02.02.2018 | 10:18 Uhr

DB Research: Wirtschaftlicher Ausblick 2018 - vier wichtige Abwärtsrisiken

Weltwirtschaftlicher Ausblick
1/2018
Marcos Arana, Matthew Luzzetti, Michael Hsueh
Deutsche Bank (Website)

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DB Research: Wirtschaftlicher Ausblick 2018 - vier wichtige Abwärtsrisiken

Prognosen für die Märkte in 2018 - die wichtigsten Abwärtsrisiken und Schlüsselthemen:

  • Das Wachstum der Weltwirtschaft sollte im Jahr 2018 mit 3,8% noch etwas stärker ausfallen als 2017, dem Jahr, in dem die höchste Wachstumsrate seit einem Jahrzehnt verzeichnet wurde. Vor allem in den USA und den Schwellenländern ist eine weitere Beschleunigung zu erwarten. Unsere Prognosen für Großbritannienund Japan sind im Vergleich zum Konsens eher pessimistisch. Im Euroraum sollte das Wachstum zwar weiterhin über derPotenzialrate liegen, wir erwarten jedoch keine weitere Beschleunigung. In China rechnen wir mit einer Verlangsamung und sind in Bezug auf die Inflation und auf finanzielle Risiken besorgter als der Konsens.

  • Insgesamt bleibt das wirtschaftliche Umfeld auf breiter Basis sehr robust. 2018 dürfte der zyklische Aufschwung jedoch seinen Höhepunkterreichen und ab 2019 ist wieder mit einer Verlangsamungzu rechnen.

  • Das Wachstum dürfte sich 2018 auf 2,7%, d.h. die höchste Rateseit 2015, beschleunigen, wozu Trumps Steuerreform ca. 0,3 –0,4%-Punkte beiträgt. Für diese Prognose bestehen Aufwärtsrisiken, da die staatlichen Ausgaben bei einer Anhebung der Ausgabenobergrenzen im Haushalt für das Fj. 2018 ansteigen könnten.

  • Die Wachstumsdynamik bleibt sehr kräftig, die Unternehmen investieren zunehmend, und der Konsum zieht in beeindruckender Weise an. Eventuell kommt Gegenwind vom Immobiliensektor, dessen Aktivität weiterhin lahmt und der durch die Steuerreformbelastet werden könnte.

  • Eine Reihe von Indikatoren (z.B. ISM-Preisindex, Arbeitslosenquote, Schätzungen der zugrunde liegenden Preisentwicklung) deuten auf eine Inflationsbeschleunigung in Q2 2018 nach einer enttäuschenden Entwicklung im Jahr 2017 hin. Die Kernrate des PCE dürfte sich auf 1,9% in Q4 2018 bzw. 2,2% Ende 2019 beschleunigen und damit zum ersten Mal seit 2006 den Zielwert der Fed von 2,0% übersteigen.

  • Der schwache Dollar-Wechselkurs (handelsgewichtet fand 2017 eine Abwertung um 7% statt) dürfte Inflation und Wachstum um einige Zehntelprozentpunkte steigern.

  • Im Euroraum ist das Wachstum so kräftig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Wie der Konsens prognostizieren wir für 2018 eine Rate von 2,3%. Dabei ist bei abklingendem Rückenwind inder zweiten Jahreshälfte mit einer Verlangsamung zu rechnen.

  • Das Wachstum liegt derzeit deutlich über der Potenzialrate, die wir bei rund 1,0% ansiedeln. Die Konjunkturdynamik verlangsamt sich automatisch, wenn sich die Potenziallücke schließt; die Finanzmarktbedingungenwerden restriktiver, wenn die EZB ihre akkommodierende Politik aufgibt. Und die Unterstützung durch den Außenbeitragschwindet, wenn sich das Wachstum in Asien und insbesondere in China abschwächt. Auch der starke Euro dürfte das Wachstum – wenn auch mit Verzögerung – belasten.

  • Es stehen wichtige politische Weichenstellungen an: die Regierungsbildung in Deutschland, die Brexit-Verhandlungen, die Wahlenin Italien und die Diskussion über eine Reform der EU. Wir gehen jedoch bei allen diesen Punkten in unserem Basisszenario von geringen fundamentalen Veränderungen bzw. Makroauswirkungen aus.

  • Chinas Konjunktur sollte sich 2018 weiter verlangsamen. Wir prognostizieren ein Wachstum von 6,3% (2017: 6,9%), wobei Aufwärts- und Abwärtsrisiken ausgeglichen sind. Bei einer anhaltend restriktiven Fiskal- und Geldpolitik sollte sich die Investitionstätigkeit verlangsamen. Dies wird zum Teil durch ein kräftiges Lohnwachstum und die Konsumausgaben ausgeglichen.

  • Falls sich die Konjunktur wie von uns erwartet abschwächt, dürfte die PBoC ihre Geldpolitik in H2 lockern; wir erwarten zwei Senkungen der Mindestreserveanforderungen. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Verlangsamung stabilisiertund ein Konjunktureinbruch verhindert werden kann.

  • Wir sehen zwei größere Risiken für unser Basisszenario. Daserste ist die Inflation: Die Kernrate erreichte im Jahr 2017 den höchsten Stand seit sechs Jahren und könnte sich im laufenden Quartal weiter beschleunigen, was die PBoC zu Zinsanhebungen veranlassen könnte (in der Vergangenheit wurde der Leitzins bei einem VPI von 3,0% erhöht). Das zweite ist die Finanzstabilität, da der Schuldenstand im Finanzsektor hoch ist. Das System ist komplexer geworden, die Bonität hat sich verschlechtert, und Stresstests des IWF deuten auf potenzielle Kapitallücken bei einer beträchtlichen Anzahl großer und mittlerer Banken hin.

  • Die Schwellenländer dürften im Jahr 2018 insgesamt ein positives Wachstum verzeichnen, wobei sich allerdings die Zyklen in den einzelnen Regionen stärker voneinander absetzen: Lateinamerikabefindet sich in einer günstigeren Phase als die meisten asiatischen Schwellenländer und – in geringerem Maße – die RegionCEEMEA.

  • Aus (geo-)politischer Sicht bestehen in zahlreichen wichtigen Schwellenländern landesspezifische Risiken: Parlamentswahlen in Mexiko, Brasilien und Russland, Regionalwahlen in Indien und Indonesien, Volatilität in Südkorea, Südafrika und der Türkei.

  • Die Fundamentaldaten sprechen für anhaltende Portfoliozuflüssein die Schwellenländer, was wiederum für die Makrodaten günstigist. In der Vergangenheit kam es bei Zinsanhebungen der Fed nicht zu einer Unterbrechung der Kapitalflüsse in die Schwellenländer, solange die Zinsen nicht auch am langen Ende anstiegen.


Wichtige Abwärtsrisiken

  • Höher als erwartete Inflationsraten führen zu einer raschen Straffungder Geldpolitik und entsprechenden Verwerfungen an den Märkten.

  • Marktkorrektur: Eine globale Korrektur an den Aktienmärkten dämpft Stimmung und Wohlstand, löst eine Rezession aus.

  • Finanzstabilität: Restriktivere Politik oder langsameres Wachstumführen zu Instabilität im Finanzsektor, vor allem, wenn die Verschuldunghoch ist.

  • Konjunkturverlangsamung in China: Höhere Inflation, politische Fehlentscheidungen oder finanzieller Stress führen zu einer deutlichen Wachstumsverlangsamung, die sich über Handels- und Finanzkanäle auf die Weltwirtschaft auswirkt.

Den vollständigen Weltwirtschaftlichern Ausblick können Sie hier downloaden.


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