29.09.2015 | 08:55

Volkswagen: Ein Desaster aus ESG-Sicht

von Jan Richter, FondsConsult Research AG

Die massiven Kursverluste der Volkswagen-Aktie im Zuge des Emissionsskandals werfen eine interessante Frage auf: Hätten Analysten, die das Unternehmen einer gründlichen Analyse unterziehen und hierbei insbesondere auch auf die vielbeschworenen ESG-Kriterien Rücksicht nehmen, ein derartiges Desaster zumindest erahnen können? Oder gab die Analyse des Unternehmens, insbesondere auch hinsichtlich seiner Aufstellung in den Bereichen Umweltschutz, Soziales und Corporate Governance (ESG-Kriterien), keinerlei Ansatzpunkte für ein negatives Votum?

Auf den ersten Blick fördert die ESG-Analyse bei Volkswagen Beachtliches zu Tage. Branchenprimus RobecoSAM, der gemeinsam mit S&P Dow Jones die Dow Jones Sustainability Indices zusammenstellt, kommt in seinem am 10. September diesen Jahres veröffentlichten „Annual Review 2015“ zu dem Ergebnis, dass die Volkswagen AG im Segment „Autos & Zulieferer“ der „Industry Group Leader“ ist. Eine Nachricht, die zynischerweise aktuell immer noch auf der Seite der Volkswagen AG unter dem Stichwort „Volkswagen ist nachhaltigster Automobilkonzern der Welt“ mit viel Tamtam präsentiert wird.

Viele Fondsmanager, mit denen wir in Kontakt stehen, haben Volkswagen untergewichtet oder waren gar nicht in diesem Titel engagiert. Basis dieser Entscheidungen war meist eine klassische, gründliche, fundamentale Unternehmensanalyse, wobei sich eine hohe Abhängigkeit der VW-Gewinne von den Verkäufen in China zeigte. Fundamental orientierte Manager berücksichtigen innerhalb dieser Analyseschritte übrigens auch ESG-Kriterien, ohne diese explizit zu benennen oder sich ein entsprechendes Label anzuheften.

Bleibt festzuhalten, dass Fonds und Indices, die rein nach ESG-Kriterien zusammengestellt werden, wenig Sinn ergeben. Investitionen sollten stets auf Grundlage fundamentaler Analyse erfolgen. ESG, oder wie auch immer man es denn nennen will, kann bestenfalls zusätzliche Einblicke in das Unternehmen und für die Unternehmensbewertung liefern.

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

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Jan Richter

Jan Richter

Jan Richter ist Dipl.-Kaufmann und hat an der TU Chemnitz studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. die Emerging Markets. Jan Richter ist CFA-Charterholder.

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