03.12.2013 | 16:50

Amundi Vola-Fonds: Performance- oder Sinnkrise?

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

Wer Absicherungsstrategien zur Diversifikation in sein Portfolio aufnimmt, sieht sich stets mit der Problematik der „Carry Kosten“ konfrontiert. Wie lange und in welcher Höhe bin ich bereit für eine „Versicherung“ zu bezahlen, wenn nicht absehbar ist, wann ein Schadensfall eintreten könnte?

Eines der beliebtesten Absicherungsprodukte der letzten Jahre ist der Amundi Absolute Volatility Euro Equities (ISIN: LU0272941971), der beispielsweise von Januar 2008 bis März 2009 ca. 25% zulegen konnte, während der EURO STOXX 50 im gleichen Zeitraum 50% verlor.

Im laufenden Jahr steht der Fonds dagegen (zum Stichtag 31.10.2013) bei ca. -9%, während der EURO STOXX 50 einen Zuwachs von 15% verzeichnen konnte.

Amundi Absolute Volatility Euro Equities AE (C) vs. Euro Stoxx 50 (Perf. Index)
Amundi Vola-Fonds vs. DJ Euro Stoxx 50 Perf.
Quelle: FINANZEN FundAnalyzer (FVBS)

Was macht der Fonds eigentlich?

Investiert wird in die 1-jährige implizite (erwartete) Volatilität des EuroStoxx 50. Der Ansatz fußt auf der Beobachtung, dass die Volatilität langfristig zu ihrem Mittelwert strebt ("mean reversion"). Der Fonds profitiert daher durch eine eigens konstruierte Indexierung (Hebel) immer dann, wenn die Volatilität sich diesem Mittelwert annähert, d.h. von einem niedrigen Niveau aus steigt oder von einem hohen Niveau aus fällt. Mit steigender Entfernung vom Mittelwert, steigt ebenfalls die potenzielle Intensität mit der die Volatilität zu diesem zurückkehrt. Dem entsprechend ist der verwendete Hebel umso größer, je weiter sich die Volatilität von ihrem historischen Mittelwert entfernt hat.

Warum funktioniert der Fonds aktuell nicht?

Das Problem im aktuellen „risk off“ Marktumfeld ist, dass zum einen die realisierte Volatilität kontinuierlich unterhalb der impliziten Volatilität liegt („cost of carry“) und zum anderen durch die Steilheit der Volatilitätskurve im entsprechenden Laufzeitenbereich die Rollkosten die Performance belasten.

Wann wird der Fonds wieder performen?

Das ist leider unmöglich vorherzusagen. Verharrt der Markt auch in den kommenden Monaten auf historisch niedrigen Volatilitätsniveaus, ohne zwischenzeitliche „Volaspitzen“, wird der Fonds weiterhin Probleme haben. Kommt es dagegen zu einem deutlichen Volatilitätsanstieg, wird der Fonds davon profitieren. Ob dies aber ausreicht, um die zuvor erlittenen Verluste zu kompensieren, ist nicht abzuschätzen. Zumal ja durchaus die Möglichkeit besteht, dass 2008/2009 ein „positiver Ausreißer“ für den Ansatz war.

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

2017-08-02 16:18

Kommentar #1

Harry Röder

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrem Artikel vom 03.12.2013 haben Sie begründet, warum der auf die Ausnutzung von Volatilitäten ausgerichtete Fonds "Amundi Funds Absolute Volatility Euro Equities AE (C)" sich nicht wie erwartet entwickelt.

Bis vor etwa einem Jahr hat er sich zumindest leicht-spiegelbildlich zur DAX-Entwicklung verhalten.So konnte er als Teilabsicherung gegen Kursverluste dienen. Nunmehr fällt der Anteilswert auch, wenn der DAX fällt.

Warum ist das so? Gilt Ihre Begründung nach wie vor?

Freundliche Grüße

Harry Röder

2017-08-02 16:21

Antwort

Jan Richter, FondsConsult Research

Sehr geehrter Herr Röder,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Die seinerzeitig getätigten Aussagen gelten nach wie vor. Der Amundi Vola-Fonds investiert in die 1-jährige implizite Volatilität des Euro Stoxx Index. Diese eher längerfristige Volatilität ist weniger reagibel als die kurzfristigen Volatilitäten, auf die in den Medien häufig Bezug genommen wird (bspw. VDax, VStoxx, VIX). Ein signifikanter Anstieg der langfristigen Volatilität, und somit auch des Anteilspreises des Amundi-Fonds, bedarf eines länger anhaltenden negativen Marktumfelds.

Grundsätzlich sollte zwischen Fonds und Aktienmarkt (Euro Stoxx Index) eine negative Korrelation vorherrschen. Sehr kurzfristig können aber auch andere Faktoren größeren Einfluss auf den Fondspreis haben (Rollverluste aufgrund steiler Volatilitätskurven, Abstand der realisierten Vola vs. impliziten Vola, usw.).

Mit freundlichen Grüßen

Kind regards Jan Richter, CFA
Senior Analyst

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Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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