Anleihemarkt oder von
Hochdividendenaktien nach höherem Einkommen strebten, mussten größere
Kursverluste hinnehmen als bei einer ausgewogeneren Allokation. Zudem
erholten sich Portfolios, die mit Qualitätsanleihen und breit gestreuten
Aktien – einschließlich Qualitäts- und Wachstumswerten – ausbalanciert
waren, schneller.
Ertrag mit Wachstum, Qualität und Liquidität in Einklang bringen
Wir halten es für entscheidend, dass einkommensorientierte Anleger
nicht übermäßig nach Einkommen streben und sicherstellen, dass ihre
Portfolios neben Wachstumspotenzial auch ausreichend Qualität und
Liquidität enthalten.
Im Hinblick auf Qualität sollte eine Dividendenstrategie Faktoren wie
Profitabilität und Nachhaltigkeit der Dividende berücksichtigen. So
lassen sich „Dividendenfallen“ vermeiden – Unternehmen mit attraktiven
Renditen, deren Geschäftsmodelle sich jedoch verschlechtern. Research
zeigte, dass die renditestärksten Aktien häufig eine geringere
Profitabilität und höhere Verschuldung aufweisen; Dividendenstrategien,
die Einkommen mit Qualitätskennzahlen kombinieren, erzielen zwar leicht
niedrigere Umlaufrenditen, bieten jedoch verlässlichere
Einkommensströme. Fazit? Bevorzugen Sie eine moderate Rendite eines
soliden Schuldners gegenüber einer sehr hohen Rendite eines unsicheren
Emittenten.
Auch Liquidität ist entscheidend. Das bedeutet, das Engagement in wenig
gehandelten Wertpapieren oder in solchen, die in Krisenzeiten illiquide
werden können, zu begrenzen. Die Suche nach möglichst hohen
Ausschüttungen führt Anleger häufig in weniger liquide Marktsegmente,
und Illiquidität kann Verluste verstärken, wenn Anleger in Stressphasen
gleichzeitig verkaufen wollen. Unserer Ansicht nach wahrt ein
ausgewogenes Multi-Asset-Einkommensportfolio ein Gleichgewicht – es
generiert Einkommen aus unterschiedlichen Quellen, begrenzt jedoch das
Gesamtrisiko durch die Beimischung hochwertiger Anleihen, robuster
Aktien und Liquiditätsreserven.
Das große Ganze: Effizienz zahlt sich beim Income Investing aus
Eine übermäßige Fokussierung auf besonders ausschüttungsstarke Anlagen kann sich als kontraproduktiv erweisen, sobald das Risiko berücksichtigt wird. Daten zeigen, dass ein diversifizierter, qualitätsorientierter Ansatz vergleichbares Einkommen bei robusteren Eigenschaften und besserem Gesamtertragspotenzial liefern kann. Es ist ein klassisches Beispiel dafür, nicht alles auf eine einzige Hocheinkommena-Strategie zu setzen. In dem heutigen volatilen Anlageumfeld sollten Anleger bedenken, dass die Umlaufrendite nur ein Bestandteil des Gesamtertrags ist – und dass eine unreflektierte Jagd nach Rendite das eigentliche Ziel eines stabilen Einkommensstroms untergraben kann.
Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Recherchen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider. Die Einschätzungen können sich im Laufe der Zeit ändern.
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