Anlagetrends 2026: „Favoritenwechsel auf der Aktienseite“

TiAM FundResearch hat Investment-Profis zu den großen Trends an den Kapitalmärkten in diesem Jahr befragt. Carsten Mumm, Chefvolkswirt beim Bankhaus Donner & Reuschel, zu den Chancen und Risiken für Anleger 2026.

19.01.2026 | 11:00 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM FundResearch: Welche übergeordneten Markt- und Konjunkturtrends werden aus Ihrer Sicht das Anlagejahr 2026 prägen, und was bedeutet das für Ihre Asset Allocation?

Carsten Mumm: Viele Staaten werden ihre Schulden deutlich ausweiten, um Investitionen zur Steigerung der Resilienz (bspw. in den Bereichen Verteidigung, Gesundheit, Infrastruktur, Bildung, Klimawandel, kritische Abhängigkeiten oder Demografie) zu finanzieren und gleichzeitig staatlichen Konsum nicht nennenswert einschränken zu müssen. Dadurch werden Wachstum und Inflation angekurbelt, während Notenbanken gleichzeitig mehr oder weniger offensichtlich an Unabhängigkeit verlieren (fiskalische Dominanz). Bei der Asset Allocation sollte daher ein stärkerer Fokus auf reale, inflationskompensierende Anlageklassen sowie Krypto-Assets gelegt werden.

TiAM FundResearch: Wo sehen Sie 2026 die attraktivsten Chancen – sei es regional, auf Ebene der Assetklassen oder bei Themen wie KI, Energiewende und Infrastruktur?

Carsten Mumm: Auf der Aktienseite rechnen wir mit einem Favoritenwechsel zugunsten zyklischer und defensiver Branchen – bspw. Industrie, Finanzen, Gesundheit – sowie Qualitätstiteln und einem geringeren Fokus auf die US-Hyperscaler. Gewinner dürften Unternehmen sein, die einerseits von staatlichen Aufträgen profitieren und zudem durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, Robotik und Automatisierung ihre Produktivität steigern können. Schwellenländeraktien und -anleihen sollten von sinkenden USD-Leitzinsen und einem tendenziell schwächeren Dollar profitieren.

TiAM FundResearch: Welche zentralen Risiken – etwa Inflation, Zinsen, politische Eingriffe oder geopolitische Konflikte – bereiten Ihnen für 2026 am meisten Sorge, und wie steuern Sie diese im Portfolio?

Carsten Mumm: Neben handels- und geopolitischen Risiken könnte die Auflösung von Yen-Carry-Trades, ausgelöst durch eine deutliche Yen-Aufwertung im Zuge steigender Zinsen in Japan, für zwischenzeitliche Rücksetzer sorgen. Zu stark steigende Zinsen im Segment der Staatsanleihen bei sehr unsolider staatlicher Haushaltsführung könnten in einzelnen Fällen für fiskalpolitisches Gegensteuern – bspw. Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen oder Regierungsrücktritte – und/oder geldpolitische Stützungsmaßnahmen sorgen. Die Steuerung auf taktischer Ebene birgt aufgrund teils kaum prognostizierbarer politischer Einflüsse Schwierigkeiten, weshalb wir uns stärker auf die Kombination möglichst unterschiedlicher Rendite-/Risikoprofile im Rahmen der strategischen Allokation fokussieren.

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