apoBank: „Nahost-Krieg belastet Konjunkturindikatoren von ZEW und ifo: Stimmung kippt – Wachstum halbiert“
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft kippt spürbar – und mit ihr die Hoffnung auf einen kräftigen Aufschwung. Neue Konjunkturdaten und eskalierende geopolitische Risiken setzen die Erwartungen zunehmend unter Druck. Dr. Björn Ohl, Ökonom der apoBank, teilt dazu mit:23.04.2026 | 05:00 Uhr
„Die aktuellen Daten der ZEW-Konjunkturerwartungen sprechen
eine deutliche Sprache.
Der Krieg im Nahen Osten hat die Stimmung der Finanzprofis hinsichtlich der
wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands spürbar einbrechen lassen.
Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen für die
kommenden Monate haben sich im April deutlich abgeschwächt.
Die Konjunkturerwartungen sind sogar auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren
gefallen.
Auch für das am kommenden Freitag erwartete ifo-Geschäftsklima erwarten wir
eine erneute Eintrübung.
Wir gehen von einem weiteren Rückgang sowohl der Erwartungen als auch der
Lageeinschätzung gegenüber dem Vormonat aus.
Zudem sprechen die Details der ZEW-Umfrage dafür, dass sich die
Stimmungseintrübung über nahezu alle Branchen hinweg fortsetzt.
Auch wenn die wirtschaftspolitischen Impulse aus den USA nicht die
strukturellen Ursachen der deutschen Wachstumsschwäche sind, wirken sie
zunehmend belastend.
Nach den Zollerhebungen rund um den „Liberation Day“ vor gut einem Jahr bremst
nun der Krieg im Nahen Osten das Wachstum deutlich.
Wir haben unsere Wachstumsprognose für Deutschland in diesem Jahr deshalb auf
0,5 Prozent von zuvor 1,1 Prozent abgesenkt.
Das bedeutet zugleich, dass der bislang erwartete Aufschwung deutlich schwächer
ausfallen wird.
Nimmt man das faktische Nullwachstum der deutschen Wirtschaft in den
vergangenen Jahren als Maßstab, dann ist das Glas zwar immer noch halbvoll.
Doch mit jedem weiteren Tag anhaltender Belastungen durch die anhaltende
Blockade der Straße von Hormus steigen die wirtschaftlichen Kosten weiter an.
Das Bild ist daher klar: Das halbvolle Glas leert sich zunehmend.“