11.11.2014 | 09:32

Vermögensaufbau ohne Sicherheitsnetz: Der Max Otte Vermögensbildungsfonds

von Harald Braml, FondsConsult Research AG

Wer Vermögen aufbauen möchte, hat in der Regel einen Anlagehorizont von deutlich mehr als 10 Jahren. Dafür prädestiniert sind Value-Titel, die ihr - teilweise sehr hohes - Potential gerade über einen langen Zeitraum ausspielen können. Der „Max Otte Vermögensbildungsfonds“ verspricht nicht zuletzt durch die Namensgebung genau diese Ansprüche erfüllen zu können. Aber wie schlägt sich der noch recht junge Fonds? Und bietet er auch das, was sein Name verspricht?

Der Max Otte Vermögensbildungsfonds (ISIN: DE000A1J3AM3) wurde am 01.07.2013 aufgelegt und verfügt zum 31.10.2014 über ein Volumen von ca. 89 Mio. EUR. Bei der Allokation hält sich das Fondsmanagement alle Optionen offen: Es kann jeweils zwischen 0 und 100% in Aktien, Renten oder Kasse investiert werden. Auch Derivate sind nicht ausgeschlossen. Auf der Aktienseite liegt der Fokus größtenteils auf Value-Titeln mit einem äußerst niedrigen Preis-Buch-Verhältnis.

Die vergangenen Wochen waren die turbulentesten, die der Fonds in seiner noch jungen Historie zu durchschreiten hatte.

Max Otte Vermögensbildungsfonds vs. iShares MSCI World (kumulierte Tagesrenditen)

Max Otte Vermögensbildungsfonds vs. iShares MSCI World (Monatsrenditen)

Im Betrachtungszeitraum musste der Fonds einen Rückgang um 7,4% verkraften. Im Vergleich dazu konnte der MSCI World um 8% zulegen. Beim Blick auf den Chart lässt sich feststellen, dass der Fonds an der Markterholung ab Mitte Oktober nicht partizipieren konnte und den Verlust eingeloggt hat. Ein Blick in das Portfolio verrät auch warum: So gehören die Goldminen Barrick Gold und Kinross zu den größeren Positionen. Auch andere Rohstoffminen befinden sich im Portfolio. Der Fonds ist ebenfalls in den Emerging Markets engagiert. Zu den weniger erfolgreichen Investments in diesem Jahre gehört in jedem Fall Russland. Dort schnitten Titel wie Gazprom oder Sberbank schwach ab. Weiterhin ist die Allokation von Banken aus den Peripherieländern auffällig. Zu den Titeln gehören Banco Espirito Santo (insolvent), Banco Monte dei Paschi di Siena (höchster Kapitalbedarf laut EZB-Stresstest), Eurobank Ergasias (griechische Bank) und noch eine ganze Handvoll mehr solcher Namen. All diese Titel weisen ein außergewöhnlich niedriges Preis-Buch-Verhältnis auf. Wenn man sich diese Titel jedoch vor dem aktuellen wirtschaftlichen und politischen Hintergrund ansieht, mag man möglicherweise zu dem Schluss kommen, dass die Bewertungen durchaus gerechtfertigt sind und es sich eben nicht um Value, sondern „Value Traps“ handelt. Ein Unterschied, der nicht immer klar zu erkennen ist.

So düster dieses Bild nun erscheinen mag, lohnt sich ein Blick auf die lange Frist. Der PI Global Value (ISIN: LI0034492384), welcher ebenfalls nach der Max-Otte-Königsanalyse gemanagt wird (Portfolioüberschneidung mit dem Otte-Fonds Ende September: 69%), verfügt über einen Track Record der bis ins Jahr 2008 zurückreicht.

Max Otte Vermögensbildungsfonds vs. PI Global Value (kumulierte Tagesrenditen)

PI Global Value vs. iShares MSCI World (kumulierte Monatsrenditen)

Der eigentlich größte Unterschied zwischen den beiden Fonds ist wohl der Name. Den Begriff „Vermögensbildung“ verbinden wohl viele Anleger mit stetigen Erträgen und temporär moderaten Verlusten. Beim Otte Vermögensbildungsfonds hat man es aber unter Umständen mit einer hohen Volatilität und schmerzhaften Drawdowns zu tun. Klar ist, wer einen sehr langen Anlagehorizont aufweist und die zwischenzeitlichen Drawdowns verkraften kann, der hat mit Value Fonds die Möglichkeit, langfristig attraktive Renditen zu erwirtschaften. Es bleibt nur zu hoffen, dass auch beim Otte Vermögensbildungsfonds Chancen und Risiken noch im Einklang miteinander stehen und keine „Value Trap“ vorliegt.

Bildquellen: FINANZEN FundAnalyzer (FVBS), FundResearch-Fondstool

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

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Harald Braml

Harald Braml

Harald Braml betreut bei der FondsConsult Research AG als Analyst die Bereiche Multi-Asset Fonds und ETFs. Zuvor sammelte er praktische Erfahrung im Investment Banking und Private Equity. Sein Studium absolvierte er an der LMU München in VWL sowie an der Humboldt Universität zu Berlin in BWL. Er ist CFA Charterholder.

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