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„2022 wird definitiv ein Jahr für Stockpicker“

Inflation, Zinskeule, Ukraine-Krieg – drei Anlagestrategen verraten, wo es jetzt noch Investmentchancen gibt. Beim TiAM Fondsgipfel diskutierten Ulrich Kaffarnik von DJE Kapital, Frank Fischer von Shareholder Value Management und Cyrill Zimmermann von Bellevue Asset Management.

08.04.2022 | 08:30 Uhr von «Ronny Kohl»

Moment dominiert die Unsicherheit über die Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine“, so analysiert Frank Fischer Anfang März beim ersten TiAM Fondsgipfel 2022 die derzeitige Situation. Doch schon jetzt gelte es, weitere Fragen zu beantworten: Welche Folgen hat es, wenn Russland und die Ukraine nicht nur als Märkte, sondern auch als Lieferanten von Produkten, Dienstleistungen und Rohstoffen ausfallen? Wie stark werden sich steigende Rohstoffpreise auf die Inflation auswirken? Was wird das für die Politik der Notenbanken bedeuten?

„Ich kann mir im Laufe des Frühjahrs eine Reliefrally an den Börsen durchaus vorstellen, wenn die ersten Schocks über den Einmarsch der Russen und die Sanktionen verdaut sind“, sagt Frank Fischer, Chef und Fondsmanager der Shareholder Value Management AG. „Trotzdem ist das Bild außerhalb Chinas insgesamt eher von einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums geprägt. Im weiteren Verlauf des Jahres dürften wir also mehr Elemente einer Rezession sehen – wie eine steigende Arbeitslosigkeit oder einen Investitionsrückgang. In den USA stehen die Konsumenten für 70 Prozent des BIP. Hier sind die Fiskalimpulse erst einmal vorbei. Und wenn künftig weniger konsumiert wird, haben wir eine deutliche wirtschaftliche Schwäche.“

„Die Inflation ist natürlich das absolute Megathema“, pflichtet Ulrich Kaffarnik, Vorstand der DJE Kapital AG, bei. Im Grunde würden die Notenbanken der industriellen Welt seit einem Jahr der Entwicklung hinterherlaufen. „Was die Fed momentan macht, ist meines Erachtens eine Mischung aus Panik und Politik. Wir vermuten, dass wir dieses Jahr insgesamt vier Zinserhöhungen erleben. Aber dass die EZB immer noch versucht, das Thema kleinzureden, das versteht eigentlich niemand mehr.“

Kaffarnik beklagt, dass das Tapering viel früher hätte beginnen und der Pfad zu höheren Zinsen schon längst hätte eingeschlagen werden müssen. „Die Bundesbank hätte schon vor einem Jahr begonnen, die Zinsen zu erhöhen“, sagt er. „Allerdings hat die heute nur eine Stimme – gleichbedeutend wie Malta oder Italien. Insofern ist der EZB-Kurs natürlich mehr und mehr durch die Mittelmeerländer geprägt.“ Sein Ausblick: „In den USA werden die Zinsen relativ schnell nach oben gehen, was auch die EZB tun müsste. Aber Fakt ist, dass die Zentralbanken die Inflation viel zu lange unterschätzt haben.“ Er rechnet für 2022 mit einer Rate von rund drei Prozent, nicht aber damit, dass die Inflation auf das Vor-Corona-Niveau zurückgehen wird.

Neue fiskalische Impulse

Fischer bringt in dem Zusammenhang die in Deutschland angekündigte massive Erhöhung des Rüstungsetats ins Feld: „Die steigenden Rüstungsausgaben bedeuten einen erneuten fiskalischen Impuls, der, in Kombination mit der Erholung nach der Corona-Pandemie, die Inflation weiter anheizen könnte. Daneben werden die steigenden Rohstoffpreise – nicht nur für Öl und Gas, sondern auch für Agrarrohstoffe – inflationstreibend wirken.“ Zugleich erwartet er, dass die Notenbanken gezielt Liquidität aus dem Markt ziehen. „Das allerdings wird eine Gratwanderung, denn damit wächst die Gefahr, dass zu starke Maßnahmen die Wirtschaft abwürgen, die ohnehin noch versucht, sich an den neuen Gegebenheiten zu orientieren.“

