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Die kreativen Wortschöpfungen der Madame Lagarde

TiAM FundResearch blickt auf die vergangene Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: die „De-Fragmentierung“.

04.07.2022 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Seit etwa drei Wochen fällt das Wort „Fragmentierung“ in Reden und Pressetexten der EZB auf. Gemeint ist damit das Auseinanderdriften der Renditen von Staatsanleihen süd- und nordeuropäischer EU-Mitglieder. 10jährige Staatsanleihen aus Griechenland und Italien werden mittlerweile mit einem Risikoaufschlag von zwei Prozent gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen gehandelt. Auch die Spreads spanischer und französischer Rentenpapiere weiten sich bedenklich gegenüber den Bundesbonds.

Hintergrund ist der Stopp des Aufkaufs von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank. Seit der Rentenmarkt zunehmend wieder den Marktkräften überlassen wird, werden die latent vorhandenen Bewertungsunterschiede wieder sichtbar. Für die Eurozone ist das ein Problem. Die volkswirtschaftlichen Unterschiede der Mitglieder werden durch die „Fragmentierung“ befeuert. Die einzelnen Länder können jedoch ohne eigene nationale Währung und Notenbank nicht selbst gegensteuern. Wird die Entwicklung nicht gestoppt, müssen sich die betreffenden Länder immer teurer refinanzieren, was sie zusätzlich in ihrer Entwicklung behindert.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sah sich EZB-Chefin Christine Lagarde in der vergangenen Woche genötigt, ein neues Wort zu erfinden: die „De-Fragmentierung“. Gemeint ist ein erneutes Eingreifen der EZB. Lagarde will das Geld, das durch auslaufende Staatspapiere nördlicher Euro-Länder in die Notenbankkasse fließt, in Staatsanleihen südlicher Länder wiederanlegen. Durch diese Umlenkung werden die Kurse südeuropäischer Staatsanleihen gestützt, während etwa Bundesanleihen eher im Wert stagnieren oder sogar sinken und damit deren Renditen steigen. Mit diesem Trick will die EZB-Chefin dafür sorgen, dass die Risikoaufschläge von Staatsanleihen der Euro-Südzone gegenüber deutschen Rentenpapieren bestimmte Schwellenwerte nicht überschreiten.

Leider ist Lagarde in diesem Fall der Geist, der das Gute will, aber das Böse schafft. So sehr ihr Anliegen nachvollziehbar ist, so sehr wandelt sie mit der neuen Marschroute auf einem gefährlich schmalen Grat. Es ist eine Sache, durch niedrige Zinsen und Anleiheaufkäufe eine komplette Währungsgemeinschaft geldpolitisch zu lenken, wie es in den vergangenen Jahren geschehen ist. Es ist aber eine ganz andere Sache, einzelne Volkswirtschaften innerhalb der Währungsgemeinschaft zu subventionieren und gleichzeitig andere zu belasten. Das ist Staatsfinanzierung der Südländer, finanziert mit Geld aus Nordeuropa, gelenkt durch die EZB. In der Wirkung ist dies ein direkter Eingriff der Notenbank in die staatliche Haushaltssouveränität der Mitgliedsländer der Eurozone.

Politisch betrachtet, ist die „De-Fragmentierung“ deshalb sogar das Gegenteil dessen, was das Wort suggeriert. Es ist keine Zusammenführung der Länder der Währungsunion, sondern ein Ausspielen der Mitgliedsländer gegeneinander. Der volkswirtschaftliche Nutzen ist zudem zweifelhaft. Die Staatskassen der Süd-Länder sind nicht zuletzt deshalb latent klamm, weil das Volksvermögen überwiegend in privaten Händen ist und die Staaten unfähig oder nicht willens sind, darauf fiskalisch zuzugreifen. Es wäre die Aufgabe der jeweiligen Regierungen, daran etwas zu ändern. Durch das Eingreifen der EZB werden ihnen die nötigen Reformen erspart. De-Fragmentierung: ein merkwürdiges, kleines Wort mit großer Wirkung.

An dieser Stelle ein Tipp in eigener Sache: Auf dem TiAM Fund Forum am kommenden Donnerstag (siehe Terminhinweis unten) wird auch die Geldpolitik der Notenbanken ein Thema sein. Die Tagung findet in München und auch online als Stream statt.

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Ausblick auf interessante Termine in dieser Woche

Am Dienstag veröffentlicht Markit Economics den sogenannten Gesamtindex PMI Produktion und Dienstleistung. Das ist ein Indikator für die wirtschaftliche Lage des Dienstleistungs- und Produktionssektors der Eurozone. Er gibt einen Überblick über den Zustand des Umsatzes und der Beschäftigung. Ein Wert über 50 deutet auf eine Expansion hin, ein Wert unter 50 ist entsprechend bedenklich. Zuletzt stand der Indikator noch bei knapp 51,9 – Tendenz sinkend. Es bleibt spannend.

Am Mittwoch gibt die Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der EU-Kommission ihre Konjunkturprognose für die Länder der Europäischen Union bekannt.

Am Donnerstag findet in München das FUND FORUM Hybrid 2022 statt. Geladen sind prominente Keynote-Speaker wie Dr. Helmut Becker, ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung, die Investmentlegende Lenny Fischer sowie der engagierte Publizist und ehemalige Bundestagsabgeordnete Oswald Metzger. Auf dem Forum, das auch per Online-Stream live mitverfolgt werden kann, stellen sechs Investmentgesellschaften ihre Kapitalmarkt-Thesen und die passenden Strategien vor. Diskussionen mit dem Auditorium sind dabei ausdrücklich erwünscht. 

Anmeldungen sind noch möglich.

Am Freitag stellt sich Bundeskanzler Olaf Scholz nach dem Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft auf der Handwerksmesse auf einer extra anberaumten Pressekonferenz den kritischen Fragen der Journalisten. An dieser Stelle ein Tipp an die Kollegen: Sie sollten keine geschlossenen Fragen stellen, auf die der Kanzler nur mit einem „ja“ oder „nein“ antworten und danach schweigen kann.

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