19.06.2017 | 12:30 Uhr

Euro-Roundtable: Was MIFID II für den Vertrieb bedeutet

Euro-Roundtable: Was MIFID II für den Vertrieb bedeutet
Andrej Brodnik, Jupiter AM; Markus Lange, KPMG; Martin Dilg, AB Funds; Karl-Josef Schneiders, Credit Suisse AM (von links)

€uro-Roundtable in Berlin. Thema Regulierung – insbesondere MifiD II. Wie weit sind die internationalen Leader der Fondsgesellschaften – was ist noch zu tun bis Januar 2018 – wird die Welt für den Fondsvertrieb künftig anders aussehen? Teil 1 eines FundResearch-Specials in drei Teilen.

MiFID Regulierung Sales

Termin im Hotel Adlon, Berlin: Klimaanlage, Coca-Cola mit Zitrone, illy-Espresso und perfekt temperiertes Mineralwasser. Dr. Markus Lange, Partner und MiFID-Experte der Unternehmensberatung KPMG, moderiert den €uro-Roundtable.

Foto: Andrej Brodnik, Head Continental Europe, Jupiter AM; Dr. Markus Lange, Partner KPMG; Dr. Martin Dilg, Head Wholesale Central Europe AB Funds; Karl-Josef Schneiders, CEO AM Germany, Credit Suisse (von links). Zugeschaltet sind: Werner Kolitsch, Head of Germany and Austria bei M&G sowie Uwe Diehl, Country-Head Wholesale, AXA-IM.

Lange: Wie gehen Sie momentan mit dem Thema MiFID II um. Wie ist der Stand in Ihren Unternehmen?

Brodnik: Ich arbeite für eine britische KVG, viele Themen, die jetzt in Deutschland kommen, wurden dort bereits vor einigen Jahren umgesetzt. Natürlich haben wir übergreifende Arbeitsgruppen gebildet, in denen internationale Experten arbeiten. So sind unsere Clean-Share-Klassen (Fondstranchen ohne Provisionen, die Red.) bereits fertig, an den geforderten Zielmarktdefinitionen arbeiten wir seit einiger Zeit und sind dort sehr weit.

Dilg: Bei uns ist der Stand ähnlich. Aber klar, wir haben noch ein paar Hausaufgaben zu machen. Zusammen mit unseren Kollegen in den Headquartern in den USA und London haben wir inzwischen zehn unterschiedliche Arbeitsgruppen gebildet. Ganz grundsätzlich: In einigen Feldern sind die Vorgaben durch die Regulierer m.E. aber noch etwas zu dünn…

Lange: …wieso – im Wesentlichen herrscht doch durch die Konkretisierungen der ESMA und der BaFin mittlerweile relativ viel Klarheit?

Dilg: Das mag sein. Aber das Problem ist doch, dass die Vorgaben nicht so klar sind, dass Sie von allen Beteiligten identisch ausgelegt werden. Wir warten noch auf Details zu der genauen Umsetzung oder Interpretation in den einzelnen Ländern.

Brodnik: Ja, das ist richtig. Während wir in Produktentwicklung und Vertrieb z.B. künftig Produkt A zu einem bestimmten Zeitpunkt interessant finden, kann es sein, dass z.B. die Commerzbank oder die Sparkasse dies wegen MiFID II ganz anders sieht – und nicht etwa aufgrund der Märkte oder der spezifischen Produkteigenschaften.

Schneiders: Credit Suisse ist ja ein Unternehmen, das weltweit aufgestellt ist, seinen Stammsitz aber in Zürich hat. Die Schweiz hat sich den MIFID-Regeln schnell angeschlossen. Insofern sind auch wir bereits relativ weit mit der Umsetzung. So ist die Produktion der neuen PRIPS und KIIDS bereits in die Prozesse integriert, so dass wir diese rechtzeitig bereit stellen werden.

