08.08.2017 | 13:59 Uhr

MifiD II: Steigende Kosten und das Researchproblem

MifiD II: Steigende Kosten und das Researchproblem
MiFID II ist an der Wall Street ein akutes Thema (Foto: pixabay)

Experten fürchten Umsatzeinbrüche und steigende Kosten für Endkunden durch kollidierende Finanzmarktregelungen in den USA und Europa.

MiFID

MiFID II ist eigentlich eine europäische Regelung, die festlegt, wie Händler, Broker, Analysten und Fondsmanager interagieren können. Allerdings erstreckt sich ihr Einfluss bis weit über die Grenzen des alten Kontinents: In der US-Fondsbranche gibt es momentan Unsicherheiten, welche Konsequenzen die MiFID II-Regelung für sie haben wird. Im Zentrum der steht das Thema Research und Analyse. MifID II sieht vor, dass europäische Assetmanager konkrete Budgets für Research, das von Banken oder Wertpapierhändlern eingekauft wird, festlegen und Researchausgaben explizit ausweisen.

Bisher waren diese Leistungen für viele Assetmanager mit keinen Kosten verbunden. Bezahlt wurden die Dienste letztlich über Gebührenaufschläge von den Endkunden. Das soll sich jetzt ändern: Europäische Investmentfirmen werden am Anfang 2018 verpflichtet, offiziell fürs Research zu zahlen. Das würde dann zwar letztlich auch der Endkunde bezahlen. Zumindest aber wüsste er dies dann. 

US-Broker laufen Sturm
Diese Vorschrift kollidiert jedoch mit den Bestimmungen in den USA: Hier dürfen nur solche Wertpapierhändler Research verkaufen, die sich offiziell als Investment-Berater registriert haben. Theoretisch könnten europäische Firmen aufgrund ihrer Verpflichtung zur direkten Zahlung also keine Researchstudien von US-Brokern - die keine Zahlungen annehmen dürfen - mehr beziehen.

Zahlreiche Broker fürchten daher einen Umsatzeinbruch. Ronald Kruszewski, Vorstand des US-Brokers Stifel Financial sagte der “Financial Times”: “This is a European regulation that could negatively impact US capital markets”.  Paul Reilly, CEO  des Research Hauses Raymond James, geht davon aus, dass sein Umsatz einbrechen wird: “I don’t know how significant it will be, given our revenue mix, but it’s certainly not a positive”. US-Broker und -Assetmanager laufen nun bereits bei der SEC Sturm, um die Kostenfreiheit für zwangsweise europäische Kunden zu kippen. Eine Entscheidung der Behörde wird für den kommenden Herbst erwartet. 

Kreative Alternativen
Um die rechtlichen Konsequenzen der Regulierung zu umgehen, benutzen einige Broker ein – in den USA legales – Schneeballsystem, um für die Research bezahlt zu werden. Einer nicht repräsentativen Umfrage der Investmentberatung “Zeno Associates” zufolge, benutzen 13 von 17 befragten Assetmanagern andere Zahlungen, um die Researchkosten der Broker oder Banken zu decken. Andere Unternehmen sind dazu übergegangen, die Kosten eigenständig zu tragen und sie nicht weiter zu geben. Auf diesem Weg kann zumindest der bürokratische Aufwand einer Researchbudgetierung vermieden werden. Klar ist dennoch: Research kostet Geld: Joe Linhares, Head of Europe, Middle East Africa beim Fondsanbieter Russel Investments, sieht darin das Modell der Zukunft: „I really do believe that asset managers will end up absorbing that cost“, so der Manager zur FT. 

 

(DW)

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