Eine Gefahr, die auch Kaffarnik sieht. Einerseits geht er davon aus, dass der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland wie auch in Europa und den USA in diesem Jahr auf gemäßigtem Niveau weiterläuft. „Immer vorausgesetzt, dass die Corona- Pandemie nicht noch einmal neu aufflammt oder der Konflikt in der Ukraine nicht eskaliert, könnte sich die Lage ab Jahresmitte sogar noch beschleunigen – insbesondere, wenn sich die Situation mit den Lieferketten, die ja noch immer massiv gestört sind, wieder verbessert.“

Andererseits drohe die Gefahr, dass die Nachfrage und auch die Inflation sich beruhigen, aber die Zinssenkungen durch die Notenbanken mehr oder weniger unkontrolliert weiterlaufen, mahnt Kaffarnik. „Dann lässt sich nicht ausschließen, dass wir in eine Rezession gehen.“

Perspektiven für Anleger

Die Einschätzung der Experten wirft natürlich unmittelbar die Frage auf, was das für Investoren bedeutet. Fischer erinnert dass die Angst der Anleger seit Beginn des russischen Überfalls massiv zugenommen habe, wobei er Angst grundsätzlich als guten Indikator für einen Einstieg sieht: „Wir raten natürlich davon ab, all-in zu gehen. Es empfiehlt sich vielmehr, auf ausgewählte Aktien zu setzen – 2022 wird definitiv ein Jahr für Stockpicker!“

Biotech mit Aufholpotenzial Stockpicking ist auch den Fans von Gesundheitsaktien anzuraten. „2021 war kein leichtes Jahr“, räumt Cyrill Zimmermann von Bellevue Asset Management ein. „Im Vergleich zu den unternehmerischen Erfolgen und dem kommerziellen Potenzial fiel die Rendite für Investoren zuletzt bescheiden aus.“ Dabei habe sich der positive Trend der vergangenen Jahre fortgesetzt, indem immer mehr Menschen mit Arzneien und medizinischen Geräten immer besser behandelt werden können. Allein in den USA, dem global größten Gesundheitsmarkt, seien voriges Jahr 50 Medikamente zugelassen worden. Umso mehr lohne sich jetzt der Blick nach vorn.

Im Biotechsektor etwa konzentrierten sich die Investoren 2021 stark auf die mRNA-Impfstoffhersteller Moderna und Biontech, wie Zimmermann erklärt, was dem Nasdaq Biotech Index indes wenig geholfen habe. „Trotz der Wachstumsdynamik und den Produktzulassungen blieb die Jahresperformance deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurück, was dem Sektor nun eine attraktive Bewertung verleiht.“

Einen Stimmungsumschwung zugunsten von Biotechinvestments könnten die Patentabläufe bewirken, die in den nächsten Jahren insbesondere auf Big Pharma zukommen. „Wir erwarten einen starken Anstieg der M & A-Aktivitäten, was in Verbindung mit den besagten Bewertungen und doppelstelligen Wachstumsraten zu einer Neubewertung des Sektors führen dürfte. Darüber hinaus stammen zahlreiche neue Therapieansätze aus den letzten Jahren aus den Laboren von Biotechfirmen, die neue Anwendungen ermöglichen“, so Zimmermann weiter. Bei der mRNA-Technologie seien das neue Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten und Krebs, die sich bereits in der klinischen Entwicklung befänden.

Pharma mit solidem Wachstum Pharmakonzerne arbeiten aufgrund mehrerer Faktoren in einem positiven Umfeld. „Störfeuer von politischer Seite, wie sie gedeckelte Medikamentenpreise hätten auslösen können, sind mit dem vorläufigen Scheitern des ‚Build Back Better‘-Plans von US-Präsident Biden vom Tisch“, erklärt der Leiter des Healthcare-Bereichs bei Bellevue. Auch eine anhaltend hohe Inflation werde den Pharmafirmen wenig anhaben, da sie Preiserhöhungen über ihre Produkte weitergeben könnten.

