avesco: Biodiversität gehört auf die Agenda des Finanzsektors

Finanzsektor und Biodiversität: Die Branche kann durch ihre Tätigkeiten die Biodiversität gefährden oder durch z. B. ökologische Geldanlagen zu ihrem Erhalt beitragen. Lesen Sie mehr dazu im Artikel.

28.04.2023 | 10:28 Uhr

Dieses Zitat im Rahmen der gemeinsamen Untersuchung von WWF Deutschland und PwC: „Von Net Zero zu Nature Positive – warum sich der deutsche Finanzsektor mit Biodiversität beschäftigen sollte“, skizziert ein Grundproblem vergangener Wirtschafts- und Investitionstätigkeiten; nämlich Tätigkeiten, die zum Verlust und nicht zum Erhalt der Biodiversität und des Klimas beitragen. Doch angesichts sich verstärkender Dürreperioden, zunehmender Überschwemmungen und Waldbrände – Entwicklungen, die einher gehen mit der globalen Klimakrise – ist ein Umdenken gefragt. Regierungen, Wirtschaft und Finanzsektor müssen anfangen, sich dem Thema der naturpositiven Wirtschaft zu widmen und dem Biodiversitätsverlust ein Ende setzen. Der Verlust der Biodiversität und intakter Ökosystem geht nicht nur zu Lasten von Tieren und Pflanzen. Auch der Mensch ist betroffen, denn: „Alle Wirtschaftssektoren sind auf eine bestimmte Weise und 50 % sogar in hohem bzw. moderatem Maße von Biodiversität abhängig.“ heißt es in der Studie „Von Net Zero zu Nature Positive“.

Wie der Finanzsektor zum Biodiversitätsverlust beiträgt

Manch ein:e Leser:in fragt sich nun vielleicht: Nun gut, aber inwiefern verschuldet der Finanzsektor einen globalen Biodiversitätsverlust? Wir haben ein paar Beispiele gesammelt, wie der Finanzsektor Biodiversität negativ beeinflussen kann:

  • Finanzierung von umweltschädlichen Projekten: Banken und andere Finanzinstitute können Projekte finanzieren, die die Biodiversität negativ beeinflussen, wie z. B. den Bau von Staudämmen, die Rodung von Wäldern, den Abbau von Rohstoffen oder den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft.
  • Investitionen in Unternehmen, die Umweltschäden verursachen: Finanzinstitute können auch in Unternehmen investieren, die die Biodiversität beeinträchtigen, wie z. B. Unternehmen, die in der Fischerei-, Bergbau-, Öl- oder Gasindustrie tätig sind, oder Unternehmen, die Produkte herstellen, die die Umweltverschmutzung und den Verlust von Lebensräumen fördern. Man denke an die Rekordinvestitionen in Erdöl und -gas nach Beginn des Kriegs gegen die Ukraine im vergangenen Jahr.
  • Spekulation mit Agrarrohstoffen: Die Investition und Spekulation mit Agrarrohstoffen von Banken und anderen Finanzinstituten kann zu Preisschwankungen und damit verbundenen Umweltproblemen führen. Zum Beispiel können die Preisschwankungen von Soja den Anreiz erhöhen, neue Landflächen für den Sojaanbau zu erschließen, was zu Entwaldung und dem Verlust von Lebensräumen führen kann.

Zusammengefasst kann der Finanzsektor die Biodiversität immer dann negativ beeinflussen, wenn er nicht ausreichend auf Umweltaspekte achtet und Projekte finanziert oder in Unternehmen investiert, die umweltschädliche Praktiken anwenden oder die Biodiversität beeinträchtigen.

Biodiversitätsverluste nicht länger hinnehmen – Chancen für Finanzunternehmen

Die Bewahrung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen bietet der Finanzbranche gleichzeitig die Möglichkeit, neue Geschäftsfelder zu erschließen, innovative Produkte zu entwickeln, z. B. nachhaltige Anlagefonds oder Kooperationen einzugehen. Es gibt bereits zahlreiche Initiativen, die Unternehmen dabei unterstützen, Biodiversitätsaspekte in ihre Strategien, ihr Risikomanagement und ihre Geschäftsprozesse zu integrieren, z. B.

