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Riskante Wetten in Baden-Baden

FundResearch blickt auf die vergangene Woche zurück und gibt einen Ausblick auf künftige Ereignisse. Im Fokus diesmal: Warum der Shortseller Fraser Perring jetzt gegen den MDAX-Wert Grenke wettet.

28.09.2020 | 09:40 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Stellen Sie sich einmal vor, Sie gehen jede Woche zum Pferderennen und wetten darauf, dass der Favorit verliert. Nennen wir das Pferd spaßeshalber einmal „Kabelkarte“. Es hat glänzendes Fell, einen irren Blick und Beine, die es wie im Flug davontragen. Doch Sie sind von ihrer Wette überzeugt. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass das hochgelobte Rennpferd gedopt ist. In den Medien gibt es immer wieder Berichte, die dies nahelegen. Und auch Sie selbst haben recherchiert und veröffentlichen Ihre Erkenntnisse. Doch die Berichte interessieren niemanden. Denn alle, die auf Kabelkarte setzen, profitieren von dessen Siegen. Sogar Mitglieder der Rennleitung, die die Geschehnisse eigentlich überwachen sollen, wetten auf das Pferd. Deshalb schreitet niemand ein. Kabelkarte gewinnt weiterhin fast jedes Rennen. Und Sie verlieren Woche für Woche Geld. Bis der Dopingschwindel dann doch plötzlich auffliegt. Kabelkarte hyperventiliert, humpelt über die Rennbahn und bricht schließlich hinter der Ziellinie zusammen. Der Rennstallbesitzer wird festgenommen, der Jockey setzt sich mit den gewonnenen Preisgeldern ins Ausland ab, und auf den Tribünen gibt es unter den ehemaligen Wettkönigen lange Gesichter. Diesmal sahnen Sie richtig ab. Denn Sie haben mit sehr, sehr hohem Einsatz gegen die Mehrheit gewettet. Es ist Ihr Triumph. Sie atmen auf, es war Ihre letzte Chance. Vor dem entscheidenden Rennen waren Sie bereits mit 13 Millionen Euro verschuldet. Jetzt steht endlich wieder ein Pluszeichen vor den Zahlen auf Ihrem Konto.

Blöd nur, dass der lahme Gaul jetzt nie mehr an den Start gehen wird. Es gibt für Sie keine Chance mehr, Ihren Ruhm weiter zu vergolden. Es sei denn, Sie finden einen neuen Favoriten, gegen den Sie wetten können.

Natürlich hinken Vergleiche immer. Doch im Wesentlichen war das im übertragenen Sinne die Ausgangssituation für den Shortseller Fraser Perring, der vom Zusammenbruch Wirecards profitierte und aktuell an der Börse gegen den deutschen Mittelständler Grenke wettet. Zunächst mit Erfolg: Nach der Veröffentlichung von Ungereimtheiten in der Grenke-Bilanz sackte der Börsenkurs des MDAX-Unternehmens um rund 50 Prozent ein. Die erste Runde ging damit wohl an den Spekulanten. Einem Interview in der Wirtschaftswoche zufolge gibt sich Fraser Perring damit jedoch nicht zufrieden. Er ist immer noch „short“ investiert. Er geht volles Risiko. Er will demnächst weitere Belege dafür veröffentlichen, dass es bei dem Unternehmen aus Baden-Baden nicht mit rechten Dingen zugeht und hofft auf weitere Kursverluste.

Noch ist es nicht ausgemacht, für welche Seite es diesmal ein Happy End geben wird. Denn Grenke ist keine Luftnummer wie Wirecard, sondern ein Mittelständler in Familienbesitz, der seit Jahrzehnten sein Geschäft betreibt. Dieses fußt zwar auf einem Franchise-Modell, das nicht immer leicht zu durchschauen ist. Auch die personellen Verstrickungen zwischen dem Franchise-Geber Grenke und Franchise-Nehmern, die in den vergangenen Jahren übernommen wurden, darf man durchaus kritisieren. Vielleicht waren die gezahlten Preise manchmal nicht angemessen. Vielleicht gibt es Positionen in der Grenke-Bilanz, die zu hoch angesetzt sind. Doch Goodwill-Übertreibungen wird man bei fast allen börsennotierten Unternehmen finden, die in den vergangenen Jahren Akquisitionen durchgeführt haben. Deshalb nennt man sie ja Goodwill-Bewertungen.