„Zugleich verfügen sie dank der anhaltend hohen Mittelzuflüsse über enorme Cashreserven“, betont Zimmermann. Pfizer etwa dank seines Covid-19-Impfstoffs sowie der Covid-19-Therapie Paxlovid, Konzerne wie Johnson & Johnson, Novartis und GlaxoSmithKline wiederum durch die geplanten Ausgliederungen einzelner Unternehmensteile. „Milliardenbeträge, die zum Teil als Dividende ausgeschüttet werden, was für Investoren ein Grund für den Kauf von Pharmaaktien sein könnte“, erinnert Zimmermann. „Zudem wird Big Pharma kräftig in Kooperationen investieren und die aktuell niedrige Bewertung des Biotechsektors für Akquisitionen nutzen.“

Medtech & Services mit Nachholeffekten Die steigende Lebenserwartung, der wachsende Wohlstand sowie Innovationen bei Geräten und medizinischen Instrumenten bereiten den Boden für ein langfristiges strukturelles Wachstum des Medtechsektors, mit dem Ziel, die Gesundheitsversorgung besser und effizienter zu gestalten, erklärt der Bellevue-Manager weiter. „Wir erwarten Wachstumsraten von fünf bis sechs Prozent, die damit deutlich über denen der Weltwirtschaft liegen – zudem sollte die Profitabilität weiter gesteigert werden können.“

Die größten Innovationsschübe im Sin-ne von marktreifen Produkten und Technologien habe es in den vergangenen Jahren in der Diabetesbehandlung, im minimal-invasiven Herzklappenersatz, in der Neurostimulation bei Nervenleiden und der OP-Robotik gegeben. Für Dienstleister und Versicherer ergebe sich wiederum vor allem in den USA ein hohes Wachstums-potenzial aus der wachsenden Zahlkranhandlung und erhöhten die Effizienz, beispielsweise durch die digitale Analyse von Patientendaten, bei der vor allem kleinere Unternehmen den Ton angeben.

„Nach der starken Kursperformance 2020 sorgte 2021 die Sektorrotation in Large Caps bei Nischenplayern teilweise für Kursverluste.“ Doch die fundamental starke Verfassung im wachstumsstarken Digital-Health-Bereich sei weiterhin intakt. „Bei Umsatz und Ergebnis konnten die meisten Firmen ihre Wachstumsdynamik beibehalten, womit viele Firmen inzwischen deutlich niedriger bewertet sind als noch Anfang 2021“, das hat Zimmermann berechnet. Sollte sich die zuletzt zu beobachtende Rotation zurück in Nebenwerte fortsetzen, stünde die digitale Gesundheit vor einem eindrucksvollen Comeback, so das Kalkül. Und halte man sich zudem vor Augen, dass die Gesundheitsversorgung weltweit immer noch zu den am wenigsten digitalisierten Branchen zählt, blieben auch die langfristigen Perspektiven viel-versprechend.

Vorrang für Value-Titel

Pharmatitel zählt auch Fischer zu seinen Favoriten, neben Konsum- und Verbrauchsgütern sowie Technologiewerten. Als weniger aussichtsreich erachtet er Banken, Autos und Stahl. Ganz generell sucht er nach „wunderbaren Firmen, die nach Modern-Value-Kriterien ausgewählt werden“. Das sind krisenfeste Unternehmen, „die sich durch ein höheres Umsatzwachstum und hohe Kapitalrenditen auszeichnen und über strukturelle Wettbewerbsvorteile verfügen, die es ihnen ermöglichen, auch Preissteigerungen weiterzugeben“. Titel, die die Anfälligkeit des Portfolios senken und sich auch schneller als andere Unternehmen erholen sollten.

In Anbetracht der aktuellen Lage lässt er vorerst größere Vorsicht walten, weil die abgeschwächten Wachstumserwartungen auch die Gewinnentwicklung beeinträchtigen könnten. „Sollte sich die politische Situation aber wieder entspannen, kann ich mir vorstellen, die Aktienquote zu erhöhen. Aber selbst dann sind die Störfaktoren wie steigende Rohstoff- und Energiepreise immer noch da. Daher sind wir vorerst zurückhaltend“, erklärt Fischer.

Auch DJE-Vorstand Kaffarnik sieht 2022 als herausforderndes Jahr. „Es wird absolute Flexibilität gefragt sein, um bei Marktübertreibungen gegebenenfalls dagegenzuhalten. Das ist ein Job für aktive Fondsmanager, um das Anlegerkapital zu erhalten und zugleich Chancen zu nutzen“, erklärt der Experte abschließend.

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