19.01.2016 | 14:32 Uhr

Stiftung Warentest: Banken beraten oft schlecht

Stiftung Warentest: Banken beraten oft schlecht
Wie gut beraten Banken und Sparkassen ihre Kunden?, fragt die Stiftung Warentest.

Wie gut beraten Banken und Sparkassen ihre Kunden? Dieser Frage ging die Stiftung Warentest in einer Untersuchung nach. Das Ergebnis offenbart viel Verbesserungsbedarf.

Anlageberatung Banken

Die Mehrheit der Sparer und Anleger lässt sich nach wie vor gerne von ihrer Bank über Anlageentscheidungen und Finanzprodukte beraten. Doch wie gut ist diese Beratung? Diese Frage stellte sich die Stiftung Warentest. Zur Untersuchung schickte die Stiftung Tester zu insgesamt 160 verdeckten Testberatungen über Anlageprodukte bei Banken und Sparkassen. Die Tester gaben an 45.000 Euro für zehn Jahre anlegen zu wollen. Sie waren zudem bereit, einen Teil des Geldes mit etwas Risiko zu investieren. Bei Bedarf sollte das Kapital jedoch schnell verfügbar sein. Im Umgang mit Aktien zeigten sie keine Erfahrung. 

Das Ergebnis: Von 23 Kreditinstituten erhielten drei (Frankfurter Volksbank, die Sparda-Bank Berlin und die Nassauische Sparkasse) für ihre Beratung das Qualitätsurteil „gut“, keine einzige „sehr gut“. Immerhin, die Ergebnisse stellen eine leichte Verbesserung dar: Die beste Note in der Vorgängerstudie 2010 war ein „befriedigend“. Nichtsdestotrotz scheint der Nachholbedarf in Sachen Beratung immer noch groß: 13 Banken und Sparkassen schnitten in der aktuellen Studie mit „befriedigend“ ab (darunter die Commerzbank, Deutsche Bank und Targobank) und fünf erhielten ein „ausreichend“ (darunter die Postbank, welche in drei von sieben Beratungsgesprächen viel zu riskante Anlagevorschläge gemacht haben soll). Die Hannoversche Volksbank und die Hypovereinsbank wurden mit „mangelhaft“ bewertet. Die Hypovereinsbank beispielsweise soll mehrmals hauseigene und teure Produkte, die obendrein nicht zum Kundenwunsch passten, empfohlen haben.

Die Ergebnisse decken sich mit einer Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Ende 2015 stellte der Verband fest, dass 95 Prozent der bewerteten Anlagevorschläge von Banken und Finanzvertrieben, die Verbraucher mit in die Altersvorsorgeberatung der Verbraucherzentralen gebracht hatten, nicht im besten Kundeninteresse waren. „Private Altersvorsorge und Vermögensaufbau scheitern oft an der schlechten Beratungsqualität“, bemerkt Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband. „Die Beratung muss endlich so organisiert werden, dass Verbraucher die Empfehlungen erhalten, die zu ihrem Bedarf passen.“

Auch Stephan Kühnlenz, Leiter der Stiftung-Warentest-Studie, äußert sich kritisch: „Gute Anlageberatung ist immer noch Mangelware. Viel zu oft versorgen Berater ihre Kunden mit falschen Produkten, die nicht zum Anlageprofil passen. Dieses Problem der Finanzkrise ist bis heute nicht beseitigt.“ Grobe Beratungsfehler seien jedoch kaum auf das Unvermögen der Berater zurückzuführen, „sondern eher darauf, dass sie Produkte verkaufen müssen, die viele Provisionen bringen“, ergänzt der Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“, Heinz Landwehr. 

Beratungsprotokolle nicht selbstverständlich

Beratungsprotokolle sind seit etwa fünf Jahren gesetzliche Vorschrift.  In dem Protokoll müssen unter anderem Ziel, Zweck, Dauer der Geld¬anlagen sowie die Risiko¬bereitschaft des Kunden erfasst werden. Der Test offenbart jedoch, dass einige Banken gegen die Protokoll¬pflicht verstoßen: Die Kreissparkasse Köln, die Baden-Württem¬bergische Bank und die Sparkasse Leipzig über¬gaben jeweils in drei von sieben Fällen kein Protokoll. Dafür gab es einen Abzug um eine ganze Note.

(TL)

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