La Financière de l’Echiquier: Zum Glück ist der Oktober vorbei

Didier Le Menestrel, Verwaltungsratsvorsitzender des französischen Vermögensverwalters La Financière de l’Echiquier

Mancher Anleger dürfte zum Ende des Oktober, der für zahlreiche Verwerfungen an den Kapitalmärkten gesorgt hat, einen Stoßseufzer ausgesprochen haben. „Der Oktober ist aber kein schlechter Börsenmonat, er ist nur ein Monat mit übermäßiger Volatilität“, kommentiert Didier Le Menestrel.

08.11.2018 | 11:37 Uhr

Sagen Sie nicht „es ist doch immer dasselbe“; die Statistiken werden es widerlegen. Der gerade zu Ende gegangene Oktober bleibt nur in unserer Börsenerinnerung, weil die Krisen von 1929 und 1987 fest in unseren Köpfen verankert sind. Die massiven Kursverluste infolge der Lehman-Pleite im Oktober 2008 haben zudem nichts zur Verbesserung des schlechten Rufs dieses Börsenmonats beigetragen, der trotz allem eine durchschnittliche positive Rendite in der Größenordnung von einem Prozent seit 44 Jahren eingebracht hat.ii Der Oktober ist kein schlechter Börsenmonat, er ist nur ein Monat mit übermäßiger Volatilität.

Zehn Jahre nach der großen Krise von 2008 hat der Oktober also wieder die Beunruhigung der Anleger heraufbeschworen (der S&P 500 gab um 7 % nach). Dem schwer vorhersehbaren konjunkturellen Umfeld konnten auch die im Rahmen der Berichtssaison veröffentlichten Unternehmensergebnisse nichts entgegensetzen.

Für die Einschätzung des künftigen Anlegerverhaltens ist die Entwicklung der Anleihenmärkte ein wichtiger hilfreicher Indikator. Hier gab es in den USA ein bedeutendes Ereignis, denn die zehnjährigen Staatsanleihen - das weltweit liquideste Anlageinstrument – überschritten dauerhaft die Drei-Prozent-Marke. Ein Renditeniveau für „risikofreie“ Anlagen weltweit, das es seit 2011 nicht mehr gab.

Dieses Ereignis, das keine großen Schlagzeilen in der Tagespresse machte, ist für die Einschätzung der Preise von Vermögenswerten und insbesondere von Börsenkursen von entscheidender Bedeutung. Das Niveau von drei Prozent bekräftigt das Ende der Periode des Quantitative Easing (der Lockerung der Geldpolitik oder QE) in den USA, die als der „außergewöhnliche“ Zeitraum kostenloser Kredite in die Geschichte eingehen wird.

Dieses berühmte „QE“, das seit 2009/2010 von allen großen Zentralbanken praktiziert wird, hat eine Verzerrung der Preise für Anlagen nach sich gezogen, das den klassischen Bewertungsrahmen gesprengt hat. Denn wenn risikofreie Anlagen null Prozent einbringen, kann der Preis von Anlagen, von denen man annimmt, dass sie höhere Renditen „einbringen“, ins Unendliche steigen! Diese seit 2011 vorherrschende Logik hat erkennbare Preisverzerrungen bewirkt, insbesondere bei Sachanlagen, wie etwa auf dem Kunst- oder Immobilienmarkt, aber auch bei börsennotierten Unternehmen mit sogenanntem „erkennbarem Wachstum“. Letztere, beispielsweise Hermes im Luxusgütersegment oder Lindt bei Lebensmitteln und Chr. Hansen im Bereich Biotech, haben in den vergangenen Monaten Bewertungen erreicht (das elffache des Umsatzes bei Hermes, das 50-fache der Ergebnisse bei Lindt und Chr. Hansen), die als Veranschaulichung all dieser Exzesse Börsengeschichte schreiben werden.

Doch wir wollen nicht in Panik verfallen. Während dieses „außergewöhnlichen“ Zeitraums blieb das Verhalten der wichtigsten Akteure (Zentralbanken, Banken und Aufsichtsbehörden) rational. Auch wenn eine Korrektur dieser überbewerteten Anlagen unausweichlich ist, halten wir nichts von den Kassandrarufen, die sich in diesem Umfeld keine beständige Anlagerendite vorstellen können. Wie Benjamin Graham es ganz treffend formulierte: „Die Zukunft ist ungewiss.“ Aber was die nahe Zukunft betrifft, deutet alles darauf hin, dass der Anlageverwaltung im Value-Segment eine gute Zeit bevorsteht.

ii Saisonale Volatilität, Edito, November 2014

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