• DAX----
  • T-DAX----
  • ESt50----
  • EUR/USD----
  • BRENT----
  • GOLD----
  • Neuberger Berman Asset Management Ireland Limited, German Branch
  • Comgest Deutschland GmbH
  • DONNER & REUSCHEL AG
  • Pro BoutiquenFonds GmbH
  • Natixis Investment Managers S.A.
  • Capital Group
  • BLI - Banque de Luxembourg Investments S.A.
  • Janus Henderson Investors
  • Morgan Stanley Investment Management
  • BERENBERG, Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG
  • AXA Investment Managers Deutschland GmbH
  • Robeco
  • Bellevue Funds (Lux) SICAV
  • Edmond de Rothschild Asset Management
  • UBS Asset Management (Deutschland) GmbH
  • Carmignac
  • KanAm Grund Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH
  • Greiff capital management AG
  • Moventum
  • Columbia Threadneedle Investments
  • Bakersteel Capital Managers
  • AB Europe GmbH
  • Hansainvest Hanseatische Investment-GmbH
  • M&G Investments
  • Pictet
  • WisdomTree Europe
  • iQ-FOXX Indices
  • ODDO BHF Asset Management
  • Rothschild & Co Asset Management
  • BNP Paribas Asset Management
  • Degroof Petercam SA
  • Credit Suisse (Deutschland) AG

Die Finanzpolitik im Kampf gegen Corona

Die Finanzpolitik im Kampf gegen Corona
05/2020
Dr. Michael Heise
macrodadvisors (Website)

@ Feedback an Redaktion

Für die Herausforderungen der Corona Krise fehlt es in unserer Debatte nicht an Superlativen. Wir bezeugen die schwerste Krise seit Ende des zweiten Weltkrieges, einen historischen Einbruch der Konjunktur mit beispiellosem Anstieg der Kurzarbeit und eine explosive Entwicklung der Kosten für den Staat, die sogar höher sein könnten als die der deutschen Einheit. Die Welt werde nach Corona eine andere sein als zuvor. Man kann das alles so beschreiben. Worauf es aber ankommt, ist ein Bild, das die Wirtschaftspolitik zu angemessenen Schlussfolgerungen veranlasst und den Investoren richtige Handlungsorientierung gibt. Zwei Sachverhalte sollten nicht aus dem Blick geraten:

28.05.2020 | 11:06 Uhr

Erstens: Die Ursache der wirtschaftlichen Krise bei uns und anderswo sind die notwendigen staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Werden Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsstillegungen aufgehoben, was inzwischen schrittweise geschieht, wird die wirtschaftliche Aktivität wieder in Gang kommen. Die Frage ist nicht, ob das passiert, sondern wie schnell und kraftvoll die Erholung wird. In manchen Branchen wird es langsam gehen, aber vielfach dürfte eine aufgestaute Nachfrage sogar zu einem starken Nachfrageanstieg führen. In jedem Falle handelt es sich um eine völlig andere Situation als in der großen Depression des letzten Jahrhunderts oder der großen Finanzkrise vor zwölf Jahren, als finanzielle Blasen geplatzt sind und langwierige Bankenkrisen folgten.

Angesichts des staatlich angeordneten „shutdown“ war es richtig und geboten, dass die Regierungen praktisch weltweit großdimensionierte Rettungsprogramme aufgesetzt und angekündigt haben. Es muss vermieden werden, dass der Wirtschaftsabschwung während der Pandemiebekämpfung zu einer andauernden Rezession oder Stagnation führt. Dieses Risiko wäre durchaus gegeben, wenn die Wirtschaftspolitik nichts gegen eine drohende Insolvenzwelle und drohende Arbeitsplatzverluste unternommen hätte.

Zweitens: Trotz der Tiefe des Einschnitts und dem damit verbundenen Handlungsbedarf sind die staatlichen Ressourcen begrenzt. Es wäre gefährlich, den „nie dagewesenen Ausnahmezustand in der Finanzpolitik“ zu nutzen, um die Flut an Forderungen von politischen Parteien und Interessensverbänden jetzt durchzuwinken, die schon länger auf der Agenda standen und nun in der Gunst der Stunde wieder vorgebracht werden. Der Staat sollte sich angesichts knapper Ressourcen darauf konzentrieren, einerseits gefährdete Arbeitsplätze durch Kurzarbeitergeld und andere Formen des Einkommensersatzes für Selbständige zu schützen und andererseits die Insolvenz von an sich wettbewerbsfähigen Unternehmen durch die verschiedenen Instrumente zu minimieren. Konjunkturprogramme, wie Subventionen für den Autokauf oder weitere Mehrwertsteuersenkungen sind dagegen kritisch zu sehen. Denn die Nachfrage nach Autos und nach Restaurantbesuchen wird nach dem Ende der Schließungen von selbst wieder ansteigen. Diesen Prozess kann man durch Subventionen beschleunigen, aber nur um den Preis erheblicher Mitnahmeeffekte und einer möglichen Nachfrageschwäche in der Zukunft. Auch die verschiedenen Umverteilungsvorschläge wie ein weiterer Solidaritätszuschlag für bestimmte Bevölkerungsgruppen, eine Vermögensabgabe, oder höhere Mindestlöhne sollten jetzt nicht umgesetzt werden, denn sie würden genau die mittelständischen Wirtschaftsstrukturen schwächen, um deren Erhalt man so bemüht ist.