  • die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD),
  • das Science Based Targets Network (SBTN),
  • der Finance for Biodiversity Pledge (Erklärung des Finanzsektors zur Biodiversität),
  • Nature Action 100+,
  • die Partnership for Biodiversity Accounting Financials (PBAF) und
  • die UNEP Finance Initiative / PRI.

Indem Unternehmen Biodiversitätsfragen in ihre Geschäftspraktiken einbeziehen, können sie ihre Nachhaltigkeit verbessern und langfristige Vorteile erzielen, wie zum Beispiel eine verbesserte Beziehung zu ihren Stakeholdern, ein besseres Image und eine erhöhte Kund:innenbindung.
avesco hat sich mit 126 Unterzeichner:innen im Rahmen der Erklärung des Finanzsektors zur Biodiversität zusammengeschlossen, um ambitionierte Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt zu fordern und sich dazu zu verpflichten.

Was ist die Erklärung des Finanzsektors zur Biodiversität?

Die Erklärung des Finanzsektors zur Biodiversität ist eine Initiative, die im Jahr 2020 von einer Gruppe internationaler Finanzinstitutionen ins Leben gerufen wurde. Ziel dieser Erklärung ist es, den Beitrag des Finanzsektors zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu fördern.

Die Erklärung fordert die weltweit führenden Politiker auf, den Schutz und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt in ihre Finanzaktivitäten und Investitionsentscheidungen zu integrieren. Sie betont auch die Rolle der Finanzinstitute bei der Förderung nachhaltiger Praktiken in Unternehmen, die sie finanzieren.

Die Erklärung wurde von mehr als 120 Finanzinstituten aus 21 Ländern mit 18,8 Billionen Euro AuM (Assets under Management) unterzeichnet. Diese Verpflichtung ist Teil der Bemühungen der Finanzbranche, eine nachhaltigere Wirtschaft zu fördern und den Übergang zu einer kohlenstoffarmen, ressourceneffizienten und umweltverträglichen Wirtschaft zu unterstützen.

avesco ist Unterzeichnerin der Erklärung des Finanzsektors zur Biodiversität

Wir bei avesco sind der Ansicht, dass die Eindämmung und Umkehrung des Naturverlustes von entscheidender Bedeutung ist, um eine Netto-Null-Welt zu erreichen. Der Biodiversitätsverlust stellt ein erhebliches Problem dar und ist eine der größten Herausforderungen bei der Bewältigung des Klimawandels. Als Teil der Finanzbranche spielt avesco in diesem komplexen Ökosystem eine Rolle und auch wir möchten uns dieser Verantwortung stellen.

Mit einem klaren und robusten Rahmen für die biologische Vielfalt (Global Biodiversity Framework, GBF) als Ergebnis der COP15 verpflichtet sich avesco, als Teil eines größeren Ökosystems von Akteur:innen zu arbeiten, um sicherzustellen, dass der Rahmen in wirksame Maßnahmen umgesetzt wird und die Anreize und Instrumente bietet, um den Biodiversitätsverlust aufzuhalten und umzukehren. avesco wird innerhalb seiner eigenen Organisationen daran arbeiten, die Ziele des beschlossenen Naturabkommens bis 2050 umzusetzen. Dazu gehört beispielsweise

  • die Natur und biologische Vielfalt in Investitionsentscheidungen einzubeziehen,
  • von Beteiligungsgesellschaften eine angemessene Offenlegung naturbezogener Aspekte zu verlangen und
  • sich an gemeinsamen Initiativen zur Förderung von Bemühungen zu beteiligen.


Fazit: Insgesamt kann der Finanzsektor dazu beitragen, die Biodiversität unserer Welt zu erhalten und zu fördern, indem er Investitionen in umweltfreundliche Projekte tätigt, Finanzprodukte wie z. B. ökologische Geldanlagen entwickelt, die mit dem Schutz der Biodiversität verbunden sind, Umweltaspekte bei Investitionsentscheidungen berücksichtigt und eine nachhaltige Wirtschaft fördert. Initiativen wie beispielsweise die Finance for Biodiversity Foundation in Zusammenarbeit mit der PRI und der UNEP Finance Initiative (UNEP FI) mit ihrer Erklärung des Finanzsektors für Biodiversität unterstützen Unternehmen auf ihrem Weg hin zu einer naturpositiven Wirtschaft.

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