Dr. Björn Ohl, Ökonom der apoBank zum Nahost-Konflikt
„Moderate Wachstumskorrekturen – aber keine globale Krise“17.03.2026 | 09:35 Uhr
Die Eskalation im Nahen Osten sorgt für erhöhte Volatilität an den Finanzmärkten. Im Fokus stehen die gestiegenen Energiepreise und ihre Auswirkungen auf Wachstum und Inflation. Dazu teilt Dr. Björn Ohl, Ökonom bei der apoBank, mit:
„Aus ökonomischer Sicht dreht sich derzeit alles um die Dauer der Sperrung der Straße von Hormus – sie ist der zentrale Risikofaktor für Ölpreise, Weltwirtschaft und Finanzmärkte. In unserem Basisszenario erwarten wir in den nächsten Wochen einen Ölpreis von knapp 100 US-Dollar bei gleichzeitig hoher Volatilität. Der Krieg belastet die globale Konjunktur, führt aber nur zu moderaten Wachstumskorrekturen.
Für den Euroraum rechnen wir mit einer Belastung in Höhe von 0,3
Prozentpunkten, für Deutschland von 0,2 Prozentpunkten.
Für die USA haben wir aufgrund von Energiepreis-Effekten, einem weiterhin
schwächeren Arbeitsmarkt und einer zuletzt nachlassender Konjunkturdynamik die
Wachstumsprognose sogar um 0,4 Prozentpunkte gesenkt.
Trotz des energiepreisbedingten Inflationsanstiegs bleiben die Auswirkungen auf
die Kerninflation begrenzt.
Deshalb erwarten wir weder eine starke Reaktion der Zentralbanken noch eine
Abkehr vom eingeschlagenen geldpolitischen Kurs.
Auch wenn der Schock stagflationär wirkt, drohen weder eine Stagflation noch eine Rezession. Das globale Wachstumsbild bleibt insgesamt positiv, wenn auch etwas schwächer als vor Beginn des Konflikts.
An den Kapitalmärkten ist kurzfristig mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Gleichzeitig bleiben die mittelfristigen Perspektiven konstruktiv, sofern es in den nächsten Wochen zu einer allmählichen Beruhigung der Lage kommt.
Vor diesem Hintergrund reduzieren wir bei Aktien die Risiken in den Schwellenländern leicht, bleiben jedoch langfristig positiv für die Region. Insgesamt erwarten wir stabile Marktchancen trotz eines herausfordernden Umfelds.“