28.06.2013 | 15:30

Mini-Crash bei „Risk Parity“: Was jetzt?

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

Viele Kritiker von “Risk Parity” dürften aufgrund der teilweise zweistelligen Verluste einiger Fonds seit Mai eine gewisse Genugtuung nicht verbergen können. Nun stellt sich allerdings schon die Frage, ob auf einmal „alles schlecht“ ist, was jahrelang wunderbar funktioniert hat. Die Risiken des Ansatzes (u.a. hohe Abhängigkeit vom Rentenmarkt, Hebel) wurden auch an dieser Stelle schon ausführlich dargelegt (Ist die Zeit von „Risk Parity“ abgelaufen?).

In ihrer ursprünglichen Form sind risikogleichgewichtete Ansätze ausschließlich „long“ positioniert, um somit kontinuierlich Risikoprämien am Aktien-, Rohstoff-, Renten- oder Geldmarkt abschöpfen zu können. Geht die Korrelation quasi aller Märkte aber gegen 1, was wie im laufenden Monat vor allem in fallenden Märkten passiert, verschwindet der natürliche Diversifikationseffekt des Ansatzes. Die Verluste in allen Anlageklassen summieren sich und führen zu einem entsprechend hohen Drawdown.

Der teilweise massive Hebel im Rentenmarkt, der aufgrund der seit Anfang Mai steigenden Renditen die Performance belastet, ist nicht per se zu verurteilen. Folgt man der Theorie der „Leverage Aversion“, kann oder will ein Großteil der Anleger in der Regel gar keinen Leverage aufbauen. Diese Anleger flüchten sich zwangsläufig in riskantere Anlagen (impliziter Leverage), deren Chance-Risiko-Verhältnis aber oftmals suboptimal ist. Dieses mögliche Ungleichgewicht kann „Risk Parity“ durch das Hebeln von eigentlich risikoärmeren Assets (Renten) ausnutzen und so aus Chance-Risiko-Gesichtspunkten ein „optimaleres“ Portfolio abbilden.

Dies gilt aber natürlich nicht uneingeschränkt. Vergleichbar ist die Situation mit der Wertentwicklung der EM relativ zu den entwickelten Volkswirtschaften. Diese performen auch nicht jedes Jahr besser, nur weil das Wirtschaftswachstum höher ist (Emerging-Markets: Wachstum ist nicht alles). Vor allem das aktuelle Bewertungsniveau spielt eine wichtige Rolle. Und genau diese Problematik trifft bzgl. des Rentenmarktes auch auf „Risk Parity“ zu. Durch die stetig fallenden Renditen hat sich hier ein Ungleichgewicht (Blase?) gebildet, das bei den klassischen „Risk Parity“-Ansätzen zu einem asymmetrischen Chance-Risiko-Profil geführt hat.

Mögliche Einstiegs- wie Ausstiegszeitpunkte hängen also vor allem davon ab, welche Erwartungen man als (potenzieller) Investor bzgl. der aktuellen Bewertung der Anleihemärkte hat und wie viel Puffer- bzw. Diversifikationspotenzial man dem Rententeil bei volatilen Aktien- und Rohstoffmärkten künftig zubilligt. Dies trifft aber auch auf den klassischen Mischfonds zu.

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Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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