 Die Sorge, dass sich der Staat auch angesichts neuer Pläne für ein Konjunkturprogramm übernehmen könnte, teilen die meisten Politiker offenbar nicht. Es ist durchaus denkbar, dass weitere dreistellige Milliardenbeträge locker gemacht werden und zwar zusätzlich zu den Rettungspaketen der vergangenen Wochen, die Kurzarbeitergeld, Überbrückungszuschüsse und verbesserte Sozialleistungen, Steuerstundungen, Kreditmittel, Beteiligungskapital, Bürgschaften und weiteres umfassen. Wenn alle Garantien und Bürgschaften gezogen werden, könnte die Summe auch ohne Konjunkturprogramm auf 1,9 Billionen ansteigen, das wäre etwa das Fünffache des Bundeshaushalts. Das sollte von vorneherein verhindert werden. Wege dazu wären gezielte Liberalisierungen von noch vorhandenen Geschäftsbeschränkungen, um Existenzen zu sichern, sowie Verbesserungen der Rahmenbedingungen etwa über Kostensenkung beim Energieeinsatz und eine effizientere Energiewende, flexible Beschäftigungsmöglichkeiten, Abschreibungserleichterungen und bessere Verlustverrechnungsmöglichkeiten.  

 In der Politik ist bereits die Rede davon, den Schuldenstand Deutschlands in Relation zum Bruttoinlandsprodukt auf 90 % ansteigen zu lassen,  der Finanzminister sieht derzeit einen Anstieg von zuletzt unter 60% auf ca. 75 % in 2021 (Schaubild). Wir können uns also darauf einstellen, dass längerfristig Sozialbeiträge und Steuern steigen werden, um die Schulden wieder abzustottern. Ausgabekürzungen, die zur Finanzierung der Covid 19 Lasten beitragen könnten, sind zur Zeit kaum abzusehen. Investitionen des Staates in die Bildung, die Digitalisierung oder den Umweltschutz sollen eher gesteigert werden. Bei den Sozialausgaben, die durch Corona bezogene Maßnahmen und die Grundrente gerade erhöht werden, ist ebenfalls keine Verlangsamung abzusehen. Auch ein Beschäftigungsabbau im öffentlichen Sektor scheidet wohl aus, denn es gibt Mehrbedarf im Gesundheitsbereich und in zahlreichen Verwaltungsbehörden, die die Regierungsprogramme umsetzen.

Die Rückführung der Staatsschulden wird also lange dauern. Und zukünftig erwerbstätige Generationen werden die Last mit abtragen müssen. Damit sie das bewältigen können, ist es essentiell, dass die Zinsen auf den Staatsanleihemärkten niedrig bleiben. Die Europäische Zentralbank wird das Ihre dazu beitragen, indem sie ihre Zinsen für geraume Zeit bei null oder gar im negativen Bereich belässt und ihre Anleihekäufe fortsetzt.

Was bedeutet das für die Anleger ? Erstens werden nennenswerte Anlagerenditen auf absehbare Zeit nur unter Inkaufnahme höherer Risiken zu erzielen sein. Aktien, Unternehmensanleihen oder Kreditprodukte sowie alternative Anlageformen werden Kapital anziehen. Zweitens wird die extrem expansive Finanzpolitik Wirkung zeigen. Man sollte sich also von den Hiobsbotschaften von der Konjunktur nicht täuschen lassen: Die Volkswirtschaften werden mit der Normalisierung des Wirtschaftslebens aus dem tiefen Tal herauskommen und in den nächsten Quartalen dabei ein ordentliches Tempo vorlegen. Langfristig werden von den hohen Schulden des Staates und vieler Unternehmen auch wieder Bremseffekte auf das Wachstum ausgehen. Gerade das sollte Anlass sein, bei der Verschuldung jetzt Maß zu halten.

Grafik Deutschland

Diesen Beitrag teilen: