25.11.2015 | 10:09 Uhr

„Schlüsselrisiken 2016 abhängig von Geldpolitik der Fed“

„Schlüsselrisiken 2016 abhängig von Geldpolitik der Fed“
Pieter Jansen

Pieter Jansen, Senior Investment Analyst bei NN Investment Partners, wirft im Gespräch mit FundResearch einen Blick gen 2016. Er erklärt, warum die Themen Geldpolitik und Emerging Markets auch im kommenden Jahr zu den zentralen Themen gehören werden und wo für ihn die größten Risiken liegen.

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FundResearch: Welche Themen aus 2015 begleiten uns auch 2016?

Pieter Jansen: Zwei der zentralen Themen von 2015 werden auch 2016 präsent sein. Zunächst liegt nach wie vor der Fokus auf der Anhebung der Fed Rate: Nach Jahren einer zunehmend lockeren weltweiten Geldpolitik steht erstmals wieder eine Leitzinserhöhung durch die Federal Reserve bevor. Das könnte bereits im Dezember der Fall sein. Dieser Trend könnte sich unserer Ansicht nach auch 2016 fortsetzen. Die Fed bleibt damit auch im kommenden Jahr ein wichtiger Einflussnehmer der globalen Märkte. Angesichts der anhaltend lockeren Geldpolitik anderer Zentralbanken wird sich die divergierende Geldpolitik als Schlüsselthema herausbilden. 

Das zweite Thema ist die Anfälligkeit der Emerging Markets. Zwar hat sich die wirtschaftliche Dynamik etwas verbessert, doch die Region steht immer noch vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen. Hinzu kommt die anstehende Zinsnormalisierung in den USA, die sich negativ auf die Emerging Markets auswirken würde.

FundResearch: Welche Auswirkungen wird eine Zinserhöhung der FED auf die Märkte weltweit haben?

Pieter Jansen: Die Fed hat die Märkte bereits recht gut auf die Möglichkeit einer ersten Leitzinsanhebung im Dezember vorbereitet. Die Zinserhöhungserwartungen für 2016 und darüber hinaus sind allerdings recht niedrig. Insofern besteht Potenzial für eine steile Anhebung am kürzeren Ende der US-Treasury-Zinskurve. Das könnte sich durch die Exponierung gegenüber US Treasuries und Währungen auch auf andere Marktsegmente auswirken. Traditionell wirken sich Zinsstraffungszyklen der Fed negativ auf Aktienbewertungen aus. Es könnte daher zu Veränderungen bei der Aktienmarktführerschaft kommen. Wie steil die Zinskurve ansteigt, wird davon abhängen, wie effektiv die Fed den Markt durch diese erste Phase lenken wird. Dabei gilt es, die Turbulenzen zu vermeiden, die die Fed-Ankündigung vom nahenden Ende der QE im Frühjahr 2013 auslösten.

FundResearch: Hinter welche Themen können die Märkte einen Haken setzen?

Pieter Jansen: Die größte Überraschung 2015 war die aggressive Lockerung durch die Bank of Japan und die EZB. Zwar zeichnet sich hier noch keine Trendwende ab, doch diese beiden Zentralbanken werden die Märkte wohl kaum mit weiteren (erheblichen) Lockerungsmaßnahmen überraschen. Durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage sind die Rohstoffpreise 2015 zudem deutlich gefallen. Wenn auch die Rohstoffmärkte immer noch anfällig sind, so erwarten wir für 2016 eine gewisse Stabilisierung. Ferner gehen wir nicht davon aus, dass Griechenland bzw. die Staatsschuldenkrise in der EWU 2016 für weitere Turbulenzen an den Märkten sorgen werden.

FundResearch: Welche Risiken sollten Anleger im nächsten Jahr beachten? 

Pieter Jansen: Die Schlüsselrisiken für 2016 hängen davon ab, wie die Finanzmärkte nach langen Jahren der Lockerung auf den Beginn der geldpolitischen Normalisierung in den USA reagieren werden. Obgleich dieser Anpassungsprozess allmählich vonstattengehen wird, könnte es in der Folge zu erhöhter Volatilität an den Devisenmärkten sowie im Fixed-Income-Bereich und bei den risikoreicheren Anlageformen kommen. Vor allem die laufenden Anpassungen, die an den Emerging Markets nötig werden, legen nahe, dass die Emerging Markets ebenfalls eine Risikoquelle sind. 

FundResearch: Könnte der aktuelle Zustrom von Flüchtlingen ein Risiko für die Kapitalmärkte werden?

Pieter Jansen: Die geopolitischen Entwicklungen stellen allgemein ein weiteres Risiko dar. Diese Entwicklungen lassen sich nur schwer voraussagen. Noch sind die Flüchtlingskrise und die Spannungen zwischen Russland und dem Westen sind nicht gelöst. 

FundResearch: Neben Risiken bietet 2016 aber bestimmt auch Chancen:  Wo finden sie sich?