Doch wie kommt es, dass Grenke an der Börse jetzt so unter die Räder kam? Vermutlich lag es auch daran, dass Grenke völlig unvorbereitet von der Attacke getroffen wurde und zu zögerlich darauf reagierte. Es dauerte Tage, bis die Investor Relations-Abteilung des Unternehmens aus der Schockstarre erwachte. Immerhin bezog Grenke in Investoren-Konferenzen schließlich Stellung. Fraser Perrings Vorwürfe wurden zum Teil entkräftet. Wenn er nicht bald tatsächlich noch weitere schlagkräftige Argumente für eine starke Überbewertung von Grenke auf den Tisch legt, könnte seine Wette diesmal nach hinten losgehen.

Das auf jeden Fall zeichnet sich bereits ab: Ein zweites Wirecard ist Grenke wohl nicht. Der Gaul ist zwar nicht so schnell, wie manche denken, doch er wird beim nächsten Rennen nicht einknicken. Dafür steht er doch noch zu gut im Futter. Auf den Zusammenbruch von Grenke zu wetten, ist deshalb höchst gewagt. Das sollten auch risikofreudige Anleger bedenken, die jetzt noch auf den Fraser Perring-Zug aufspringen und überlegen, in Put-Optionen, -Optionsscheine oder -Hebelzertifikate zu investieren.

Ausblick auf die wichtigsten Termine in dieser Woche

Am Dienstag werden US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden an der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio, zum ersten öffentlichen TV-Rededuell aufeinandertreffen. Für Mitteleuropäer, die die Veranstaltung auf dem Sender Phoenix live miterleben wollen, wird es eine lange Nacht vom 29. auf den 30. September. Anstrengend wird es aber auch für die US-Amerikaner vor den Fernsehbildschirmen. Sie werden zur besten Sendezeit zwei alte Männer sehen, denen es schwerfällt, ihre Schwächen zu verbergen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die US-Wähler nur noch entscheiden dürfen, ob ein bösartiger Narzisst im Weißen Haus bleibt oder stattdessen ein seniler Tollpatsch einzieht. Es ist ein Armutszeugnis für die Vereinigten Staaten, auch aus europäischer Sicht.

Am Mittwoch werden die sogenannten Spin-Doctors der beiden Wahlkampf-Teams erklären, warum jeweils ihr Kandidat das TV-Duell gewonnen hat. Das Trump-Team hat bei dieser Routine-Übung eindeutig einen taktischen Vorteil. Denn Trumps Spin-Doktoren haben ihre Presserklärung zum Rededuell bereits geschrieben und feilen nur noch an ein paar wenigen Formulierungen. Der Verlauf der Diskussion im Fernsehen ist für sie nebensächlich. Fakten spielen für Trump ohnehin keine Rolle.

Am Donnerstag werden zahlreiche Daten zur Entwicklung der US-Wirtschaft und des Arbeitsmarkts veröffentlicht. Darunter auch aktuelle Daten zur Entwicklung der Privateinkommen der US-Amerikaner. Das Bureau of Economic Analysis, Department of Commerce veröffentlicht die Gesamteinkommen von Privatpersonen, einschließlich Löhne, Gehälter, Zinsen, Dividenden, Mieten und Transferzahlungen für den laufenden Monat. Erwartet wird ein Rückgang um 2,3 Prozent. Gleichzeitig wird auch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung wieder bei etwa 850.000 liegen. Es sind schwere Zeiten für Amerikas Arbeitnehmer. Die miserabel gemanagte Coronakrise hat tiefe Wunden gerissen. Umso erstaunlicher ist es, dass das Rennen um die US-Präsidentschaft offensichtlich immer noch nicht entschieden ist. By the way: In China beginnt am Donnerstag die „Goldene Woche“. China feiert eine Woche lang sich selbst. Der Anlass: Vor genau 61 Jahren, am 1. Oktober 1949 verkündete Mao Tse-tung, Vorsitzender der Kommunistischen Partei China (KPCh) in Peking auf dem Tian‘anmen-Platz die Gründung der Volksrepublik China.

Am Freitag wird die chinesische KP mit viel Tamtam die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag begehen und dabei dem Wahlkampf-Showdown in den USA nur wenig Beachtung schenken. Aus Sicht der KP liegt das Macht-Zentrum der Welt längst in Peking und nicht mehr in Washington. Man wird es den Militär-Paraden auf dem Tian‘anmen-Platz vermutlich ansehen können. Die Goldene Woche wird zweifellos der Selbstversicherung dienen. Wie stark sich China mittlerweile fühlt, lässt sich an den militärischen Zwischenfällen vor der Küste und über dem Himmel Taiwans ablesen. Es bleibt zu hoffen, dass die US-Wahl im November so eindeutig ausfallen wird, dass es für Donald Trump keine Chance gibt, an dem Ergebnis zu zweifeln. Ein Machtvakuum im Weißen Haus könnte für die pazifische Region fatale Folgen haben.

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