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Corona-Krise: Geld oder Leben

FundResearch blickt auf die vergangene Woche zurück. Im Fokus diesmal: In den Medien treten neben den Virologen immer häufiger Ethiker und Wirtschaftswissenschaftler auf. Dafür gibt es gute Gründe.

06.04.2020 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»

Die Verordnungen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens waren noch keine Woche alt, da stellten ungeduldige Menschen bereits eine drängende Frage: Wann würden die Einschränkungen denn nun wieder aufgehoben? Im Angesicht eines hoch ansteckenden, zuweilen tödlichen Virus, gegen den es keine heilende Medizin gibt, erscheint diese Frage auf den ersten Blick geradezu anmaßend. 

Eine einfache Hochrechnung macht die Dimension der Antwort darauf deutlich: In Deutschland leben 83 Millionen Menschen. Würde man dem Virus freies Geleit gewähren, würden sich – so sagt man – bis zu 60 Prozent davon mit dem Virus anstecken, bevor die Pandemie sich spürbar verlangsamt oder durch die aufgebaute Immunität der Infizierten sogar weitestgehend verschwindet. In Deutschland entspräche das rund 50 Millionen Menschen. Die Erfahrungen zeigen, dass bei etwa 20 Prozent der Infizierten mit Komplikationen zu rechnen ist, etwa 5 Prozent müssen beatmet werden, zwischen 0,5 und einem Prozent der mit dem Coronavirus infizierten Menschen sterben. Solange kein Impfstoff gegen das Virus zur Verfügung steht, wird am Ende der Rechnung eine ernüchternde Zahl stehen: In Deutschland werden demnach zwischen 250.000 und 500.000 Menschen an Covid-19 sterben. Es ist nur eine Frage der Zeit. Das ist der Grund, warum die Politik derzeit um jeden Tag ringt, der durch die Einhaltung von zwischenmenschlichen Kontaktsperren dazu beiträgt, die Katastrophe hinauszuschieben. 

Gesteht man sich das ehrlich ein, stellt sich zwangsläufig eine weitere Frage: Wie lange hält Deutschlands Wirtschaft das durch? Es ist eine sehr wichtige Frage, die sehr, sehr behutsam geführt werden muss. Denn schnell landet man hier bei der Grundsatzdiskussion „Geld oder Leben“. Dabei bedingt das eine das andere. Eine Weltwirtschaftskrise wie 1929 und Anfang der 30er-Jahre mit den bekannten Folgen hat schließlich Millionen Menschen das Leben gekostet.

Angesichts dieser Dimension erscheint die Frage, wann und in welchem Umfang die Ausgangsbeschränkungen wieder aufgehoben werden sollten, weniger defätistisch. Trotzdem muss die Politik gut abwägen. Denn sie hat leider nur die Wahl zwischen schlechten Lösungen. 

Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist die Sache klar: Jeder Tag ist teuer. Laut Berechnungen des ifo-Instituts kostet uns jede Woche, die der Shutdown verlängert wird, 40 Milliarden Euro. Das ist viel Geld. Je schneller das Ganze vorbei ist, desto besser kommen wir also aus der Krise. Wer so denkt, kommt schnell auf die Idee, die zynische Strategie zu verfolgen, die Großbritannien, die Niederlande und Schweden zunächst angewendet haben: Laufen lassen, der schnellen Verbreitung des Virus zusehen und am Ende zählen, wie viele Einwohner überlebt haben. Vorteil: Die Masse der Überlebenden hat eine „Herdenimmunität“ aufgebaut. 

Nachteil: Schon die Wortwahl verdeutlicht die Menschenverachtung dieser Strategie. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass die drei genannten Länder mittlerweile ihr "Herden"-Experiment abgebrochen haben. Wer achselzuckend zu viele Tote innerhalb zu kurzer Zeit in Kauf nimmt, setzt als Regierung seine Legitimität aufs Spiel. Das hat sogar die chinesische KP erkannt. Das allein hätte den Regierenden in London, Den Haag und Stockholm schon ein warnendes Beispiel sein können. 

Deshalb geht es nun darum, einen gangbaren Mittelweg zu finden. Und so tauchen seit vergangener Woche in Deutschland in den Medien neben den mittlerweile ungewollt prominenten Virologen zunehmend andere Experten auf, deren Rat auch die Politiker derzeit einholen. Insbesondere der Volkswirtschaftler Clemens Fuest und Christiane Woopen, die Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, erklären nun dem Volk mit wohl gesetzten Worten, dass es nicht nur um den Kampf gegen das Virus gehe, sondern dass man auch viele weitere Aspekte berücksichtigen müsse. So werden wir darauf vorbereitet, dass uns das Virus noch lange begleiten wird. Dass es zweifellos noch Tote zu beklagen geben wird. Und dass das Leben trotz der tödlichen Bedrohung weitergehen muss. 

Die Frage lautet deshalb jetzt tatsächlich: Wie organisieren wir den Alltag so, dass wir die tägliche Corona-Sterberate möglichst niedrig halten? Ein dauerhafter Shutdown unseres Landes ist nämlich keine Lösung, schon aus einem einfachen Grund: Gesetzt den Fall, wir würden es mit preußischer Disziplin schaffen, dass Deutschland in zwei weiteren zölibatären Wochen frei von Coronaviren wäre, müssten wir dann zu unserem Entsetzen leider feststellen, dass wir immer noch ein Problem hätten. Denn wir sind nicht alleine auf diesem Planeten. Um uns herum tobt das Virus weiter. In bevölkerungsreichen Regionen wie Südamerika, Mexiko, den USA, Afrika und Indien hat die Pandemie gerade erst richtig Fahrt aufgenommen. Deutschland, dessen Bevölkerung in diesem skizzierten Szenario zu großen Teilen nicht immun wäre gegen das Coronavirus, wäre gezwungen, seine Grenzen weiter geschlossen zu halten. Es wäre wohl das Ende der Europäischen Union. Und es wäre eine Katastrophe für unsere Exportwirtschaft.

Fazit: Wir sollten uns darauf einstellen, dass der Shutdown in seiner jetzigen Form nicht mehr lange bestehen wird. Aber es wird nicht so weitergehen wie vorher. Wir werden uns alle umstellen müssen. Abstand halten, Handschuhe und Atemschutzmasken zu tragen, wird selbstverständlich sein. Discos, Restaurants und Cafés zu besuchen, dagegen eher nicht. Die gute Botschaft: Eines Tages wird der Spuk vorbei sein. Dann wird man sehen, was wir daraus gelernt haben.

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