Pieter Jansen: Die Bewertungen bei einer Reihe von Assetklassen haben sich verbessert. Das gilt für EMD, High Yield und sogar Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Absolut gesehen sind die Aktienbewertungen nicht günstig, doch im Vergleich zu Fixed Income sind sie attraktiv. Risikoreiche Assets dürften im Vergleich zu weniger riskanten Anlageformen besser abschneiden. Obwohl die Emerging Markets anfällig bleiben werden, wäre eine zyklische Trendwende an den Emerging Markets dennoch überraschend. Für EM-sensitive Assets und den Risikoappetit der Investoren im Allgemeinen wäre dies vorteilhaft. 

FundResearch: Wie bereitet sich NN IP auf das nächste Jahr vor? 

Pieter Jansen: Wir halten an unserem Investmentprozess fest, das ist unser Schlüsselfaktor. Unser Multi-Asset-Prozess hat sich bewährt und die Performance der letzten Jahre hat klar gezeigt, dass wir in unterschiedlichen Marktsituationen Wert für unsere Kunden schaffen können. Im Rahmen unseres Anlageprozesses stimmen wir Fundamentaldaten mit Daten zur Marktdynamik ab. So ist sichergestellt, dass wir nicht nur makroökonomische Treiber, sondern auch das Marktverhalten berücksichtigen. Selbstverständlich findet eine kontinuierliche Evaluierung der Indikatoren statt, die gegebenenfalls aktualisiert werden. 

FundResearch: Mit welchen Produkten von NN IP sind Kunden aus Ihrer persönlichen Sicht im nächsten Jahr gut beraten? 

Pieter Jansen: Die Renditen sind in den entwickelten Volkswirtschaften immer noch sehr niedrig. Wir rechnen damit, dass die Fed ihre Geldpolitik – wenn auch behutsam – normalisieren wird. Daraus ergeben sich Herausforderungen für die normalerweise eher konservativen Anleger an den Fixed-Income-Märkten. Angesichts der niedrigen Renditeniveaus bleibt nur wenig Potenzial für Kapitalzuwächse. Die geldpolitische Divergenz in den entwickelten Volkswirtschaften wird möglicherweise mit höherer Unsicherheit einhergehen. Gleichzeitig könnten bestimmte Assetklassen vermehrt Volatilität erleben. Wir meinen, dass Flexibilität gerade vor diesem Hintergrund wichtig ist, um sich in diesem Umfeld zu behaupten. Flexible Multi-Asset-Strategien, wie der NN (L) First Class Multi Asset Fonds, sind wegen ihrer spezifischen Eigenschaften besonders gut aufgestellt, um den künftigen Herausforderungen zu begegnen. Die Leistungsfähigkeit einer starken Strategie hängt natürlich stets vom Investmentteam ab. Bewährte Prozesse, nachgewiesene Kompetenz und kluges Risikomanagement sind hier entscheidend.

FundResearch: Wie sieht die Strategie des NN (L) First Class Multi-Asset Fonds aus?

Pieter Jansen: Beim NN (L) First Class Multi-Asset handelt es sich um einen diversifizierten Total-Return-Fonds, der auf langfristige Kapitalzuwächse und positive Erträge unter allen Marktbedingungen abzielt, während er gleichzeitig ein moderates Risikoprofil wahrt. Der Fonds peilt eine annualisierte Rendite in Höhe des Ein-Monats-EURIBOR + drei Prozent (vor Abzug der Gebühren) über einen Zeitraum von fünf Jahren an. Die annualisierte Volatilität, auf die der Fonds abzielt, liegt bei fünf Prozent (maximal zehn Prozent). Wir bemühen uns, dieses Anlageziel durch dynamische Allokation in verschiedenen Assetklassen wie Staatsanleihen, Investment-Grade und Non-Investment-Grade Bonds, Aktien, Immobilien, Währungen und Rohstoffe zu erreichen. 

FundResearch: Wie hoch gewichten Sie die einzelnen Assetklassen? 

Pieter Jansen: Zeitweise wird der Fonds mindestens 50 Prozent in erstklassige Staatsanleihen und/oder Liquidität investieren, also vergleichsweise sichere Assets. Die übrigen 50 Prozent können in risikoreichere Assetklassen investiert werden, wie etwa Non-Investment-Grade Bonds, Aktien, Immobilien, Währungen und Rohstoffe. Die Aufteilung zwischen diesen beiden Kategorien sowie die Aufteilung zwischen den einzelnen Assets innerhalb des Risikobudgets hängt davon ab, wie attraktiv wir diese Assetklassen wahrnehmen, und zwar sowohl in puncto Ertrag als auch Risiko. Unser Anlageansatz beruht auf quantitativen (fundamentalen und verhaltensbedingten) Faktoren sowie unserer qualitativen Beurteilung. Falls riskante Assets sich plötzlich extrem volatil verhalten oder wir sie aus Risiko-Ertrags-Perspektive nicht mehr attraktiv finden, kann der Anteil der vergleichsweise sicheren Assets auf bis zu 100 Prozent erhöht werden. Dadurch besteht eine Sicherheitsmarge, falls der Markt abstürzen sollte. Sinken die Risiken dagegen, wird der Fonds in risikoreichere Assets umschichten, die in der Regel höhere Erträge bringen. Durch diesen dynamischen Asset-Allokations-Prozess kann der Fonds attraktive Investmentchancen nutzen, sobald sie sich bieten.

(TL)

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Quelle: Hamburger Börse

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