Kolitsch: Meiner Ansicht nach wird MiFID II tief in die Beziehung zwischen Anleger und Finanzdienstleister eingreifen. Die Änderungen werden zwangsläufig zu Neuorientierungen der Geschäftsmodelle von Banken, Vermögensverwaltern und Beratern führen.  M&G als britisches Haus ist ebenfalls weit mit den Vorbereitungen. Bei dem Thema Zielmarktbestimmung arbeiten wir eng mit unseren Distributoren und dem BVI zusammen, so dass wir in der Lage sein werden, unseren Partnern Lösungen anzubieten.

Diehl: Bei der AXA-IM-Gruppe wurde ein globales Projekt aufgesetzt, welches sich im Moment in der Implementierungsphase in den einzelnen betroffenen Ländern befindet. Die Umsetzungsarbeiten befinden sich in der geplanten Zeitstrecke.

Lange: Können Sie schon sagen, in welche Richtung Ihre Lösungen gehen?

Kolitsch: Unter anderem sind das Multi-Asset-Lösungen, die den Vermögensverwaltern, Beratern und Investoren das Problem einer auch individuell geeigneten Asset-Allokation bieten können. Aber das ist nicht alles. Selbstverständlich müssen auch Clean-Share-Klassen zur Verfügung stehen.

Dilg: Multi-Asset-Lösungen standen bei AllianceBernstein in Europa in der Vergangenheit nicht im Vordergrund. Das wird sich aber künftig ändern: Problemlösungen dieser Art werden durch MifID II verstärkt gefragt sein und solche Produkte haben wir. Generell gilt aber: Qualität hat ihren Preis. Wir setzen in unserem Unternehmen aufwändige Research- und Analyseprozesse ein, die es erlauben, ein klar definiertes Investitionsziel umzusetzen.

Diehl: Sowohl die meisten unserer Partner mit ihren Vertriebsmodellen und Produktpaletten als auch wir mit unseren Angeboten haben uns schon seit geraumer Zeit an diese neue Welt angepasst und Lösungen und Prozesse installiert, die einen nahtlosen Übergang sicherstellen sollten.

Lange: Zuwendungen dürfen unter MiFID II in der Finanzportfolioverwaltung nur noch angenommen und behalten werden, wenn sie nichtmonetär und geringfügig sind. Ist das ein Problem im Vertrieb?

Kolitsch: Eher nein. Feelgood-Veranstaltungen sind schon länger passé. Die Information über Produkte und Dienstleistungen sollte immer im Vordergrund stehen.

Schneiders: Das bewerte ich auch so…

Brodnik: D’accord.

Diehl: Wir planen aktiv keine Veranstaltungen, stehen jedoch mit unseren Vertriebspartnern in Kontakt, um bei Bedarf deren Bemühungen und Veranstaltungen ggf. zu unterstützen.

Lange: Ein großes Thema ist in diesem Zusammenhang die Qualitätsverbesserung für den Kunden, die in der Delegierten Richtlinie der EU-Kommission und jetzt in der deutschen Umsetzung (neu gefasste WpDVerOV) näher spezifiziert wird. Das spielt bei den Lösungen für den Vertrieb welche Rolle?

Brodnik: Als aktive Manager müssen wir einfach Mehrwert schaffen. Ich denke auch, dass Multi-Asset-Ansätze in der Form, die nicht durch ETFs abgedeckt werden können, nachgefragt sein werden. Denken wir mal ein paar Jahre zurück, als z.B. Investments in Korea angesagt waren. Die Berater haben dann die für ihre Kunden besten Korea-Fonds selektiert. Dies wird es so unter MifID II eher nicht mehr geben.

Schneiders: Hier sprechen wir ein grundsätzliches Problem in Deutschland an: Das Manko, dass sich viele Anleger- und Investorengruppen zu wenig für Investmentfonds interessieren. Werden neue Autos gekauft, wird zunächst einmal sehr aufwändig verglichen, konfiguriert und analysiert. Bei Fonds ist dies oft nicht der Fall – was in vielen angelsächsischen Ländern tatsächlich anders ist.

DIF

Lesen Sie in Teil 2, morgen hier: Wie die Fondsgesellschaften das Thema MIFID II strategisch bewerten. Wie gehen die Top-Profis mit der Herausforderung passiver Instrumente um? 

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