Anlagetrends 2026: „Die größten Risiken sehen wir in politischen Ereignissen“

TiAM FundResearch hat Investment-Profis zu den großen Trends an den Kapitalmärkten in diesem Jahr befragt. Michael Titz, Leiter des Investment Office Bankhaus Herzogpark, zu den Chancen und Risiken für Anleger 2026.

21.01.2026 | 08:00 Uhr von «Peter Gewalt»

TiAM Fundresearch: Welche übergeordneten Markt- und Konjunkturtrends werden aus Ihrer Sicht das Anlagejahr 2026 prägen, und was bedeutet das für Ihre Asset Allocation?

Michael Titz: Schon der Jahresauftakt zeigt, dass 2026 von zahlreichen geopolitischen Themen sowie politischen Unsicherheiten rund um Donald Trump und die US-Zwischenwahlen geprägt sein dürfte. Gleichzeitig erwarten wir ein robustes globales Wirtschaftswachstum, das auch in Deutschland und der Eurozone – getragen von monetären Lockerungen und kräftigen fiskalischen Impulsen – positiv überraschen wird, allerdings bei steigender Inflationsgefahr. Vor diesem Hintergrund erscheint ein ausgewogener Ansatz mit sorgfältig ausgewählten Aktienengagements und einem Fokus auf mittlere Anleihelaufzeiten sinnvoll, ergänzt um renditestärkere Segmente wie Unternehmens-, Nachrang- und ausgewählte Schwellenländeranleihen.

TiAM Fundresearch: Wo sehen Sie 2026 die attraktivsten Chancen – sei es regional, auf Ebene der Assetklassen oder bei Themen wie KI, Energiewende und Infrastruktur?

Michael Titz: Die Zeit einfacher Narrative ist vorbei. Themen wie KI, Industrie, Infrastruktur, Energieversorgung bis hin zu Banken bleiben grundsätzlich relevant, werden jedoch zunehmend differenzierter und stärker nach wirtschaftlicher Tragfähigkeit sowie tatsächlicher Monetarisierung bewertet. Attraktive Chancen sehen wir am Aktienmarkt überall dort, wo solides Gewinnwachstum auf eine angemessene Bewertung trifft. Regional gilt dies 2026 weiterhin für Europa, Japan und ausgewählte Schwellenländer. Branchenseitig erscheint es sinnvoll, Portfolios neben aussichtsreichen US-Wachstumstiteln und den „Zukunftsbranchen“ gezielt um defensive Aktien, vernachlässigte Nachzügler und Nebenwerte zu ergänzen. Auf der Anleiheseite bieten insbesondere Unternehmensanleihen, inflationsgeschützte Papiere sowie ausgewählte Renditesegmente (z.B. Nachranganleihen oder Schwellenländeranleihen in Lokalwährung) attraktive Ertrags- und Diversifikationschancen. Gold bleibt als Krisenabsicherung sinnvoll, während hochvolatile Anlagen wie Bitcoin eher als zyklisches Risikoasset einzuordnen sind und von uns gemieden werden.


TiAM Fundresearch: Welche zentralen Risiken – etwa Inflation, Zinsen, politische Eingriffe oder geopolitische Konflikte – bereiten Ihnen für 2026 am meisten Sorge, und wie steuern Sie diese im Portfolio?

Michael Titz: Die größten Risiken sehen wir in politischen Ereignissen, einem möglichen Wiederanziehen der Inflation sowie erhöhten Marktschwankungen im Umfeld der US-Zwischenwahlen, die statistisch typisch für solche Jahre sind. Gesteuert werden diese Risiken durch breite Diversifikation, die konsequente Begrenzung von Konzentrationsrisiken, eine bewusste Durationssteuerung auf der Anleiheseite sowie taktische Anpassungen auf Basis jahrelang bewährter Sentiment- und Bewertungsindikatoren.

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