Börsenturbulenzen: Anleger sollten Ruhe bewahren
Kriege, Terroranschläge oder politische Konflikte sorgen regelmäßig für Unruhe an den Finanzmärkten. Für viele Anleger sind geopolitische Spannungen ein Warnsignal: Steigen die Risiken auf der Weltbühne, drohen auch an den Börsen längere Durststrecken. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass diese Sorge häufig übertrieben ist.17.03.2026 | 07:30 Uhr
Historisch reagieren die Märkte zwar kurzfristig nervös – die Erholung folgt jedoch meist schneller als erwartet. Darauf weist eine Analyse von Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter HQ Trust, hin. Grundlage seiner Untersuchung ist der Geopolitical Risk Index (GPR) des Ökonomen Matteo Iacoviello. Dieser Index misst das globale geopolitische Risiko anhand der Häufigkeit bestimmter Schlüsselbegriffe in internationalen Zeitungsartikeln – etwa zu Kriegen, Terrorismus oder politischen Spannungen. Je häufiger solche Begriffe erscheinen, desto höher ist der Indexstand und damit das gemessene geopolitische Risiko.
Historische Krisen als Testfall
Um besonders kritische Phasen zu identifizieren, definierte Kielkopf einen Schwellenwert: Überschreitet der GPR-Index seinen historischen Durchschnitt um mehr als eine Standardabweichung, gilt die geopolitische Lage als angespannt. Zu solchen Perioden zählen unter anderem der Golfkrieg, die Anschläge vom 11. September 2001, der Irakkrieg oder der Russischer Angriff auf die Ukraine.
Im nächsten Schritt untersuchte Kielkopf, wie stark der globale Aktienmarkt – gemessen am MSCI ACWI – in diesen Monaten zwischenzeitlich fiel und wie sich der Index in den drei Monaten danach entwickelte. Diese Ergebnisse stellte er den Kursbewegungen in ruhigeren Marktphasen gegenüber.
Erhöhtes Risiko, aber überschaubare Verluste
Das Ergebnis: In Monaten mit besonders hohem geopolitischem Risiko fiel der MSCI ACWI im Schnitt zwischenzeitlich um 3,7 Prozent. In Monaten ohne erhöhtes Risiko lag der durchschnittliche maximale Rückgang bei 2,3 Prozent.
Der Unterschied ist damit zwar messbar, aber deutlich kleiner, als viele Investoren vermuten. Noch interessanter ist die Entwicklung danach: Drei Monate nach den Hochrisikomonaten lag der MSCI ACWI im Durchschnitt rund 6 Prozent im Plus. In normalen Marktphasen betrug der Anstieg im selben Zeitraum etwa 5,7 Prozent.
Mit anderen Worten: Die Erholung nach geopolitischen Schocks fällt historisch sogar minimal stärker aus als in ruhigeren Zeiten. Insgesamt liegen die Werte jedoch so nah beieinander, dass sich aus geopolitischen Krisen kein dauerhaft anderes Rendite- oder Risikomuster ableiten lässt.
Wenn Krisen zur Kaufchance werden
Für Anleger ergibt sich daraus eine wichtige Lehre: Geopolitische Krisen wirken an den Märkten oft bedrohlicher, als sie langfristig tatsächlich sind. Wer in solchen Phasen aus Angst verkauft, verpasst häufig die anschließende Erholung.
Historisch wurden Investoren, die investiert blieben – oder sogar in schwachen Marktphasen nachgekauft haben –, meist schon nach wenigen Monaten belohnt. Rückschläge durch politische Ereignisse können somit auch Chancen bieten, Positionen günstiger auszubauen.
Disziplin statt Panik
Das bedeutet allerdings nicht, dass geopolitische Risiken ignoriert werden sollten. Einzelne Krisen können durchaus stärkere und länger anhaltende Kursverluste auslösen. Insgesamt zeigt die historische Entwicklung jedoch eine bemerkenswerte Widerstandskraft der globalen Aktienmärkte.
Für Anleger bleibt daher vor allem eines entscheidend: Disziplin. Ein strukturiertes Portfolio, regelmäßiges Rebalancing und ein langfristiger Anlagehorizont sind in turbulenten Zeiten meist die bessere Strategie als hektische Verkäufe.
Oder anders gesagt: Politische Börsen haben möglicherweise kurze Beine – und geopolitische offenbar oft ebenfalls. (jk)