Bankhaus Herzogpark Marktkompass: Die Zukunft des Stiftungsvermögens
Stiftungen stehen heute stärker denn je unter Druck ihr Vermögen real zu erhalten und zugleich mehr Wirkung zu erzielen. Das gelingt nicht mit gutem Willen, sondern nur mit einer klaren Strategie.12.05.2026 | 10:00 Uhr
Niedrige Realzinsen, volatile Märkte und wachsende Erwartungen von Förderern und Öffentlichkeit machen traditionelle Anlagewege zunehmend untauglich. Wer nicht diversifiziert oder aus Vorsicht auf Rendite verzichtet, gefährdet langfristig die eigene Handlungsfähigkeit – und damit den Stiftungszweck. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an verantwortungsvolles Investieren. ESG, Impact Investing und Mission-Related Investments sind längst Teil eines breiteren gesellschaftlichen Wandels. Fünf Thesen zeigen, warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die Anlagestrategie neu zu denken – und wie Stiftungen den Balanceakt zwischen Kapitalerhalt, Rendite und Verantwortung meistern können.
In
einer fünfteiligen Thesenreihe, erläutert Christian Opelt, Senior
Berater für Stiftungen und gemeinnützige Organisationen bei Bankhaus Herzogpark,
warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die eigene Anlagestrategie kritisch zu
hinterfragen – und wie Stiftungen den Spagat zwischen Kapitalerhalt, Rendite
und Verantwortung meistern können.
These 1: Kapitalerhalt ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für Wirkung
Der dauerhafte reale Erhalt des Stiftungsvermögens ist kein Selbstzweck, sondern dient der langfristigen Erfüllung des Stiftungszwecks. Anlageentscheidungen müssen sich an diesem Ziel messen lassen. Es gibt eine Aussage, die in Stiftungskreisen als konservative Tugend gehandelt wird: Das Vermögen zu erhalten sei das Wichtigste. Das stimmt – aber nur halb. Denn wer Kapitalerhalt als nominalen Werterhalt versteht und dabei die Inflation außer Acht lässt, verliert in Wirklichkeit kontinuierlich an Kaufkraft, ohne es zu merken.
Eine Stiftung, die ihr Kapital über Jahre hinweg vorrangig in „normal“ verzinsten Anlagen hält und dabei die jährliche Inflation ignoriert, verliert bereits nach zehn Jahren einen Teil ihrer realen Handlungsmasse. Zwar bleiben die Ausschüttungen nominell stabil – jedoch wird die Erfüllung des Stiftungszwecks Schritt für Schritt geschwächt. Wichtig ist, dass für die Berücksichtigung der Inflation nicht unbedingt der allgemeine „Verbraucherpreisindex“ maßgeblich ist, sondern die sektorspezifische Inflation des Förderbereichs. So zeigen Forschung, Gesundheit oder auch Denkmalförderung deutlich andere Preissteigerungsraten. Realer Kapitalerhalt bedeutet nicht, blindes Renditemaximieren zu betreiben. Es bedeutet, Anlageentscheidungen konsequent daran zu messen, ob sie dem langfristigen Erhalt der Wirkungsfähigkeit dienen. Eine Stiftung, die heute auf Rendite verzichtet, um sich vermeintlich sicher aufzustellen, riskiert morgen, ihre Kernaufgaben nicht mehr adäquat finanzieren zu können. Die gute Nachricht ist, dass ein strukturiertes Vorgehen mit klaren Anlagerichtlinien und einem durchdachten Risikomanagement, es ermöglicht einen realen Kapitalerhalt und angemessene Erträge miteinander zu verbinden – ohne dabei die Werte der Stiftung zu kompromittieren.