13.09.2017 | 13:22

Wie gut kennen Sie Ihren „Smart Beta“ ETF wirklich

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

Als preisgünstige Alternative zu aktiv gemanagten Fonds erfreuen sich ETFs in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Die Frage ist, ob Investoren auch hier den nötigen Zeitaufwand in die „Due Dilligence“ investieren.

Denn das extrem heterogene Universum stellt Anleger vor große Herausforderungen, die nicht selten massive Auswirkungen auf die Performance bzw. die gewünschte Charakteristik haben können. Schließlich sind für den Großteil der Produkte nur Backtests bzw. simulierte Renditen verfügbar.

Kleiner Test: Haben Sie „Smart Beta“ ETFs im Portfolio und können diese Fragen sofort beantworten?

  • Auf welche Gewichtungsmethodik greift der Anbieter zurück? Werden die Portfoliotitel nach bestimmten Kriterien gefiltert und dann nach Marktkapitalisierung gewichtet? Oder wird ein Faktor-Score berechnet und dann mit der Kapitalisierung multipliziert?

  • Durch welche Gewichtungsmethodik erhalte ich das höhere Faktor-Exposure? Welches Faktor-Exposure möchte ich eigentlich? Und wie und über welchen Zeitraum messe ich das?

  • Welche Kennzahlen setzt der Anbieter bei der Portfoliokonstruktion ein? Warum vertraut er auf diese Kennzahlen? Über welchen Zeitraum werden diese Kennzahlen geglättet? Über 5 oder 3 Jahre? Oder doch nur über die letzten 4 Quartale? Welchen Unterschied macht das langfristig?

  • Das Rebalancing erfolgt jährlich, halbjährlich oder quartalsweise?

  • Der Turnover im Kalenderjahr ist auf x% beschränkt? Warum?

  • Die maximal erlaubten Abweichungen auf Länder- und Sektorebene relativ zum Marktindex betragen x%? Mein ETF ist auf Sektorebene neutral und ich bin deshalb bereit diese x% der maximal abschöpfbaren Faktorprämie aufzugeben?

  • Fragen der Skalierbarkeit haben, aufgrund der niedrigen Management Fees, bei der Konstruktion des ETFs folgende Rolle gespielt?

  • MSCI verwendet bei seinen Indizes konsistent die gleiche Konstruktionsmethodik, um die Vergleichbarkeit zwischen Stilen und Investmentprodukten zu gewährleisten. Sicher?

  • Für den Fall, dass die Marktvolatilität über x% steigt, passiert laut Nebenbedingung folgendes in meinem ETF?

Fakt ist, dass der Research-Aufwand für „Smart Beta“ ETFs und aktive Fonds durchaus vergleichbar ist. Wer denkt, hier eine Abkürzung nehmen zu können, dem wird die eine oder andere böse Überraschung kaum erspart bleiben.

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

Sagen Sie uns Ihre Meinung und diskutieren Sie mit den FundResearch-Experten.

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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