Ausblick auf Unternehmensanleihen 2026: Zunehmende Divergenz im Zuge des großen KI-Ausbaus
Die Anleihenmärkte könnten 2026 eine stärkere Streuung erleben – verstärkt durch den Ausbau der KI-Infrastruktur.02.02.2026 | 06:10 Uhr
Die Anleihenmärkte starten 2026 auf einer soliden Grundlage, gestützt durch robuste Unternehmensfundamentaldaten, erhöhte Renditen und relativ niedrige Ausfallraten. Gleichzeitig stehen Anleger angesichts enger Spreads vor Gegenwinden, und wir erwarten eine zunehmende Streuung an den Anleihenmärkten – verstärkt durch den groß angelegten Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI). Unserer Ansicht nach wird es in diesem sich wandelnden Umfeld wichtiger denn je sein, die Gewinner von morgen zu identifizieren, was die Bedeutung der Anleihenauswahl weiter erhöht.
Der KI-Ausbauboom hat begonnen
Das goldene Zeitalter der KI steht zwar noch bevor, doch die
Expansionsphase hat bereits begonnen, mit vielfältigen Auswirkungen für
Anleger im Bereich festverzinslicher Anlagen. Hyperskalierer – große
Anbieter von Cloud-Services und Infrastruktur – befinden sich in einem
Wettlauf um die Finanzierung von Trainings-Superclustern und global
verteilter Inferenzkapazität. Das Risiko – und der Kapitalverbrauch –
sind enorm. Glücklicherweise verfügen diese Technologieriesen über robuste Cashflows und starke Bilanzen,
die es ihnen ermöglichen, einen Teil dieser Finanzierung über den
Investment-Grade-Anleihemarkt aufzunehmen. Hyperskalierer decken zudem
den Bedarf an hochwertigen festverzinslichen Vermögenswerten und tragen
dazu bei, Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen.
Während Infrastrukturanbieter ihre Ausgaben für Rechenzentren,
Energieinfrastruktur und Netzwerke erhöhen, erwarten wir für 2026 eine
deutliche Ausweitung des Angebots im Investment-Grade-Bereich, wenn auch
auf einem innerhalb der öffentlichen Märkte gut handhabbaren Niveau. Zu
berücksichtigen ist, dass die fünf großen Hyperskalierer – Amazon,
Alphabet Inc., Apple, Meta Platforms und Microsoft – nahezu 20% des
breiteren Aktienmarktes ausmachen, jedoch lediglich 3,5% des
öffentlichen Investment-Grade-Markts. Das ist nicht nur auf die Größe
des Investment-Grade-Anleiheuniversums zurückzuführen, sondern auch auf
die wachsende Rolle von Private Credit bei der Bereitstellung
spezialisierter Finanzierungslösungen, die die öffentlichen Märkte nicht bereitstellen können – oder nicht bereitstellen wollen.
Darüber hinaus erfolgen einige KI-nahe Investitionen in Stromerzeugung
und Netzanbindung außerhalb des direkten Wirkungsbereichs der
Hyperskalierer.
Wir betrachten das Emissionswachstum im Zusammenhang mit KI,
insbesondere bei Investitionen in Energieerzeugung und Stromnetze,
sowohl als Chance als auch als potenzielle Quelle von Spannungen. Da
Privatkredite einen größeren Teil der Finanzierungslast tragen,
erwarten wir im kommenden Jahr keine Überschwemmung der öffentlichen
Anleihenmärkte mit Neuemissionen. Das dürfte die Belastung für den
öffentlichen Investment-Grade-Markt verringern.
Dennoch bestehen weiterhin Risiken in Form von Überkapazitäten,
unsicherer Nachfrage und sogenannten Stranded Assets. Glücklicherweise
sind diese Risiken dem aufmerksamen Blick des Marktes nicht entgangen.
Großkapitalisierte Technologieemittenten haben in den vergangenen
Monaten leicht hinter dem breiteren Investment-Grade-Markt
zurückgelegen, da Anleger den KI-Ausbau genauer unter die Lupe nehmen.
Unserer Ansicht nach handelt es sich dabei nicht um Stress, sondern um
den Beginn einer Einpreisung von Unsicherheit, was wir als gesund
erachten.
Streuung kann viele Formen annehmen
Wir sehen 2026 als ein Jahr der Divergenz, geprägt von nachlassenden Unternehmensfundamentaldaten und einer höheren Streuung, die durch KI noch verstärkt werden könnte. Das Investment-Grade-Universum, das zunehmend von gut kapitalisierten Hyperskalierern geprägt ist, verzeichnete in den vergangenen Jahren deutlich mehr Hochstufungen als Herabstufungen (Abbildung).
