02.05.2013 | 19:25

Wie nachhaltig ist die „Low Volatility“ Anomalie?

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

Die massive Outperformance von „low volatility“ („low risk”) Aktien und den entsprechenden Fonds in den letzten 15 Jahren, wirft einige Fragen auf. Stellt sie doch eines der Paradigmen der Finanzmarktheorie überhaupt in Frage: „Wer mehr Rendite will, muss auch mehr Risiko eingehen“. Unter anderem aus der Verhaltensökonomik („Behavioral Finance“) gibt es aber Erklärungsansätze, warum es sich hierbei tatsächlich um eine nachhaltige Anomalie handeln könnte:

  • Investoren orientieren sich mehrheitlich an Benchmarks. Ein konsequent umgesetztes „low risk“ Portfolio hat einen hohen Tracking Error und ist für Manager mit strikten Vorgaben mehrheitlich nicht umsetzbar.
  • Aktien mit hoher Volatilität versprechen in der Theorie einen höheren Gewinn, weshalb Anleger bereit sind eine höhere Prämie zu bezahlen („Lotterie“) => Überbewertung volatiler Aktien.
  • Investoren können/wollen in der Regel keinen Leverage einsetzen. Risikoreichere Aktien dienen daher als Ersatz („leverage aversion“).
  • Für Portfolio-Manager zahlt sich Outperformance vor allem in Bullenmärkten aus => risikoreichere Aktien werden bevorzugt.

Andererseits deutet die Vielzahl der in den letzten Jahren aufgelegten „low risk“- Produkte darauf hin, dass der Markt die Anomalie bereits umfassend ausbeutet. Dies spiegelt sich auch in den Bewertungsniveaus wider (siehe: „Der Qualitäts-Hype“).

Und dann gilt vielleicht erneut: historisch überdurchschnittliche Renditen können in der Regel dann nicht mehr wiederholt werden, wenn die „Masse der Investoren" auf sie aufmerksam geworden ist.

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Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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