Anlagetrends 2026: „Europa bietet einzigartige Investmentchancen“

TiAM FundResearch hat Investment-Profis zu den großen Trends an den Kapitalmärkten in diesem Jahr befragt. Thomas Friedberger, stellvertretender CEO und Co-CIO von Tikehau Capital, zu den Chancen und Risiken für Anleger 2026.

23.01.2026 | 13:30 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM FundResearch: Welche übergeordneten Markt- und Konjunkturtrends werden aus Ihrer Sicht das Anlagejahr 2026 prägen, und was bedeutet das für Ihre Asset Allocation?

Thomas Friedberger 2026 dürfte vor allem von zwei Themen geprägt werden: Zum einen der Rivalität zwischen den USA und China, deren Entwicklung die globale Wirtschaftsdynamik potenziell grundlegend neugestalten könnte, und außerdem den Bemühungen Europas, seine Unabhängigkeit weiter voranzutreiben. Mit Blick auf die USA sind zudem die steigenden Staatsschulden und die Diskussion um die Rolle des US-Dollars als Leitwährung relevant.

TiAM FundResearch: Wo sehen Sie 2026 die attraktivsten Chancen – sei es regional, auf Ebene der Assetklassen oder bei Themen wie KI, Energiewende und Infrastruktur?

Thomas Friedberger Europa bietet in den kommenden Jahren einzigartige Investmentchancen in fast allen Anlageklassen, egal ob Private Credit, Private Equity, Aktien, Anleihen oder Real Assets. Von den zunehmenden europäischen Anstrengungen zur Unabhängigkeit sollten insbesondere die Sektoren Defense, Cybersecurity und Dekarbonisierung profitieren. Darüber hinaus sehen wir grundsätzlich großes Potenzial in Private Debt Secondaries sowie Value-add Real Estate und Real Estate Debt.

TiAM FundResearch: Welche zentralen Risiken – etwa Inflation, Zinsen, politische Eingriffe oder geopolitische Konflikte – bereiten Ihnen für 2026 am meisten Sorge, und wie steuern Sie diese im Portfolio?

Thomas Friedberger: Das Hauptrisiko besteht 2026 wahrscheinlich in einer zu großen Nachlässigkeit beim Investieren. Lockere Finanzierungsbedingungen, enge Kreditspreads und hohe Aktienbewertungen bei gleichzeitig begrenzten Spielräumen für eine Expansion der Bewertung sowie Druck auf die langfristigen Zinsen werden zu einer starken Streuung zwischen disziplinierten Anlegern und dem Rest führen. Ein weiteres Risiko für 2026 ist die Inflation: Der mit der Deglobalisierung und der fiskalischen Expansion zusammenhängende Inflationsdruck wurde durch niedrige Energiepreise und eine schwache chinesische Währung, welche die Deflation des Landes exportiert hat, gemildert. Ein Anstieg der Energiepreise und eine Neubewertung der unterbewerteten asiatischen Währungen Renminbi und Yen könnten dazu führen, dass sich diese deflationären Effekte abschwächen, sich der Druck auf die langfristigen Zinsen in den westlichen Ländern erhöht und die boomenden KI-Investitionen ins Stocken geraten.

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