Umgekehrt könnten sich nachlassende Fundamentaldaten in stärker fremdfinanzierten Kapitalstrukturen bemerkbar machen, darunter bei Emittenten mit B- und CCC-Ratings. Im übrigen Hochzins-Universum sind wir vorsichtig im Hinblick auf mögliche Änderungen der Verschuldungspolitik zu Zwecken der Kapitalallokation oder für aggressivere M&A-Aktivitäten. Unserer Ansicht nach preist der Markt dieses Risiko nicht angemessen ein, was bessere Bonitäten für uns attraktiver macht. Wir gehen davon aus, dass der Schwerpunkt im Jahr 2026 bei BBBs und BBs liegen wird, also in einer Übergangszone zwischen Investment-Grade- und Hochzinsinvestments.
Aufgrund erhöhter Renditen und deutlich geringerer Ausfallrisiken waren Anleihen mit BB-Rating im vergangenen Jahr stabile Performer, ein Trend, den wir auch für 2026 erwarten. Für Anleger, die Hochzinsinvestments skeptisch gegenüberstehen, könnten BBBs eine attraktive Alternative darstellen. Tatsächlich bieten viele BBBs derzeit BB-ähnliche Renditen oder sogar höhere, wodurch sich Anleger in der vorteilhaften Situation befinden, für die Übernahme geringerer Risiken stärker entschädigt zu werden, insbesondere in den USA (Abbildung).
Gleichzeitig erwarten wir jedoch eine zunehmende Streuung selbst innerhalb der BBBs, sodass Anleger sich auf Anleihen konzentrieren sollten, bei denen das Herabstufungsrisiko bereits in den Bewertungen eingepreist ist. Unsere Bonitätsanalyse deutet auf ein relativ begrenztes Fallen-Angel-Risiko auf Indexebene hin. Die Marktpreisbildung signalisiert jedoch eine vorsichtigere Einschätzung, da eine spürbare Anzahl von Wertpapieren wie potenzielle Herabstufungskandidaten gehandelt wird.
Wohlfühlzone im mittleren Laufzeitenbereich (der Zinskurve)
KI-bezogene Investitionsausgaben haben auch Auswirkungen auf die
Zinskurve. Große globale Technologieplattformen begaben 2025
Investment-Grade-Anleihen im Volumen von mehr als 100 Milliarden
US-Dollar, wobei rund die Hälfte dieser Emissionen Laufzeiten von mehr
als zehn Jahren aufwies. Angesichts der aktuellen Bewertungen sind wir
besorgt über die Auswirkungen, die dieser Angebotsschub auf
längerfristige Investment-Grade-Spreads haben könnte, ebenso wie über
die Effekte höherer US-Defizitausgaben auf länger laufende
US-Staatsanleihen.
Während die jüngste Versteilung der Zinskurve von US-Staatsanleihen
Anleger dazu verleiten könnte, längere Laufzeiten einzugehen, sind wir
der Ansicht, dass Laufzeiten im mittleren Bereich eine genauere
Betrachtung verdienen. In unserer Analyse erscheint der mittlere Bereich
der Zinskurve aus drei Gründen attraktiv – relative Bewertung, Renditen
und Spreads (Abbildung). Kurz gesagt ist dies der Bereich, in
dem Anleger unserer Ansicht nach am besten für das eingegangene Risiko
entschädigt werden.
Auf den ersten Blick stellen enge Spreads das sprichwörtliche Haar in der Suppe dar, da sie Gegenwind für Anleihenerträge erzeugen könnten. Wir sind jedoch nicht der Ansicht, dass enge Spreads Anleger vom Engagement in Unternehmensanleihen abhalten sollten. Ein wesentlicher Teil der engen Spreads befindet sich am Ende der Zinskurve, und Spreads neigen dazu, nach einer Einengung in einer Bandbreite zu verharren (Abbildung). Darüber hinaus bleiben die Renditen sowohl im Investment-Grade- als auch im Hochszinssegment historisch hoch, was einen Puffer gegen Zinsvolatilität bieten dürfte, wobei die laufenden Kuponerträge einen Großteil der Ertragsarbeit leisten.
Die Marktpsychologie könnte im kommenden Jahr ebenfalls eine Rolle spielen. Potenzielle Deregulierung und eine Belebung der M&A-Aktivitäten könnten Risiken signalisieren, doch M&A startet von einem niedrigen Ausgangsniveau, und wir betrachten die aktuelle Finanzierungsstruktur weiterhin als gläubigerfreundlich.
Hyperskalierer schaffen eine offenbar robuste Angebots-Pipeline, doch es ist noch zu früh, KI als durchschlagenden Erfolg oder als kurz vor dem Platzen stehende Blase zu bezeichnen. Die Realität vor Ort ist differenzierter und umfasst sowohl Chancen als auch Bedenken. Glücklicherweise spiegeln Teile des Marktes diese Bedenken bereits wider, und wir erwarten, dass Phasen erhöhter Volatilität im Jahr 2026 attraktive Einstiegsmöglichkeiten für Anleger schaffen werden, die solche Verwerfungen nutzen können. Da sich die aufkommende KI-Epoche weiterhin entwickelt, dürfte das kommende Jahr Geduld und eine sorgfältige Anleihenauswahl erfordern, bis das Potenzial der KI umfassender realisiert ist.
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