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190-Millionen-Dollar-Krypto-Hack: Gelegenheit macht Diebe

TiAM FundResearch blickt auf die vergangene Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Wie aus unbescholtenen Anlegern plötzlich Krypto-Plünderer wurden.

08.08.2022 | 07:30 Uhr von «Matthias von Arnim»

Rückblick auf die vergangene Woche

Stellen Sie sich vor, ein Räuber entwickelt einen Generalschlüssel für eine Bank, spaziert nachts hinein und öffnet den Tresor. Darin liegen rund 190 Millionen US-Dollar. Der Täter hat etliche Sporttaschen dabei. In jede Sporttasche passen rund 2,3 Millionen Dollar. Doch er erkennt schnell, dass er so viele Sporttaschen nicht auf einmal tragen kann. Und schon gar nicht unbemerkt. Also stopft er nur eine Tasche voll und spaziert als frischgebackener einfacher Millionär wieder aus der Bank. Auch als Bankräuber darf man schließlich bescheiden sein. Und großzügig. In der Eingangstür lässt er deshalb den Schlüssel stecken, der Tresor bleibt sperrangelweit offen. Bevor die Bankangestellten ihren Arbeitstag beginnen, kommen Passanten an dem Finanzinstitut vorbei. Sie sehen den Schlüssel, gehen hinein, sehen den offenen Tresor und die Sporttaschen. Es gibt keine Zeugen. Die Sicherheitssysteme sind ausgeschaltet. Und dann passiert das, was eben passiert, wenn sich Menschen die Gelegenheit zur Selbstbereicherung bietet, ohne dass sie dafür Konsequenzen fürchten müssen. Innerhalb kurzer Zeit leert sich der Tresor. Tasche um Tasche wird im Morgengrauen aus der Bank getragen. Als der erste Bankangestellte in den Tresor blickt, liegen darin noch umgerechnet 651,54 US-Dollar herum. In polnischen Zloty und nordkoreanischen Won.

So in etwa muss man sich das vorstellen, was vergangene Woche auf der Krypto-Umtauschbörse Nomad passiert ist. Nomad ist keine Bank, sondern eine sogenannte Bridge. Und die funktioniert so: Anleger zahlen einen Coin wie zum Beispiel Ether ein und erhalten dafür einen Gegenwert in Coins oder Tokens einer anderen Währung. Die eingezahlten Coins werden in einem sogenannten Smart Contract verwahrt, einer Art virtuellem Tresor. Nutzer können die Coins daraus entnehmen, wenn sie dafür wiederum die Tokens zurücklegen, gegen die die Coins zuvor getauscht worden waren. Der Handelswert der Tokens und Coins entspricht immer einander. Es ist ein Tauschgeschäft. Lege fünf braune Eier hinein. Nimm fünf weiße Eier heraus. Passt. Eigentlich. Es sei denn, man kennt einen Trick, den Mechanismus zu umgehen, indem man nur so tut, als ob man etwas in den Tresor hineingibt, dafür aber trotzdem den Gegenwert herausnimmt. Diesen Trick hat ein Hacker einmal angewandt. Und dieser Trick ließ sich von anderen Nutzern auch ohne Programmierkenntnisse wiederholen. Sie mussten nur immer wieder denselben Betrag mit denselben Parametern abheben und als Zieladresse ihr Kryptokonto angeben. Anonymität ist in der Kryptowelt oberstes Gebot. An welche Personen das Geld geflossen ist, lässt sich nur noch schwer nachverfolgen.

Das wirklich Erstaunliche an der Geschichte ist, dass es einige Krypto-Anleger gab, die sich hinterher gemeldet haben, um die von ihnen eingesammelten Token zurückzugeben. Das waren sogenannte White-Hat-Hacker – also Leute, die mit guten Absichten Sicherheitslücken aufdecken. Umgerechnet rund 8,2 Millionen der insgesamt abhanden gekommenen 190 Millionen US-Dollar sollen die White-Hats gerettet haben, indem sie zwar Token abhoben, diese aber nicht verschwinden ließen, sondern nur zur Sicherheit horteten und nun zurücktransferieren. Vielleicht war auch der eine oder andere einfache Hobby-Hacker darunter, der hinterher ein schlechtes Gewissen bekommen hat. Aber das ist letztlich egal.

Was bleibt, sind drei Erkenntnisse. Erstens: Software hat Fehler. Immer. Zweitens: Gelegenheit macht Diebe. Drittens: Es gibt ehrliche Menschen. Aber wenn es wirklich darauf ankommt, sind sie leider oft in der Minderheit.

Ausblick auf interessante Termine in dieser Woche

Am Dienstag veröffentlicht die Bank of Japan aktuelle Zahlen zur Geldmenge M2 + CD. Die Geldmenge M2 + CD gibt an, wie viel Japanische Yen in Form von Banknoten, Münzen und auf Bankkonten im Umlauf sind. Bemerkenswert: Die Geldmenge ist seit März 202 um zwei Drittel geschrumpft. Im selben Zeitraum hat der Yen gegenüber dem US-Dollar fast 20 Prozent und gegenüber dem Euro rund elf Prozent an Wert verloren.

Am Mittwoch gibt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden die Inflationsrate für Juli 2022 bekannt. Die spannende Frage lautet: Schaffen wir noch in diesem Jahr die Zehn-Prozent-Hürde? Im Ernst: Die Kerninflation, also die Preissteigerungen unter Aussparung von Energie und Lebensmitteln, liegt irgendwo zwischen 3,5 und vier Prozent. Ja, das ist deutlich höher als vor einem oder vor zwei Jahren. Aber vielleicht sollte man den Hype um die Inflationsraten zwischendurch auch mal sachlich einordnen.

Am Donnerstag verkündet die Statistikbehörde Neuseelands die Zahl der Ankünfte von Besuchern. Die Juli-Zahl dürfte sich im minimalen Mikrobereich bewegen, wie auch schon die Monate zuvor. Auf die nächste Statistik, in denen auch die Ankünfte im August enthalten sind, darf man allerdings gespannt sein. Denn mehr als zwei Jahre lang hatte sich die Insel im No-Covid-Modus vom Rest der Welt isoliert. Anfang 2022 durften zum ersten Mal wieder ausgewählte Personen einreisen. Seit August 2022 dürfen nun wieder alle einreisen, die eine Corona-Impfung und einen Corona-Test nachweisen können. Für Neuseeland ist das ein wichtiger Schritt, nicht zuletzt auch ökonomisch. Schließlich hat die Tourismusindustrie bis 2020 einen großen Teil des BIPs ausgemacht.

Am Freitag erklärt uns das Statistische Bundesamt die aktuelle Leistungsbilanz Deutschlands für den vergangenen Monat. Der Netto-Fluss an Transaktionen, einschließlich Waren, Dienstleistungen und Zinszahlungen, ist in den vergangenen Monaten im Vergleich zum Vorjahr merklich geschrumpft. Noch steht ein Pluszeichen davor. Hält die Tendenz an, könnte es bald zum ersten Mal seit vielen Jahren passieren, das Deutschland eine negative Leistungsbilanz ausweist.

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