26.06.2014 | 10:45

Sind weltweit anlegende Value-Fonds zu ängstlich?

von Stephan Schrödl, FondsConsult Research AG

„People are always asking me where the outlook is good, but that´s the wrong question. The right question is: Where is the outlook the most miserable?“ (John Templeton)

So denken wahre Value-Investoren. Oder sollten es zumindest. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Asset Management aber zunehmend institutionalisiert. Die Benchmark und damit einhergehend die Maxime der „Relativen Wertentwicklung“ sind immer mehr in den Vordergrund getreten.

An Ländern und Sektoren mit düsterem Ausblick besteht auch aktuell kein Mangel. Auf Länderebene sind dies beispielsweise Russland oder China, die mit einem P/E (KGV) von 5-6 bzw. 9 handeln. Im Gegensatz dazu ist der US-Markt mit einem hohen zweistelligen P/E signifikant teurer bewertet. Klar, beide Länder haben massive Probleme und sind scheinbar „cheap for a reason“. Es ist dennoch erstaunlich, dass das durchschnittliche Exposure der global anlegenden Value-Fonds zu beiden Ländern aktuell lediglich 0,4% bzw. 1,8% beträgt und damit quasi nicht existent ist. In den USA wird dagegen die Aussagekraft des „Shiller P/E“ zunehmend in Frage gestellt (siehe hierzu ein Whitepaper von GMO). Wenn der Markt nicht mehr billig ist, muss er eben billig gerechnet werden.

Disclaimer: Die im Blog zum Ausdruck gebrachten Einschätzungen sind die persönliche Meinung des Autors und spiegeln nicht in jedem Fall die Meinung der FondsConsult Research AG oder der €uro Advisor Services GmbH wider.

2014-06-30 11:04

Kommentar #1

Jörg Lange

Den Value-Ansatz auf das P/E zu reduzieren, ist mir ein bisschen zu eindimensional, auch wenn die MSCI Indzes Value und Growth nach diesem Kriterium bestückt werden. Aber gerade der Buffett-Ansatz lässt durchaus auch teurere Titel zu, wenn diese gute Ertragsperspektiven mit stabilen zukünftigen Erträgen aufgrund hoher Markteintrittsbarrieren für Wettbewerber verfügen etc. (Moat). Weiterhin sind die von mir geschätzten Value-Investoren so weitsichtig, dass sie sich auch nach der Sicherheit des Eigentums fragen. Diese ist in Russland sicherlich noch weniger gewährleistet als in China, das weiterhin eine sozialistisch geprägte Volksrepublik ist.

Sagen Sie uns Ihre Meinung und diskutieren Sie mit den FundResearch-Experten.

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl

Stephan Schrödl ist Dipl.-Volkswirt und hat an der Universität Regensburg studiert. Bei der FondsConsult Research AG ist er als Senior Analyst für die Selektion von Investmentfonds verantwortlich. Zu seinen Spezialgebieten zählen u.a. Alternative Investments.

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